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"Carl Lampert - Das erste Gebet" in Bregenz uraufgeführt

Heute, 10:26 · Lesedauer 4 min

Der österreichische Geistliche Carl Lampert (1894-1944) wurde als unbeirrbarer Katholik von den Nationalsozialisten hingerichtet. Als Appell an Menschlichkeit und Verantwortung verfasst, wurde die Uraufführung des Dramas "Carl Lampert - Das erste Gebet" am Samstag vom Publikum im Vorarlberger Landestheater gut aufgenommen. Die Rahmenhandlung, die Straftäterinnen in der Gegenwart mit den Geschehnissen konfrontiert, erweist sich jedoch auch als problematisch.

Nach der Premiere ihres Films "Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis" über die Ermordung des Tiroler Priesters im KZ Buchenwald kam das Autorenduo Kirsten Ossoinig und Peter Mair vor einigen Jahren mit dem Carl Lampert Forum, einer Initiative der Katholischen Kirche Vorarlberg, in Kontakt. Dem aus Göfis in Vorarlberg stammenden Provikar Lampert sollte ein weiterer Film gewidmet werden. Das Skript wurde vorerst gemeinsam mit Regisseur Hermann Weiskopf für die Bühne umgearbeitet.

Im Zentrum des am Samstagabend am Vorarlberger Landestheater in Bregenz uraufgeführten Werks stehen eingehend recherchierte Dokumentarszenen, die den Leidensweg des Geistlichen nachzeichnen. Da er zu Justizwillkür, Verbrechen und Repressalien der Nationalsozialisten gegenüber der Katholischen Kirche nicht schwieg und seinem Glauben nicht abschwor, wurde er mehrfach inhaftiert und gefoltert. Mithilfe eines auf ihn angesetzten Spitzels wurde ihm Wehrkraftzersetzung unterstellt. Am 13. November 1944 wurde Lampert in Halle an der Saale hingerichtet.

Regisseur Weiskopf setzt bei der Nachinszenierung der Geschehnisse auf jeweils kurze Szenen, die durch den Verzicht auf den Effekt und das äußerst konzentrierte Spiel von Nico Raschner in der Titelrolle hohe Qualität erreichen. Sein gemeinsames Agieren mit Stefan Pohl, der sowohl die Rolle von Lamperts besorgtem Bruder Julius als auch seinen Ankläger und den sadistischen KZ-Blockwart Bugdalle zu verkörpern hat, wirkt nach. Erschütternd ist der Auftritt von Rebecca Hammermüller als SA-Mann. Die Erzählung von dessen Mitwirkung an Massenerschießungen von Juden, die er als teuflisch bezeichnet ("ich habe gesehen, wer ich bin, der Teufel") erzeugt allerdings den Eindruck, als hätte es derlei Schuldeingeständnisse oft gegeben.

Verzichtet wird hingegen auf den Verweis, dass es Tätern wie dem Tiroler Gauleiter Franz Hofer nach 1945 gelingen konnte, weitgehend unbehelligt zu leben. Paulus Rusch, Bischof von Innsbruck-Feldkirch, wird in den Erzählpassagen zu den historischen Ereignissen zwar namentlich genannt, ungenutzt bleibt aber die Möglichkeit, in diesem Zusammenhang seine Weigerung zu erwähnen, kirchliche Archive zur Zeit zwischen 1938 und 1945 zu öffnen. Ungenannt bleibt auch die Tatsache, dass die österreichische Bischofskonferenz unter Kardinal Theodor Innitzer dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 ihre Zustimmung gab.

Auf die Haltung der Katholischen Kirche angesprochen, betonte Regisseur Weiskopf im Gespräch mit der APA seine Absicht, sich mit dem individuellen Widerstand zu befassen: "Es hat viele Würdenträger gegeben, die durchgetaucht sind. Ich bin so optimistisch, dass das als gesetzt gilt. Aber das macht Personen wie Carl Lampert besonders bemerkenswert." Dass die Täter nicht zur Verantwortung gezogen wurden, komme in dem Stück nicht vor, die Täter seien aber Teil unserer Geschichte. Weiskopf: "Daraus entsteht eine gewisse Verantwortung für das Heute."

Problematische Rahmenhandlung

Die Kombination der Dokumentarszenen mit den in der fiktiven Rahmenhandlung skizzierten Problemen von zwei mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Personen in der Gegenwart, beruht laut Weiskopf auf der Intention, auch junge Leute mit der Erzählung aus der NS-Zeit erreichen zu wollen. "Aus der Konfrontation mit Carl Lampert erfahren sie für sich etwas, das sie wahrscheinlich ein wenig verändern wird." Paula Futscher und Josepha Yen verkörpern die beiden jungen Frauen, die wegen Einbruchs bzw. Körperverletzungen im Gefängnis sind und einen Podcast über Lampert hören, mit einnehmender Vehemenz. Ihre Gewaltbereitschaft, ihr begrenzter Wortschatz, in dem der Begriff Bitch und weitere Beschimpfungen ihres Umfeldes oft vorkommen sowie die klischeehaft gezeichneten, zerrütteten Familienverhältnisse lassen die Handlung allerdings ins Triviale driften.

Eine gute zeitliche Kontextualisierung erfährt das Stück durch die Chorpassagen, die Volksweisen oder das Dachau-Lied von Jura Soyfer. Die Bühnenpräsenz der Genannten sowie weiterer Akteure, das zurückhaltende, die Geschehnisse aber ins Licht rückende Bühnenbild von Matthias Strahm sowie die gut ineinandergefügten Szenen verstärken die Anregung zur Auseinandersetzung mit Verbrechen, Verschweigen und Widerstand, die das Vorarlberger Landestheater nach der Seligsprechung von Carl Lampert im Jahr 2011 nun bietet.

(Von Christa Dietrich/APA)

(S E R V I C E -"Carl Lampert - Das erste Gebet" von Kirsten Ossoinig und Peter Mair. Regie: Hermann Weiskopf; Bühne und Kostüme: Matthias Strahm; Musik: Oliver Rath; Chorleitung: Heidi Caviezel. Mit Paula Futscher, Josepha Yen, Nico Raschner, Sebastian Reusse, Stefan Pohl, Rebecca Hammermüller, Sigi Stadler, Winfried Szymau und dem Theaterchor. Weitere Aufführungen am 20. Jänner, 4., 5., 6. und 28. Februar und 1. März am Vorarlberger Landestheater in Bregenz: www.landestheater.org)

Zusammenfassung
  • Das Drama "Carl Lampert - Das erste Gebet" wurde am Samstag im Vorarlberger Landestheater in Bregenz uraufgeführt und erzählt die Geschichte des 1944 von den Nationalsozialisten hingerichteten Geistlichen Carl Lampert.
  • Im Zentrum des Stücks stehen dokumentarisch recherchierte Szenen, die Lamperts Widerstand gegen das NS-Regime und seine wiederholte Inhaftierung und Folter zeigen.
  • Eine fiktive Rahmenhandlung verknüpft das historische Geschehen mit der Gegenwart, indem zwei junge Straftäterinnen in Haft einen Podcast über Lampert hören.
  • Kritisiert wird, dass das Stück wichtige historische Aspekte wie das Verhalten der katholischen Kirche nach 1945 und deren Zustimmung zum Anschluss 1938 nicht thematisiert.
  • Weitere Aufführungen finden am 20. Januar, 4., 5., 6. und 28. Februar sowie am 1. März 2026 im Vorarlberger Landestheater statt.