Medientage 2021: Tele-Visionen der Zukunft

22. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Bei den Medientagen diskutierten u.a. ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker mit dem kommenden ORF-General Roland Weißmann und weiteren TV-Granden über die Zukunft von TV und mögliche gemeinsame Projekte wie zum Beispiel einen "Austria-Player".

Am ersten Tag der heurigen Medientage stand die Gegenwart und Zukunft des Fernsehens auf dem Programm der Medientage. Bei einer Debatte zu "Tele-Visionen" meinte Roland Weißmann, der ORF sei "gut und ordentlich durch die Krise gekommen". Das öffentlich-rechtliche Unternehmen habe sein Publikum halten können. Hinsichtlich der Werbeerlöse befinde sich der ORF in etwa auf dem Stand von 2019. Bei den Medienhäusern der Mitdiskutanten - RTL News-Geschäftsführer Stephan Schmitter, ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker und Servus TV-Intendant Ferdinand Wegscheider - sieht die Lage vergleichbar aus. Der Herbst sei gut gebucht, die Auftragsbücher voll.

Angesichts der von internationalen Plattformen ausgehenden Konkurrenz gab es um das Thema Kooperation kein Herumkommen. Weißmann will künftig stärker mit Privaten kooperieren, wobei es "keinerlei Denkverbote" geben dürfe. "Mir und dem ORF geht es darum, die Hand auszustrecken und österreichische Inhalte zu forcieren", so der designierte ORF-Generaldirektor. Breitenecker freute sich über "die neuen Töne" vonseiten des ORF. Bereiche, wo derzeit direkte Konkurrenz untereinander bestehe - etwa Werbeerlöse - müssten entflechtet werden, um künftig optimal kooperieren zu können, meinte der P7S1P4-Geschäftsführer. Wegscheider zeigte sich erfreut, dass es in den vergangenen Jahren einen "Paradigmenwechsel" gegeben habe. "Wir sind in eine Phase eingetreten, in der es wirklich um Zusammenarbeit geht."

Stix: Fernsehen hat durch Corona enormen Schub bekommen

Michael Stix, Chief Commercial Officer ProSiebenSat.1 PULS 4, spricht u.a. über die Österreichischen Medientage und die Auswirkung von Corona auf das Fernsehen.

Breitenecker: "Austro-Player" sinnvollste Variante

Breitenecker erachtete einen "Austro-Player" nach wie vor als sinnvollste Variante für den heimischen Medienstandort, um gegen Netflix, Amazon Prime und Co bestehen zu können. "Mit dieser Meinung habe ich mich nicht durchgesetzt", bedauerte er. Der ORF wolle seinen eigenen Player machen, das müsse man zur Kenntnis und nun überlegen, wie man bestmöglich zusammenarbeiten könne. "Wenn man den Amerikanern schon Inhalte schenkt, dann sollen sie wenigstens zuvor auf unseren eigenen Plattformen ausgetauscht werden, meinte der P7S1P4-Geschäftsführer.

Platz beim künftigen ORF-Player - sofern es eine Digitalnovelle erlaubt - sei "im Prinzip" auch für Private, "aber das muss man sich im Detail anschauen", schränkte Weißmann ein. Als mögliche Variante führte er die Plattformen von ARD und ZDF an, die künftig stärker miteinander kooperieren wollen. "Sowas kann ich mir auch für Österreich vorstellen. Es muss nicht eine Plattform sein", sagte der künftige ORF-Chef.

Nicht "unstolz" ist Wegscheider darüber, dass Servus TV stark mit regionalen Inhalten in Verbindung gebracht werde. Habe man früher über Volkskultur im Fernsehen die Nase gerümpft, komme Heimat und Brauchtum heutzutage nicht nur bei älteren, sondern auch beim jüngeren Publikum gut an. Hinsichtlich der Marktanteile solle es für Servus TV noch "weit hinauf" gehen. Wegscheider will den Privatsender im zweistelligen Bereich wissen.

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Wrabetz attestiert Medienpolitik "Dysfunktionalität"

Noch hundert Tage hat Alexander Wrabetz als ORF-Generaldirektor, dann gibt er seine Funktion an Roland Weißmann ab. Bei den Österreichischen Medientagen reflektierte er Mittwochmittag bei einem "Fireside Talk" über 15 Jahre an der Spitze des ORF. Nicht gelungen sei es ihm, die "Dysfunktionalität" der heimischen und europäischen Medienpolitik zu "konterkarieren" - sein größter Misserfolg, so Wrabetz. Stolz sei er darauf, dass der ORF weiterhin trimedial stark sei.

Die "Zerstörung des ORF" unter der türkis-blauen Regierung habe er solange hinauszögern können, bis sich die Regierung selbst zerstört hatte, schmunzelte Wrabetz. "Mit den Grünen in der Regierung ist es scheinbar ein bisschen leichter, sie bringen aber auch nichts weiter", so der ORF-Chef. Heute hätte die vom größten Medienunternehmen des Landes herbeigesehnte ORF-Gesetzesnovelle "auf den Weg gebracht werden sollen", was aber erneut verschoben wurde, ärgerte sich Wrabetz. Der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann habe nun "gute Voraussetzungen", mehr bei der Regierung zu bewirken, meinte Wrabetz wohl in Hinblick auf die türkis-grüne Stiftungsratsmehrheit, die Weißmann zum künftigen ORF-Chef bestellt hat.

Wo Wrabetz künftig arbeiten wird, ließ er sich nicht entlocken. Dass er demnächst in Pension geht, kann er jedoch ausschließen. Auch will er nicht in die Fußstapfen von Helga Rabl-Stadler als Präsidentin der Salzburger Festspiele treten. "Sie ist ein Denkmal für sich, es wird sich schon wer finden."

Quelle: Agenturen / moe