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Bundestheater blicken auf "Ausnahmejahr" 2020/21

17. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

"Wir berichten über ein Ausnahmejahr", stellte Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, bei der Präsentation der Zahlen für die Saison 2020/21 am Donnerstag klar. Schließlich prägte die Coronakrise auch diese Spielzeit in den Häusern der Holding ganz wesentlich. So betrugen die Umsatzerlöse im Konzern dank Schließzeiten und Kapazitätsbeschränkungen nur mehr 20,15 Mio. Euro nach 53,07 Mio. Euro im Vorjahresvergleich.

Im Vergleich zum - hoffentlich nur vorerst - letzten coronafreien Jahr 2018/19 fällt das Umsatzminus mit 61,3 Mio. Euro noch deutlich höher aus. Demgegenüber stehen allerdings die Coronahilfen, die Kircher mit 41,6 Mio. Euro bezifferte - von Kurzarbeitshilfe in Höhe von 30,3 Mio. Euro bis zu 10,4 Mio. Euro an Sondermitteln durch das Kulturministerium. In Kurzarbeit waren im fraglichen Zeitraum in Summe rund 1.985 Menschen.

Zugleich sind die dezidierten Coronafolgen für das Budget nicht zu unterschätzen, die Kircher mit 4,9 Mio. Euro bezifferte - von Sonderabschreibungen auf Produktionen in Höhe von 1,9 Mio. Euro bis zu Ausgaben für Coronatests in Höhe von 2,2 Mio. Euro. Überdies habe man allein aktuell 150 positive Coronafälle im Konzern zu verzeichnen, zu denen verordnete Quarantänen und Betreuungspflichten für die Mitarbeitenden kämen. In Summe seien also derzeit rund 200 Menschen nicht regulär einsetzbar. "In dem Ausmaß, wie es uns derzeit arbeitsmarkttechnisch betrifft, war es nie so schlimm wie heute", betonte Kircher.

Der genaue Blick in die Bilanzen zeigt, dass die Wiener Staatsoper wie schon im Vorjahr das einzige Haus der Holding war, das in der Gesamtbilanz auf ein negatives Jahresergebnis kam. Hier betrug das Minus 2,5 Mio. Euro nach 1,98 Mio. Euro im Vergleichszeitraum. Dies liege am hohen Eigendeckungsgrad der Staatsoper von rund 45 Prozent, was das Ergebnis des Hauses am Ring bei lockdownbedingten Schließungen schnell kippen lasse. Im Burgtheater betrug der Jahresüberschuss 7,31 Mio. Euro nach 5,02 Mio. Euro 2019/20, bei der Volksoper 5,72 Mio. Euro nach 3,13 Mio. Euro zuvor. In Summe bleibt der Holding ein Jahresergebnis von 10,8 Mio. Euro.

Die Reserven mit 31. August 2021 stiegen ebenfalls - erneut mit Ausnahme jener der Staatsoper. Sie lagen im Burgtheater etwa bei 22,02 Mio. Euro, in der Staatsoper bei 18,89 Mio. Euro und in der Volksoper bei 15,17 Mio. Euro. Für alle Institutionen zusammengenommen betrugen die Reserven in Summe 72,48 Mio. Euro - ein Plus von ungefähr 10,86 Mio. Euro. "Das klingt alles nach einem großen Luxus, uns geht es auch gut, aber es ist alles immer stetig an der Kippe", unterstrich Kircher. Und für das laufende Geschäftsjahr fielen die großen Sonderfördertöpfe wieder aus, was reserventechnisch abermals eine neue Situation darstelle.

Wie die nähere Zukunft nun aussehe, sei dabei schlicht nicht zu prognostizieren. Klar sei zumindest, dass der Vorverkauf angezogen habe. Von Planungshorizont könne aber dennoch keine Rede sein: "Wir wissen schlicht nicht, wo der Horizont liegt. Manchmal fahren wir im dichten Nebel und wissen nicht, wo die Kante ist", machte der Holding-Chef deutlich. So sei etwa die Frage offen, ob Wien bei den für 5. März von der Bundesregierung avisierten Öffnungsschritten auch im Kulturbereich mitziehe. "Wie wird Wien auf die Öffnungsschritte reagieren? Das ist uns noch nicht bekannt", so Kircher.

Aber auch abseits von Corona gab es zentrale Ereignisse für den Konzern, wie etwa den Terroranschlag von November 2020 oder einen Cyberangriff im März 2021, der für zehn Tage die Computerinfrastruktur der Bundestheater lahmgelegt hat. "Wir haben kein Lösegeld gezahlt - unter dem Strich ist kein Schaden entstanden", beruhigte Kircher, der sich allgemein für Optimismus in die Bresche warf: "Wir sind immer noch in Umständen, die es uns erlauben, Theater zu spielen und Publikum zu empfangen. Man muss am Ende des Tages immer auch schauen, unter welchen glücklichen Umständen man lebt."

Zu den glücken Lebensumständen soll dann auch das neue Ticketingsystem gehören, das für die Abonnements mit April/Mai implementiert wird. Nach einer Ausschreibung steigen die Bundestheater vom bisherigen Anbieter Culturall auf JetTicket um, der im August 2021 den Zuschlag erhalten hatte.

Quelle: Agenturen