Berliner Theatertreffen mit "Fräulein Else" und Holzinger
Der deutsche Regisseur wurde mit "Serotonin" nach Michel Houellebecq am Hans Otto Theater Potsdam sowie mit Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" am Staatstheater Cottbus eingeladen. Beide Häuser sind damit erstmals beim Theatertreffen vertreten. Auch die Münchner Kammerspiele können sich über zwei Nennungen freuen: Jette Steckel ist mit ihrer Inszenierung von "Mephisto" nach Klaus Mann vertreten, Jan-Christoph Gockel, der diese Woche am Wiener Volkstheater "Ukrainomania" nach Joseph Roth herausbringt, kommt mit seiner monumentalen "Wallenstein"-Inszenierung nach Friedrich Schiller nach Berlin. Apropos Volkstheater: Dort war im Vorjahr auch die Tanzquartier-Koproduktion von Holzingers "A Year Without Summer" zu sehen, die zuvor an der Volksbühne Berlin Premiere gefeiert hatte. Die auch mit zwei Nestroy-Preisen für die Beste Regie und die Beste Hauptdarstellerin gewürdigte Produktion "Fräulein Else" zeigt das Volkstheater noch am 24. und 26. Februar.
Somit ist das Volkstheater nach "Change" (1979) und "humanistää!" (2022) zum dritten Mal beim "Gipfeltreffen" des deutschsprachigen Theaters vertreten, freute sich das Theater am Dienstag in einer Aussendung. "Ich hab' zum ersten Mal die Ehre am Berliner Theatertreffen spielen zu dürfen. Und das auch noch mit meinem Herzensprojekt 'Fräulein Else'. Ich freu' mich schon auf Berlin!" zeigt sich Julia Riedler, die vom Fachblatt "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gekürt wurde, erfreut. Regisseurin Leonie Böhm ergänzt: "'Fräulein Else' ist für uns so wichtig und es ist so ein Geschenk, zu erleben, dass es anderen auch so geht. Ich freue mich ganz arg, dass wir eingeladen sind."
Die Österreicherin Nora Hertlein-Hull steht an der Spitze dieser Bühnen-Leistungsschau, die heuer von 1. bis 17. Mai stattfindet. Die Jury bestand heuer aus Alexandra Kedves, Vincent Koch, Sabine Leucht, Martin Thomas Pesl, Falk Schreiber, Christine Wahl und Sascha Westphal. Mit Abschluss der diesjährigen Festivalausgabe verlassen turnusmäßig Leucht, Pesl und Westphal die Jury. An ihre Stelle wurden Jakob Hayner, Yaël Koutouan und Silvia Stammen berufen. Berücksichtigt wurden Premieren, die im Zeitraum 17. Jänner bis 31. Dezember 2025 stattfanden. Der Spielplan erscheint im April.
Politische Themen und große Schauspielleistungen
Das Theatertreffen 2026 verbindet großes Schauspieler*innentheater mit den politischen Themen unserer Zeit", so Hertlein-Hull bei der Pressekonferenz in Berlin. "Die nominierten Inszenierungen muten uns einiges zu, im allerbesten Sinne. Texte, die man zu kennen glaubt, werden in großen ästhetischen Setzungen innovativ und überraschend interpretiert und lassen tief in menschliche Abgründe blicken."
Neben den Aufführungen der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen im Haus der Berliner Festspiele und an weiteren Spielorten gibt es heuer erstmals auch das neue Format "Mehr Drama!": Dafür haben sechs Theaterverlage renommierte Autorinnen und Autoren aus ihrem Programm gebeten, jeweils ein Nachwuchstalent zu benennen, dessen Text in einer Lesung präsentiert wird. Zu den Auswählenden gehören u.a. die Österreicher Ferdinand Schmalz und Gerhild Steinbuch.
Die Juryauswahl der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen
Stück
Regie
Theater
"Die Welt im Rücken" von Thomas Melle
Lucia Bihler
Schauspiel Stuttgart
"Die Glasmenagerie" von Tennessee Williams
Jaz Woodcock-Stewart
Theater Basel
"Mephisto" nach Klaus Mann
Jette Steckel
Münchner Kammerspiele
"Serotonin" nach Michel Houellebecq
Sebastian Hartmann
Hans Otto Theater Potsdam
"Three Times Left is Right" von Julian Hetzel
Julian Hetzel
Koproduktion Wiener Festwochen und Schauspiel Leipzig
"Wallenstein" nach Friedrich Schiller
Jan-Christoph Gockel
Münchner Kammerspiele
"A Year Without Summer" von Florentina Holzinger
Florentina Holzinger
Volksbühne Berlin in Koproduktion u.a. mit dem Tanzquartier Wien
"Fräulein Else" von Leonie Böhm und Julia Riedler
Leonie Böhm
Volkstheater Wien
"Il gattopardo"
Pınar Karabulut
Schauspielhaus Zürich
"Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer
Sebastian Hartmann
Staatstheater Cottbus
(S E R V I C E - https://www.berlinerfestspiele.de/theatertreffen )
Zusammenfassung
- Das Festival findet vom 1. bis 17. Mai 2026 statt und legt einen Schwerpunkt auf politisch relevante Themen und innovative Neuinterpretationen bekannter Texte.
- Mit dem neuen Format 'Mehr Drama!' erhalten erstmals Nachwuchsautor:innen eine Bühne, während das Volkstheater Wien nach 1979 und 2022 zum dritten Mal beim Theatertreffen vertreten ist.
