Screenshot/YouTube

Norwegen: Trolle machten YouTuber Drachenlord zum Attentäter

14. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Ein Mann tötet in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg fünf Menschen und verletzt zwei weitere - der deutsche YouTuber Rainer Winkler wird von seinen Hassern als Täter genannt. Internationale Medien greifen diese Falschnachrichten auf.

Mittwochabend, in der Innenstadt von Kongsberg: Ein Mann geht willkürlich auf Menschen los, attackiert sie mit unterschiedlichen Waffen, darunter auch Pfeil und Bogen. Er ermordet fünf Menschen, zwei weitere kommen mit teils schweren Verletzungen davon. Spekulationen über ein mögliches Motiv des Täters werden schnell laut. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um ein islamistisches Attentat handle, heißt es von Seiten der Polizei.

Journalistische Fehler

Doch plötzlich kristallisiert sich der Name eines angeblichen Verdächtigen heraus: Rainer Winklarson. Dabei handelt es sich um eine nordische klingende Abwandlung von Rainer Winkler, dem Namen eines deutschen YouTubers. Unterfüttert wird dessen Darstellung als Tatverdächtiger mit Bildern, die Winkler vor seinem Haus mit Pfeil und Bogen zeigen und der Behauptung, dieser hätte die Tat zuvor sogar im Netz angekündigt. Den Tweet mit den Anschuldigungen geht viral und zieht auch schnell die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf sich. Diese greift die Falschinformation auf, veröffentlicht das Bild mit gefälschtem Namen. Bei Google News werden mittlerweile fast 50 Medienberichte aufgeführt, die den Namen Rainer Winklarson übernommen haben. Sogar bis Japan hat es die Desinformation aus Deutschland durch mangelnde journalistische Überprüfung geschafft.

Wer ist der Drachenlord?

Hinter dem Alias "Drachenlord" steckt Rainer Winkler. Ein YouTuber der seit einigen Jahren polarisiert, beispielsweise mit Meinungsvideos zu alltäglichen Gegenständen oder selbst produzierte pornografische Inhalte. Seit mehreren Jahren baut sich eine große "Anhängerschaft" von Hassern sowohl gegen Drachenlord, als auch gegen Winkler privat auf. "Haider" nennen sich diese Drachenlord-Hasser, angelehnt an die fränkische Aussprache von "Hater".

Virtueller Hass, reale Probleme 

In einem Wutanfall, der auf YouTube für Millionen User zu sehen war,  gab Winkler seine reale Adressanschrift preis. Die Folge: seit Jahren "pilgern" sprichwörtlich Haider zu seinem sanierungsbedürftigen Haus, um ihn zu provozieren sowie zu bewegen, seine Online-Präsenz zu löschen. Der 40-Einwohner-Ort, in dem Winkler wohnt, musste bereits mehrere Male von der Polizei abgeriegelt werden, um Zusammenkünfte von Anreisenden aus dem gesamten bundesdeutschen Gebiet zu verhindern oder aufzulösen. Auch aus Österreich reisten bereits Personen in die mittelfränkische Provinz. 

"Drachengame" vorbei?

Die Geschichte von Drachenlord, der von seinen Hatern als norwegischer Attentäter inszeniert wurde, lässt viele User auf Social Media fassungslos zurück. Andere meinen, dass ihm das mit Recht geschehe. Ob das sogenannte "Drachengame" weiter "gespielt" wird, hängt auch davon ab, wie die Anklage gegen Winkler, der sich vor Gericht für schwere Körperverletzung verantworten muss, entschieden wird. Zu dieser Körperverletzung kam es, als dieser beim spontanen "Besuch" einer Gruppe "Haider" ausrastete und einen von ihnen mit einer Taschenlampe verletzte.

Quelle: Redaktion / mam