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UN-Menschenrechtschef kritisiert Musk: In "Sorge" über Twitter

06. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

UN-Menschenrechtschef Volker Türk fordert einen verantwortungsvollen Betrieb der globalen Plattform in einem offenen Brief an Twitter-Chef Elon Musk. Der setzte derweil sein Abosystem für verifizierte Konten um und droht abspringenden Werbekunden mit dem "Twitter-Pranger".

Berichte, wonach diese Woche fast alle Experten für Menschenrechte und Ethik bei Twitter gefeuert wurden, seien "kein ermutigender Auftakt" von Musks Ära bei Twitter, schrieb Hochkommissar Türk dem Technologie-Milliardär am Samstag.

"Twitter ist Teil einer globalen Revolution, die unsere Kommunikation revolutioniert hat. Aber ich schreibe mit Sorge und Unbehagen über unsere digitale Öffentlichkeit und die Rolle, die Twitter darin spielt", schrieb Türk.

Mehr Verantwortung gefordert

Menschenrechte müssten unter Musks Führung eine zentrale Rolle in dem Unternehmen einnehmen, forderte der österreichische UN-Diplomat. Twitter solle auch weiterhin Verantwortung übernehmen, um Desinformation und Verhetzung zu bekämpfen. Türk erinnerte daran, dass Hass im Netz und Falschinformationen zu Corona-Impfungen bereits konkrete Schäden angerichtet hätten. Gleichzeitig müsse Twitter auch die Redefreiheit vor Regierungen schützen, die dieses Recht einschränken wollten, schrieb er.

 In den vergangenen Tagen hatten unter anderem die Volkswagen-Gruppe, der Pharmakonzern Pfizer und der Lebensmittelriese Mondelez angekündigt, Werbung bei Twitter aussetzen zu wollen. Die Unternehmen reagieren auf Sorgen, dass unter Musks Führung und nach dem von ihm durchführten großen Stellenabbau mehr Hassrede und Beschimpfungen auf der Plattform landen könnten.

Wer abspringt kommt an den Twitter-Pranger

Musk beklagte sich über einen "massiven Umsatzeinbruch" und machte "Aktivistengruppen" verantwortlich, die Druck auf die Unternehmen ausübten. Der Twitter-Boss drohte, Werbekunden öffentlich bloßzustellen, die keine Anzeigen mehr auf der Plattform schalten. Der Tech-Milliardär reagierte damit auf den Vorschlag eines rechten Lobbyisten, er solle solche Firmen nennen, damit seine Anhänger sie mit einem "Gegenboykott" belegen könnten. Musk schrieb in seiner Antwort am Wochenende: "Danke. Ein thermonukleares Benennen und Schämen ist exakt das, was passieren wird, wenn das nicht aufhört." 

Acht Dollar für verifizierte Konten

Elon Musk setzte am Samstag die angekündigte Kostenpflicht für die Verifizierung um, die App wurde aktualisiert. Jetzt kostet das begehrte weiße Häkchen auf einem blauen Verifikationsabzeichen acht Dollar pro Monat. Bisher war die Vergabe der Symbole, die die Echtheit des Twitter-Profils garantieren, kostenlos.

Der neue Dienst mit Verifizierung läuft zunächst in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien an. "Sobald wir wissen, dass es in den ersten Ländern gut funktioniert und wir die Übersetzungsarbeit abgeschlossen haben, wird es weltweit eingeführt", sagte Musk in einem Tweet am Samstag. Kritik ist ihm egal, ließ er in einem weiteren Tweet wissen. "Schlagt mit den ganzen Tag, aber es wird 8 Dollar kosten, postete er: 

Vor allem die Konten von Prominenten, Unternehmen, sowie Nutzern mit vielen Followern, etwa Politiker oder Journalisten, wurden mit dem Echtheits-Symbol gekennzeichnet. In seinem Update für Apple Geräte teilte Twitter mit, dass alle, die sich "jetzt" für den neuen Service anmelden, das blaue Häkchen neben ihrem Benutzernamen erhalten, "genau wie die Prominenten, Unternehmen und Politiker, denen Sie bereits folgen".

Twitter-Battle mit Stephen King

Öffentlichkeitswirksame Kritik am System kam schon vor Tagen unter anderem von Horror-Bestsellerautor Stephen King. "Die sollten mich zahlen", ätzte King auf Gerüchte, dass das neue Service 20 Dollar kosten solle. "Wie wär's mit 8?", antwortete ihm Elon Musk daraufhin. 

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Weitere Vorteile des Updates seien die "Hälfte der Anzeigen", die Möglichkeit, längere Videos auf Twitter zu posten und eine bessere Platzierung für Inhalte mit hoher Qualität, pries der Konzern das neue Service an. Dies ist die erste größere Überarbeitung der Social-Media-Plattform durch Elon Musk, seit er Twitter übernommen hat.

 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam