APA - Austria Presse Agentur

Brexit bringt britische Kulturszene 2021 an die Grenzen

06. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

Die britische Kulturszene sieht wegen des Brexits einer ungewissen Zukunft für Auftritte in Europa entgegen. "Für mich ist 2021 ein Jahr des Überlebens", sagte Nick Grace, ein Veranstalter von internationalen Theaterproduktionen, zu ausländischen Journalisten in London. "Ich hoffe, 2022 wird ein Jahr der Erholung und 2023 wieder ein normales Jahr. Wie auch immer das "neue Normal" aussehen wird."

Die ohnehin schon extrem durch die Corona-Pandemie gebeutelte Branche ist ein Opfer komplizierter Brexit-Bürokratie: Für Tourneen in Europa sind nicht nur je nach Land unterschiedliche Arbeitserlaubnisse notwendig - es braucht auch für musikalisches Equipment spezielle und teilweise teure Genehmigungen. Außerdem gibt es Beschränkungen, die innerhalb der EU nur wenige Stopps und Auftritte innerhalb einer Reise erlauben. Umgekehrt gibt es für Musiker aus der EU in Großbritannien ebenfalls neue Hürden.

Veranstalter von international auftretenden Musicals und Theaterproduktionen, für die EU-Länder ein wichtiges und geschätztes Ziel sind, haben für dieses - und in vielen Fällen sogar auch für nächstes - Jahr Auftritte in der EU vorerst aus der Planung genommen. "Im Moment können wir einfach nicht planen. Das ist es, was uns zurückhält", sagte Kash Bennett, die am National Theatre internationale Aufführungen der Stücke plant. Dabei sei langfristige Planung in dem Bereich das A & O - oft schon zwei oder drei Jahre im Voraus. Durch die Unsicherheiten riskiere man nun, dass später etliche Veranstaltungsstätten ausgebucht seien.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Regierung und des Sektors sollte in dieser Woche ihre Arbeit aufnehmen, erklärte Julian Bird von der Society of London Theatre and UK Theatre. Die Branche hatte sich zuvor in einem offenen Brief an die Regierung gewandt.

Im Zuge der Brexit-Verhandlungen hatten sowohl London als auch Brüssel beteuert, die Bedeutung der Kultur zu kennen und angemessene Ausnahmeregeln finden zu wollen. Im Ringen um einen Brexit-Handelspakt bis zur letzten Minute fiel dies jedoch mutmaßlich der knappen Zeit zum Opfer. Nun sollen Vereinbarungen getroffen werden, die Künstlern und ihren Crews weiterhin Tourneen ohne massive Hindernisse und Kosten ermöglichen.

Die darstellenden Künste haben nach eigenen Angaben der Branche jährlich ein Umsatzvolumen von rund 10,8 Milliarden Pfund (12,33 Milliarden Euro). Sie seien ein wichtiges globales Exportgut Großbritanniens, das auch zum internationalen Austausch von Sprache, Kultur und Ideen beitrage.

Quelle: Agenturen