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Norwegen: Influencer müssen Retusche kennzeichnen

01. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Influencer:innen und andere Werbeschaffende müssen in Norwegen von nun an explizit kennzeichnen, wenn das Aussehen von Personen in Werbeanzeigen geändert worden ist.

Am Freitag ist in dem skandinavischen Land eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, wonach retuschierte und anderweitig manipulierte Erscheinungsbilder in bezahlten Anzeigen mit einem kreisrunden einheitlichen Hinweis versehen werden müssen.

Darunter fallen die Körperform, -größe und -haut, also zum Beispiel Veränderungen der Gesichtsform, breitere Schultern und schmalere Hüften. Die Maßnahme soll dazu beitragen, Verbraucherinnen und Verbrauchern bewusst zu machen, dass Menschen in der Werbung nicht immer so gezeigt werden, wie sie in Wirklichkeit aussehen.

Letztlich geht es darum, weniger idealisierte Körper in der Reklame darzustellen und damit vor allem Jüngere zu schützen. "Endlich bekommen wir eine kraftvolle Maßnahme gegen ungesunden Körperdruck, dem gerade Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind", erklärte die norwegische Kinder- und Familienministerin Kjersti Toppe.

Hinweis sorgt für Aufklärung

Die Kennzeichnungspflicht gilt für alle klassischen und sozialen Medien und ganz ausdrücklich auch für Influencerinnen und Influencer sowie andere Menschen, die Werbung im Internet und in den sozialen Medien online stellen. Wer sich nicht daran hält, dem droht eine Strafe. Der Hinweis soll rund sieben Prozent der Bildfläche ausmachen und gut sichtbar in der oberen linken Ecke der Werbung platziert werden. Zur Verantwortung gezogen werden können sowohl diejenigen, die die Reklame erstellt haben, als auch die Inserenten, die damit Geld verdienen wollen. Der Verbraucherschutz soll dann überprüfen, ob sich auch alle an diese Regel halten.

Influencer:innen sind sich uneinig

Mehrere norwegische Influencer:innen stehen dem Beschluss der Regierung positiv gegenüber - so auch Madeleine Pedersen, eine 26-jährige Social-Media-Persönlichkeit aus Moss in Norwegen.

Sie sagt gegenüber dem britischen BBC Radio 1 Newsbeat, dass es "höchste Zeit" sei, die Regeln zu ändern. Außerdem hofft sie, dass das Gesetz junge Menschen davon abhält, sich mit unrealistischen Bildern zu vergleichen. "Ich habe früher wegen Instagram mit Körperproblemen zu kämpfen gehabt und das Schlimmste daran ist, dass ich nicht einmal weiß, ob die anderen Mädchen, zu denen ich aufgesehen habe, ihre Fotos bearbeitet haben oder nicht", so die Influencerin. 

"Nicht sehr gut durchdacht"

Eine andere norwegische Social-Media-Bekanntheit, Eirin Kristiansen (26), schloss sich ihren Gedanken an und bezeichnete das Gesetz als "Schritt in die richtige Richtung". Sie hatte jedoch Vorbehalte, da sie glaubt, dass dieses "nicht sehr gut durchdacht" ist.

Eirin sagte: "Mir kommt es eher wie eine Abkürzung vor, um ein Problem zu lösen, das nicht wirklich zu einer Verbesserung führt. Psychische Probleme haben viel mehr Ursachen als ein bearbeitetes Foto, und ein weiteres Abzeichen auf den Fotos der Werbetreibenden wird meiner Meinung nach nichts daran ändern, wie sich junge Mädchen und Jungen wirklich fühlen."

Anzumerken ist, dass das Gesetz nur norwegische Personen betrifft. Somit werden Nutzer:innen weiterhin internationale Inhalte ohne entsprechende Kennzeichnung zu sehen bekommen.

Quelle: Agenturen / mas