Ausstellung widmet sich dem lateinamerikanischen Wien
Es ist eine räumlich und historisch nicht sonderlich ausgreifende Schau. Einerseits habe man sich vor allem auf die Gegenwart und die jüngere Vergangenheit bis 1945 beschränken wollen, um auch Rückkehrer aus der Migration der NS-Zeit einzubeziehen, andererseits habe das Projekt viele Standbeine und sei nicht nur auf jene Objekte beschränkt, die man in einem kleinen Raum hinter dem Museumscafé zeigt, sagte Berthold Molden vom 15-köpfigen Kuratoren-Team am Mittwoch bei einem Pressegespräch. So wurden in einem Oral History Projekt 71 Erfahrungsberichte aufgezeichnet und abrufbar gemacht, ein Online-Archiv ins Leben gerufen, in dem jeder und jede Fotos zentraler Erinnerungsgegenstände und -dokumente hochladen kann, und eigene thematische Stadtspaziergänge entworfen.
Hauptstück der Museumspräsentation, die auch zum Mitmachen einlädt, ist eine "Emotionale Migrationskarte", für die Betroffene eingeladen wurden, aussagekräftige Textilobjekte zu schaffen. 48 einzelne Stücke bilden nun eine sehr bunte Textilcollagewand. "Textilien haben eine lange Tradition in Lateinamerika", erklärte Kuratorin Marcela Torres Heredia. "Das Objekt bleibt nach der Ausstellung in der Sammlung des Wien Museums, was uns sehr freut."
Die erste größere lateinamerikanische Migrationswelle nach Österreich sei nach dem Militärputsch in Chile 1973 zu verzeichnen gewesen, berichtete Molden. Auch in den Jahren danach seien politische Repressalien die Hauptmigrationsgründe gewesen. In jüngerer Zeit dominierten "Bildung, Arbeit und Liebe" als Migrationsgründe. Spezielle Programme versuchen etwa Österreich für Arbeitskräfte im Pflegebereich attraktiv zu machen.
Menschen aus rund 20 Ländern sind in Ausstellung und Archiv vertreten und sollen ein möglichst vielstimmiges und diverses Bild vermitteln. Die Beschriftungen sind auf Deutsch und Spanisch, mittels QR-Codes können sie auch auf Englisch und Portugiesisch aufgerufen werden.
(S E R V I C E - Ausstellung "Viena Latina - Leben zwischen den Welten", Community Gallery des Wien Museums, Karlsplatz 8, 5. März - 31. Mai, Dienstag, Mittwoch, Freitag, 9-18 Uhr, Donnerstag 9-21 Uhr, Samstag und Sonntag, 10-18 Uhr, https://www.wienmuseum.at/viena_latina , www.vienalatina.org )
Zusammenfassung
- Rund 20.000 Menschen aus Lateinamerika und der Karibik leben heute in Wien, ihre Geschichten werden ab Donnerstag in der Ausstellung "Viena Latina - Leben zwischen den Welten" im Wien Museum sichtbar.
- Im Rahmen des EU-geförderten Projekts wurden 71 Erfahrungsberichte gesammelt, ein Online-Archiv eingerichtet und 48 von Betroffenen gestaltete Textilobjekte als emotionale Migrationskarte präsentiert.
- Die Ausstellung, an der Menschen aus rund 20 Ländern beteiligt sind, läuft vom 5. März bis 31. Mai und bietet mehrsprachige Beschriftungen sowie digitale Zugänge.
