APA/APA/Wiener Staatsballett/Michael Pöhn

"Begegnungen" von hell und dunkel beim Staatsballett

03. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Licht und Schatten sind auf einer Bühne ja keine unbekannten Gestaltungselemente. Beim neuen Staatsballett-Abend "Begegnungen" greift dieses Gegensatzpaar aber gleich auf mehreren Ebenen in das Geschehen ein. In den drei verschiedenen Werken, davon zwei Uraufführungen, verschmolz bei der Premiere Mittwochabend an der Wiener Volksoper nicht nur das Tänzerische mit dem Musikalischen, sondern wechselten sich Sehnsucht und Ablehnung, Zuversicht und Melancholie ab.

Dabei waren es nur Andeutungen von narrativen Elementen, die sich durch die knapp drei Stunden zogen. Vielmehr wurden musikalische Motive gekonnt aufgegriffen und ins Körperliche umgesetzt, wie etwa bei Andrey Kaydanovskiys großartigem "lux umbra": Für seine neue Choreografie hat sich der Russe von Christof Dienz ein zwischen Wohlklang und Aufbruch changierendes Musikwerk komponieren lassen, das die zeitgenössische Deutung der Suche nach dem Licht wundervoll illustrierte.

Inhaltlich lehnte sich Kaydanovskiy nämlich an Platons Höhlengleichnis an, erkennbar nicht zuletzt an der gelungenen Bühne (Karoline Hogl hat auch die schönen Kostüme entworfen). In dieser monochromen Welt musste das Dreigespann Marcos Menha, Rebecca Horner und Lourenço Ferreira, unterstützt von einem zwölfköpfigen Ensemble, den Weg hinter die Schatten suchen, was mit vielen kraftvollen wie ausladenden Figuren beinahe gelang. Doch als sich am Ende das steinere Gefängnis in ein hoffnungsvolles Weizenfeld verwandelte, war der Silberstreif am Horizont durch nur Illusion.

Noch mehr auf reinen Tanz denn auf erzählerische Momente konzentriert war auch die neueste Kreation des Ballettdirektors: Martin Schläpfer ließ zu Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 zwar Dutzende Tänzerinnen und Tänzer antreten, doch stellte er sie großteils nur solo oder als Pas de deux ins Rampenlicht. "In Sonne verwandelt" wurden so vorwiegend intime Momente der Vertrautheit, die sich in der personellen Ausgestaltung kaskadenhaft abwechselten und nur selten zu emotionalen Irritationen führen sollten. Und doch: Die Vergänglichkeit eines heilen Ortes lag wie ein Schatten über den leichtfüßigen Bewegungen, die ihren Reiz eher in der kleinen denn großen Geste entfalteten.

Ähnliches galt im übrigen für den Auftakt des Abends, Alexei Ratmanskys 2013 erstmals aufgeführte Choreografie zu Chopins "24 Préludes": Diese Miniaturen waren ein Wechselbad der Gefühle, mal himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt. Die vier Tänzerpaare folgten ganz der sprunghaften Stimmung der Musik, vom Volksopernorchester unter Gerrit Prießnitz gleichermaßen schwungvoll wie präzise als Spielwiese angelegt. Einen speziellen Sog entwickelte das Gebotene allen voran in den dramatischeren Phasen, die sich ganz plötzlich entluden. Aber so schnell die Spannung angeschwollen war, ebbte sie auch wieder ab. Auf hell folgt schließlich dunkel und umgekehrt - auch bei diesen "Begegnungen".

(S E R V I C E - Wiener Staatsballett: "Begegnungen", mit "24 Préludes" von Alexei Ratmansky, "lux umbra" von Andrey Kaydanovskiy (UA) und "In Sonne verwandelt" von Martin Schläpfer (UA), Musikalische Leitung: Gerrit Prießnitz, Volksoper Wien. Nächste Aufführungen am 7., 12., 22. und 27. Februar sowie am 4., 9. und 15. März; www.volksoper.at, www.wiener-staatsoper.at/wiener-staatsballett)

Quelle: Agenturen