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60 Jahre Energie pur: Die Rolling Stones beehrten Wien

15. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

The Rolling Stones haben am Freitag in Wien mit ihrem vielleicht bisher besten Konzert in dieser Stadt ganz dick unterstrichen, dass sie nach 60 Bühnenjahren immer noch die Größten sind.

 Vor mehr als 50.000 enthusiastischen Fans - kolportiert wurden sogar 56.000 - präsentierten sich Mick Jagger und Co. als perfekt eingespielte, energiegeladene Band, die ihrem Status als Rocklegende gerecht wurde. Es war ein zweistündiger Triumphzug bis zum letzten Ton von "Satisfaction".

Bilderbuch machten im Ernst-Happel-Stadion als Einheizer trotz miesem Sound einen guten Eindruck, ließen die Gitarren ordentlich aufjaulen und konnten mit dem verspielten "Spliff" oder dem treibenden "Maschin" die Besucher zu großen Teilen mitreißen. Sänger und Gitarrist Maurice Ernst gab einen soliden Frontman ab, der abseits des Stammpublikums bzw. vor einer so großen Menge zu bestehen wusste. Hut ab!

Keinerlei Ermüdungserscheinungen

Gekommen waren Jung und Alt natürlich wegen der Stones, die nach einem mit Standing Ovations bedachten Charlie-Watts-Tribut auf der Videowall mit "Street Fighting Man" loslegten und all jene eines Besseren belehrten, die vor dem Gastspiel über einen "Altherrenabend" gewitzelt hatten. Jagger, Keith Richards und Ron Wood zeigten mit 78 bzw. 75 Jahren keinerlei Ermüdungserscheinungen, im Gegenteil, bei so viel Kraft wie auf dieser "Sixty Tour" sollte man nicht mit einem "möglicherweise letzten Mal" spekulieren.

Selbstverständlich brachten die Stones ihre großen Hits mit - von "Let's Spend The Night Together" und "Tumbling Dice" am Anfang über das unvermeidliche "Miss You" in der Mitte bis zu "Start Me Up" und "Jumpin' Jack Flash" gegen Ende, gebettet in einen für das Ernst-Happel-Stadion, den Alptraum jedes Tonmischers, beinahe klaren Sound. Das Bob-Dylan-Cover "Like A Rolling Stone" war die Überraschung in der Setlist, die Ballade "Wild Horses" wurde als Fanwunsch dargeboten.

Mick Jagger im Schweizerhaus

"Last night I was at the Schweizerhaus", berichtete Jagger. Er habe Stelze gegessen und am Heimweg sei er auch noch "at the Würstelstand" gestoppt. "Meine Diet ist kaputt", grinste der Sänger und tänzelte dennoch in Topverfassung, körperlich wie stimmlich, permanent über die Laufstege. Eine Pause war ihm nur bei einer Doppel-Gesangseinlage ("Slipping Away", "Happy") von Keith Richards, von Jagger als "my Haberer" vorgestellt, vergönnt.

Apropos Richards: Zusammen mit Wood (Jagger: "the Picasso of the Prater") entfesselte er ein im positiven Sinne durch Mark und Bein fahrendes Gitarrengewitter, herausragend die Soli in "Sympathy For The Devil" und "Midnight Rambler", letztes düster, böse und aggressiv inszeniert. Welchen Drive Drummer Steve Jordan, der den Platz von Watts eingenommen hat, in die Gruppe brachte und wie kongenial er mit Bassist Darry Jones die Rhythmusmaschine bildet, zeigte sich u.a. bei "Paint It Black" - besser geht's nicht.

Zugabe mit Kinderchor aus der Ukraine

Die Zugaben eröffneten die Stones mit "You Can't Always Get What Want", begleitet von einem Kinderchor aus der Ukraine. Und dann eben "Satisfaction" - zufriedene, grinsende Gesichter sah man auf und vor der Bühne. Es war ein musikalisches Spektakel, das keine Pyros und sonstige Gimmicks braucht, das von den Songs und der Performance lebte, eben Rock and Roll in all seinen Facetten. The Rolling Stones sind mit 60 die in den Jungbrunnen gefallenen Meister in diesem Metier.

Quelle: Agenturen