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Baldwin: Keine Verantwortung für Todesschuss auf Kamerafrau

03. Dez. 2021 · Lesedauer 3 min

Nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins bei einem Western-Dreh hat US-Filmstar Alec Baldwin in einem Fernsehinterview jegliche Verantwortung zurückgewiesen. Jemand sei für das Unglück verantwortlich - "aber ich weiß, dass ich es nicht bin", sagte Baldwin in dem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem Sender ABC News. Die Ermittlungen müssten sich nun darauf konzentrieren, "wer scharfe Munition auf das Set" gebracht habe.

Baldwin soll am 21. Oktober während Dreharbeiten zu dem Western "Rust" im Bundesstaat New Mexico offenbar versehentlich bei einer Probe die 42-jährige Kamerafrau Hutchins mit einer Requisitenwaffe erschossen haben. Regisseur Joel Souza wurde an der Schulter getroffen und verletzt. Der Revolver war offenbar mit mindestens einer echten Kugel geladen worden. Baldwin wurde nach dem Vorfall mehrfach verklagt.

"Ich habe nichts zu verbergen", versicherte der Hollywood-Star auf ABC News in seinem ersten großen Interview seit dem Vorfall. "Wenn ich mich verantwortlich fühlen würde, hätte ich mich vielleicht umgebracht." Der 63-Jährige forderte, "die strafrechtlichen Ermittlungen sollten sich darauf konzentrieren, herauszufinden, wer scharfe Munition auf das Set von 'Rust' gebracht hat".

Baldwin beschrieb den Vorfall im Detail und sagte, ihm sei gesagt worden, dass die Waffe "kalt" sei - Fachjargon für eine Feuerwaffe, die keine scharfe Munition enthält. Er sei von Hutchins angewiesen worden, die Waffe in ihre Richtung zu richten, während sie sich darauf vorbereitete, die Szene zu drehen. "Ich ließ den Hammer los. Peng. Die Waffe geht los", sagte er. "Alle sind entsetzt. Sie sind schockiert. Es ist laut", beschrieb er die Reaktionen der Umstehenden.

Der Hammer oder Hahn eines Revolvers ist ein gebogenes Bauteil oben an einer Waffe, der auf den Schlagbolzen vor dem Pistolenlauf wirkt. Er ist daran beteiligt, eine Kugel in den Lauf zu schieben. Ausgelöst wird ein Schuss aber durch den Abzug.

Baldwin sagte, er habe zunächst geglaubt, Hutchins sei ohnmächtig geworden oder habe einen Herzinfarkt erlitten. Erst Stunden später, nach einem langen Polizeiverhör, habe er erfahren, dass sie mit einer scharfen Kugel getötet worden war. Er wies die Vermutung zurück, dass es sich um einen Sabotageakt gehandelt haben könnte. Vielmehr sei es "sehr wahrscheinlich, dass es ein Unfall war".

Baldwin sagte, er sei seit dem Vorfall als "Mörder" beschimpft worden. Die Aussagen einiger Kritiker, dass es die Aufgabe eines Schauspielers sei, Waffen zu überprüfen, wies er zurück. Aber die Tragödie habe die Dinge für ihn verändert, sagte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder einen Film zu drehen, in dem eine Waffe vorkommt."

In bereits am Mittwoch vorab veröffentlichten Ausschnitten des Interviews hatte Baldwin das Abfeuern der Waffe bestritten. "Ich habe den Abzug nicht betätigt", sagte er. "Ich würde niemals eine Waffe auf jemanden richten und den Abzug betätigen." Baldwin zeigte sich während des Interviews sehr emotional und weinte mehrmals.

Hannah Gutierrez-Reed, die Waffenmeisterin am Set von "Rust", hatte in einer Aussage gegenüber den Ermittlern zugegeben, dass sie bei der Überprüfung des Revolvers kurz vor der Tat nachlässig gewesen sei. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an, eine Festnahme gab es bislang nicht.

Baldwin hält es für "höchst unwahrscheinlich", dass er "strafrechtlich angeklagt wird". Andererseits würde es ihn nach eigener Aussage wundern, wenn Hutchins' Ehemann nicht auch die Produzenten des Films, ihn eingeschlossen, verklagen würde.

Der Vorfall hatte Schockwellen durch Hollywood gesandt. Viele riefen dazu auf, echte Waffen von Filmsets zu verbannen.

Quelle: Agenturen