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Barocktage Melk mit berührender "Dido und Aeneas" gestartet

04. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Was für eine Sternstunde! Zur Eröffnung der von Michael Schade geleiteten Internationalen Barocktage Stift Melk hat in der Stiftskirche eine "semikonzertante", schon vor zwei Jahren geplant gewesene Aufführung der Oper "Dido und Aeneas" von Henry Purcell anhaltende Standing Ovations hervorgerufen: beeindruckend, herzergreifend, aber frei von Pathos.

Gleichsam als Ouvertüre fungierte die "Tempest"-Suite von Matthew Locke. Der wunderbare Concentus Musicus Wien unter seinem Dirigenten Stefan Gottfried und eine Riege an herausragenden Sängerinnen und Sängern sowie die von Poesie und Bilderreichtum durchdrungene Regie von Alexander Hauer ließen den Abend zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Dido und Aeneas erstand in unprätentiöser Stringenz, Purcells hochsensitive und harmonisch kühne Musik kam dramaturgisch ausgereift zur Geltung.

Bis in die kleinsten Details wirkte die Hauer'sche Inszenierung stimmig: Wenn der mit roten Kapuzen kostümierte Chor - der von Johannes Hiemetsberger bestens einstudierte Smaragd Kammerchor des Anton Bruckner Instituts der Wiener Musikuniversität - die bösen Intrigen der hämischen Hexen mit spöttischem Gelächter kommentiert, vermeinte man ein Gemälde von Hieronymus Bosch vor sich zu sehen. Und wenn zur todtraurigen Schlussarie der Dido ("When I am laid in earth") aus der Kuppel der Stiftskirche, die von Michael Rottmayr alias von Rosenbrunn stammt, rote Blätter schwebten, dann war das gar nicht kitschig, sondern im Gegenteil zutiefst berührend, als wär's ein unendlich resignativer Nachspann zum Knef-Chanson "Für mich soll's rote Rosen regnen".

Exzellent auch die sängerischen Leistungen von Wallis Giunta (Dido), Michael Schade (Aeneas), Johanna Wallroth (Belinda), Olivia Vermeulen (Zauberin), Lucija Varsic, Momoko Nakajima und Christopher Willoughby. Atmosphärisch sehr schön und ausgeklügelt: die Lichtregie (Patrick Suppan). Ein wahrlich sensationeller Abend, nachhörbar bis 10. Juni in der Radiothek von Ö1, zu sehen am 5. Juni um 21 Uhr auf ORF III und am 6. Juni um 9.20 Uhr auf 3Sat.

(S E R V I C E - Internationale Barocktage Stift Melk, bis 6. Juni. www.wachaukulturmelk.at/de/barocktagemelk/barocktage-melk)

Quelle: Agenturen