APA - Austria Presse Agentur

Was Trump mit seinem Medienunternehmen vor hat

22. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Der frühere US-Präsident Donald Trump will ein alternatives soziales Netzwerk gründen. "Truth Social" heißt die neue Plattform. Sein Medienunternehmen will er an die Börse bringen.

Das Netzwerk "Truth Social" soll im November starten - zuerst für geladene Gäste, ab Anfang 2022 landesweit. Netzwerke wie Twitter, Facebook und YouTube hatten Trumps Konten im Januar kurz vor Ende seiner Amtszeit gesperrt. Auslöser war die Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger Trumps - und dass er Sympathie für die Angreifer bekundete. Außerdem behauptet er nach wie vor , ohne jegliche Belege, dass ihm der Sieg bei der Präsidentenwahl im November durch Betrug gestohlen worden sei.

Twitter, wo Trump mehr als 80 Millionen Nutzer folgten, war für ihn bis dahin die wichtigste Kommunikationsplattform.  Es wird spekuliert, dass Trump im Jahr 2024 erneut als US-Präsident kandidieren möchte. Ein eigenes Medienunternehmen, das ihm als Sprachrohr dient, dürfte ihm dabei hilfreich sein.

Konkurrenz zu "liberalen Medien"

Es geht Trump aber nicht nur darum, sich sein eigens Sprachrohr aufzubauen. Er möchte die Medienlandschaft verändern und verfolgt dabei auch wirtschaftliche Interessen. Denn zeitgleich mit seinen Plänen für "Truth Social" verkündete Trump ein neues Medienunternehmen gegründet zu haben - die "Trump Media & Technology Group" (TMTG). Diese wiederum soll mit der "Digital World Acquisition" von Patrick Orlando zusammenwachsen. 

Dabei handelt es sich um eine sogenannte "special-purpose acquisition company" (SPAC) - eine Mantelgesellschaft, die Investorenkapital gesammelt hat und dem Zweck dient, vielversprechende Unternehmen zu übernehmen und sie an die Börse zu bringen. "Financial Times" beziffern den Wert des neuen Unternehmens, das ein Konkurrent für das "liberale Medienkonsortium" sein soll, auf 875 Millionen Dollar. Der Wert könnte sich auf 1,7 Milliarden Dollar verdoppeln - diese Summe basiert allerdings auf unspezifizierten Kursentwicklungen einer Aktie, die bisher noch nicht einmal an der Börse notiert ist.

Trumps Anhänger sollen für Gewinne sorgen

Die "Digital World Acquisition" verfügt über knapp 300 Millionen Dollar, mit denen die Expansion bezahlt werden soll. Die Investoren haben allerdings das Recht, das Geld abzurufen, wenn ihnen das Akquisitionsziel nicht gefällt. Solche Rückzahlungen an Investoren haben in den vergangenen Monaten einen Höchststand erreicht, nachdem viele von Digital World Acquisition übernommenen Unternehmen ihre Ziele verfehlten. Die Mantelgesellschaft setzt darauf, Trumps große Anhängerschaft zu Geld machen zu können, machte der SPAC-Chef Patrick Orlando klar.

Vorerst dürfte das funktionieren: Mit einem Volumen von mehr als 477 Millionen Aktien war die Aktie der "Digital World Acquisition" am Mittwoch die am aktivsten gehandelte Aktie an der Börse. "Das Unternehmen könnte mit der vollen Unterstützung von Trump der erste echte Test für die Macht der rechten sozialen Medien sein", schreibt "Reuters".

Quelle: Redaktion / koa