APA - Austria Presse Agentur

Burgtheater-Familienstück als Reise in die Plastikzukunft

14. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Während am Samstagnachmittag auf der Klimakonferenz in Glasgow immer noch um Maßnahmen gegen den Klimawandel gerungen wurde, sah man im Wiener Akademietheater zeitgleich bereits eine wenig erbauliche Zukunft vor sich. Im neuen Burgtheater-Familienstück "Zoes sonderbare Reise durch die Zeit" ist die Erde im Plastikmüll erstickt. Aber so muss es nicht kommen, lautet die an das junge Publikum gerichtete Botschaft dieses fantasievoll inszenierten Abenteuers.

Zoe (Safira Robens) ist ein junges Mädchen, das weder auf sein Handy noch auf sein Glitzertop verzichten möchte. Als wir die Heldin kennenlernen, stopft sie letzteres und andere synthetische Kleidungsstücke gerade gut gelaunt in die Waschmaschine. Doch plötzlich entwickelt das Gerät ein Eigenleben, rumpelt, raucht und blinkt, verschluckt Zoe schließlich und spuckt sie an einem anderen Ort wieder aus.

Dort leben zwei Sonderlinge, die stumme Merri (Teele Uustani) und der sprachfehlerbehaftete Elmo (Maximilian Tröbinger), die der Gestrandeten schnell klarmachen, dass sie sich auf einer Insel aus Plastikmüll mitten im Meer und 100 Jahre in der Zukunft befindet. Und dieses Jahr 2121 ist alles andere als eine Utopie: Denn der Mensch hat den Planeten mehr oder weniger ruiniert.

Regisseurin Sue Buckmaster inszeniert diese unerfreuliche Zukunftsvision äußerst einfallsreich und mit großem Schauwert für Kinder. Aufwendige Spezialeffekte braucht sie dafür nicht. Denn die künstlerische Leiterin des britischen Theatre-Rites, die vom Burgtheater für diese Koproduktion eingeladen wurde, setzt in ihren Arbeiten seit jeher auf die Verbindung von Schauspielern, Puppen und Mitteln des Objekttheaters. Der Deckel eines Behälters wird plötzlich zum Mond, die Waschmaschine zur Bohrinsel und eine Plastikplane zum wogenden Ozean. So verkörpern Uustani und Tröbinger nicht nur das Bewohnerduo des Eilands, sondern erwecken mit ihren Händen auch die nur noch als Erinnerung existierenden, in Wirklichkeit längst ausgestorbenen Luft- und Wassertiere - eine Schildkröte mit Waschkorbpanzer, ein aus Bechern bestehender Pelikan, riesige Plastikquallen - oder die steinalte Inselgöttin zum Leben.

Sie ist es, die Zoe aufträgt, bis Sonnenuntergang einen Schatz zu finden, um ihre Heimreise wieder antreten zu können. Auf dieser Spurensuche erfährt die Titelheldin, wie es überhaupt zur Katastrophe kommen konnte - sprich: Sie und die jungen Zuseherinnen und Zuseher werden in die Geschichte des Plastiks und seines Rohstoffs Öl eingeführt. Dorothee Hartinger als bezaubernd aufgedrehte, wie einem 50er-Jahre-Katalog entstiegene Tupperware-Lady und Wolfram Rupperti als Bohrinselarbeiter - hart, aber herzlich - stehen Zoe beim Wettlauf gegen die Zeit bei und verkörpern gleichzeitig die überholten Verheißungen des vermeintlichen Wundermaterials.

70 Minuten dauert dieses familientaugliche Stück, das zwischendurch vielleicht etwas weniger lehrstückhaft daherkommen und stattdessen mehr narrativen Sog entwickeln könnte. Aber hoch anrechnen muss man, dass die Macherinnen und Macher ihr kindliches Publikum ernst nehmen und ihm auf Augenhöhe begegnen, um das wohl wichtigste Thema unserer Zeit auf der Bühne zu verhandeln. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass es doch anders kommt als befürchtet. "Zoes sonderbare Reise durch die Zeit" will Mut machen, aktiv zu werden und die Welt zu verändern. Denn man muss die Sache mit der Rettung des Planeten selbst in die Hand nehmen anstatt die Verantwortung an andere zu delegieren - sei es in Glasgow oder sonst wo.

(S E R V I C E - "Zoes sonderbare Reise durch die Zeit" im Akademietheater, Lisztstraße 1, 1030 Wien; Ab 6 Jahren; Regie: Sue Buckmaster; Mit Safira Robens, Dorothee Hartinger, Wolfram Rupperti, Teele Uustani und Maximilian Tröbinger; Weitere Termine: 16., 17., 22., 23. und 28. November sowie 2., 12., 21. und 26. Dezember, jeweils 10.30 oder 11.00 Uhr; www.burgtheater.at/akademietheater)

Quelle: Agenturen