"Arik-Brauer-Preis" für Wolf Biermann

26. März 2022 · Lesedauer 4 min

Der deutsche Liedermacher wurde in Wien von Mena-Watch mit dem "Arik-Brauer-Publizistikpreis" für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Wolf Biermann ist Geschichte, deutsche Geschichte. Der 86-jährige Liedermacher und Dichter wurde am Donnerstag vom Nahost-ThinkTank Mena-Watch in Wien für sein Lebenswerk mit dem „Arik-Brauer-Publizistikpreis“ ausgezeichnet. Der Preis wurde von Mena-Watch Gründer Erwin Javor im Andenken an dem vor mehr als einem Jahr verstorbenen Künstler und Sänger ins Leben gerufen.

Ausgezeichnet werden dabei Journalistinnen und Journalisten, die sich mit einer objektiven und faktengetreuen Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten in der österreichischen und deutschen Medienlandschaft besonders hervorheben. Die ersten Preisträger in der Kategorie Medien sind der Leiter des Außenpolitik-Ressorts der Tageszeitung Die Presse Christian Ultsch und die deutsche Publizistin und Kommentatorin Esther Schapira. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ es sich nicht nehmen, eine Grußbotschaft an die Preisträger zu senden.

Preisstifter Erwin Javor, Preisträger Wolf Biermann, Esther Schapira, Christian Ultsch

Jury wählte Biermann einstimmig

Einstimmig von der Jury, der unter anderen  Standard-Gründer Oscar Bronner, der ehemalige ORF-Korrespondent Ben Segenreich, die Direktorin des Jüdischen Museums in Wien Danielle Spera oder der Religionswissenschaftler Adnan Aslan angehören, wurde Wolf Biermann für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 

Biermann, so die Begründung der Jury, habe sich zeitlebens dafür ausgezeichnet, auf den Weg des geringsten Widerstands zu verzichten. Biermann wurde 1936 in Hamburg geboren und veröffentlicht seit 1960 Lieder und Gedichte. Er wurde in den 1960er Jahren als radikaler Kritiker der Parteidiktatur der DDR bekannt, seine Ausbürgerung sorgte für großes Aufsehen. Biermann ist Preisträger zahlreicher Literaturauszeichnungen und seine Gedichtbände gehören zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur.

Wolf Biermann erhält "Arik Brauer-Publizistikpreis" für Lebenswerk

Ausgebürgert aus der DDR 

Auch für seine Konzerte und seine scharfzüngigen Essays ist er berühmt. Biermann, dessen Vater und der Großteil seiner Verwandten im Holocaust von den Nazis ermordet wurden, weist eine Lebensgeschichte auf, die angesichts des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine erschreckend wieder in die Gegenwart rückt. Biermann, der nicht im Land der Mörder seines Vaters leben wollte, immigrierte 1953 freiwillig von West- nach Ostdeutschland. Der anfänglich glühende Kommunist wandelte sich in seinen Liedern freilich zum schärfsten Kritiker der DDR. Das Regime sah ihn als Feind, seine Lieder wurden verboten, Biermann wurde mit einem Auftrittsverbot belegt.

Seine Ausbürgerung erfolgte 1976 in seiner Abwesenheit während einer Konzerttournee im Westen. Erfahren habe er das aus dem Radio, erzählt Biermann. Dem Kommunismus schwor er erst später ab, seine wache Kritik an den Herrschenden hat er sich freilich bis heute behalten. Seine Lieder, wie etwa das „Soldatenlied“ (Soldaten sehn sich alle gleich, lebendig und als Leich), sind heute zeitloser denn je. Den Krieg in der Ukraine findet Biermann als Bedrohung, mehr noch, er mache ihm, der „als kleiner Bub in Hamburg den Bombenteppich der Alliierten nur knapp überleben konnte“, große Angst, wie er sagt. Bei seinem einzigen Konzert in Wien im nahezu ausverkauften stadtTheater wollte er eigentlich seine Liebeslieder spielen, sagte Biermann. Aber durch den aktuellen Krieg in Europa haben sich „seine früheren Stücke bei ihm gemeldet, damit er sie wieder vortrage“. 

Westen nicht aus der Verantwortung entlassen

Der Westen, so Biermann bei seinem Konzert, dürfe nicht aus der Verantwortung gelassen werden. Man habe Putin gewähren lassen, bei seinem Feldzug in Georgien, in Tschetschenien, aber auch als er im Auftrag eines Diktators in Syrien ganze Landstriche und Städte verwüsten ließ. Damals, so Biermann, war der Krieg weit weg, jetzt aber ist er wieder da, mitten unter uns, obwohl wir geglaubt haben, das niemals wieder erleben zu müssen.

Sein umjubeltes Konzert schließt er dennoch mit einer leichten Form des Optimismus. Er werde wieder nach Wien kommen, kündigt er an, um dann seine geplanten Liebeslieder zu spielen.

Bundespräsident Alexander van der Bellen gratulierte den Preisträgern

Stefan KaltenbrunnerQuelle: Redaktion / sk