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Bregenzer Festspiele bauen Spiegelwand für "La traviata"

Heute, 12:18 · Lesedauer 3 min

Auf der Bregenzer Festspielbühne entsteht derzeit eine 700 Quadratmeter große zersplitterte Spiegelwand. Einblicke in die Herausforderungen beim Bau des 25 Meter hohen Herzstücks des Bühnenbilds für das neue Spiel auf dem See gaben am Donnerstag Intendantin Lilli Paasikivi, Technikdirektor Wolfgang Urstadt und Ausstattungsleiterin Susanna Boehm. Man liege gut im Zeitplan, hieß es. 80 Prozent der Karten für die 28 Vorstellungen von Verdis "La traviata" sind bereits verkauft.

"Ein unglaublich interessanter Prozess", schwärmte Intendantin Paasikivi, die das Werden des neuen Bühnenbilds der ersten von ihr programmierten Seeoper täglich verfolgt. "Wir hatten schnell ein gutes, solides Konzept", so die Intendantin über die Idee von Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin. Der zerbrochene Spiegel stehe für das Innenleben der Hauptfigur, der Kurtisane Violetta, die zwischen der schönen Pariser Scheinwelt und der Sehnsucht nach Liebe und einem einfachen Leben am Land stehe. Premiere ist am 22. Juli - bis dahin ist aber noch viel zu tun.

Noch vor Weihnachten wurde auf der Seebühne ein Stahlgerüst von beeindruckender Größe installiert, vor wenigen Tagen wurden die ersten Spiegelsplitter montiert. Dass es keine echte Spiegelwand sein würde, war wegen des starken Blendeffekts rasch klar, so Ausstattungsleiterin Boehm. Die Illusion eines echten Spiegels zu erzeugen, beschrieb sie als Herausforderung, die zahlreiche Bauproben und Tüfteleien kostete. Die 86 Spiegelzacken sind zwischen zwölf Metern und 40 Zentimetern hoch und bestehen aus Holzplatten, die mit einem bedruckten Netzgewebe beklebt sind. Dazu baute das Team eigens eine Maschine. Stück für Stück verlassen die Splitter in den nächsten Tagen und Wochen die Montagehalle des Festspielhauses, um per Kran auf die Bühne gehievt und montiert zu werden.

Die Splitter spielen alle Stücke

Zur Spiegelwand wird sich eine spiegelnde Bodenfläche gesellen. Einiges wird wiederverwertet, so kommt etwa das für das "Freischütz"-Bühnenbild gebaute, 1.400 Quadratmeter große Wasserbecken wieder als Spielfläche zum Einsatz, wenn auch "ganz anders", verriet Technikdirektor Urstadt. Als stetige Herausforderungen begleiten die Erbauer die große Dimension, die Statik, die vielen beweglichen Teile sowie die nötige Wind- und Wetterfestigkeit. Wo Lautsprecher versteckt sind, kommen etwa Lochbleche zum Einsatz, damit der Schall ungehindert zum Publikum kommt. Später sollen auf den Spiegelsplittern Videosequenzen laufen, zwei der Splitter sind zudem hydraulisch aufklappbar. Es gebe noch weitere Funktionen, dazu wolle er sich aber noch nicht äußern.

Ebenfalls nichts Konkretes zu entlocken war dem kaufmännischen Direktor Michael Diem, was die Baukosten des Bühnenbilds in der 80-Jahr-Jubiläumssaison angeht. Man bewege sich in etwa auf Höhe des "Freischütz" und "wir sind im Budget". Teuerung und Personalkostensteigerungen machten aber auch vor der Kunst nicht Halt, betonte er eine knappe Kalkulation. Umso wichtiger sei es, dass "La traviata" beim Publikum begeisterte Reaktionen auslöse: 80 Prozent der Tickets seien bereits gebucht, was die Erwartungen übersteige.

Die Reaktionen zeigten, dass man die richtige Wahl getroffen habe, freute sich die Intendantin. Geplant sind 28 Aufführungen, dabei soll es laut Diem bleiben. Die Vorfreude auf die Saison 2026 zeige sich ebenso an der großen Zahl an Anmeldungen für das "Singalong am See" am 1. August auf der Tribüne. Tausende - Chöre, Gesangsgruppen und Einzelpersonen - werden dann dort gemeinsam singen.

(S E R V I C E - 80. Bregenzer Festspiele 2026, 22. Juli bis 23. August. www.bregenzerfestspiele.com - Via Webcam kann man den Aufbau live verfolgen: https://bregenzerfestspiele.com/de/webcam)

Zusammenfassung
  • Auf der Bregenzer Seebühne entsteht für Verdis 'La traviata' eine 700 Quadratmeter große, 25 Meter hohe zersplitterte Spiegelwand aus 86 Holz- und Netzgewebe-Segmenten als zentrales Bühnenbild.
  • 80 Prozent der Karten für die 28 Vorstellungen sind bereits verkauft, die Premiere der 80. Festspielsaison ist am 22. Juli 2026.
  • Das Bühnenbild birgt technische Herausforderungen wie Statik, Wetterfestigkeit und bewegliche Elemente, zudem werden Teile des 1.400 Quadratmeter großen Wasserbeckens wiederverwendet.