Altgriechisch-KI "Apollo" soll Forschung helfen
Das Training des Modells werde auf Basis eines Quellenkorpus von rund 600 Millionen Wörtern aus historischen Texten sowie Zehntausenden publizierter Inschriften und Papyri durchgeführt. Das ist der bisher größte digitale Korpus historischer griechischer Quellen, wird die Althistorikerin und Papyrologin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW, Anna Dolganov, zitiert, die das Projekt vonseiten der Akademie leitet.
Es handle sich um das weltweit erste fortschrittliche multimodale LLM für eine historische Sprache aus der Antike. Vergleichbare Projekte arbeiten auf einer anderen technologischen Basis und einem kleineren Satz von Trainingsdaten, so Dolganov auf APA-Nachfrage. Die Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply sollen dabei eine europäische Infrastruktur zur Verfügung stellen, die Datenschutz- und Datensicherheitsanforderungen erfüllt.
Das KI-System könne für eine Vielzahl von Forschungsaufgaben dienen: von der Rekonstruktion unvollständiger Inschriften oder Papyri über semantische oder thematische Textsuche bis hin zur Entzifferung von handschriftlichen Texten. "Es gibt beispielsweise eine Million griechischer Papyri weltweit, die noch nie gelesen wurden. Zehntausende davon liegen in der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Auf solche Schätze an historischem Wissen zielen wir ab", erklärte Dolganov.
"Alte Sprachen und Künstliche Intelligenz sind kein Widerspruch", sagte ÖAW-Präsident Heinz Faßmann. "Apollo wird die Forschung beim besseren Verständnis von oft lückenhaften Texten unterstützen und damit zu einer besseren Kenntnis unserer gemeinsamen Geschichte beitragen."
Zusammenfassung
- Apollo unterstützt die Forschung unter anderem durch Textsuche, automatischen Lückenschluss und die Rekonstruktion beschädigter Texte und kann so zur Entzifferung von etwa einer Million bislang ungelesener griechischer Papyri beitragen.
- Die KI basiert auf einer europäischen Infrastruktur mit besonderem Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit und soll laut ÖAW-Präsident Heinz Faßmann helfen, das Verständnis unserer gemeinsamen Geschichte zu verbessern.
