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Google krempelt seine Suche komplett um

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Künstliche Intelligenz (KI) ist das neue Lieblingsthema der Tech-Konzerne. Google wird nun auch seine Suchmaschine komplett umkrempeln und mit jeder Menge KI ausstatten. Dabei stehen sie jedoch vor einer großen Herausforderung.

"Das ist nichts weniger als eine umfassende KI-ifizierung der Suche", schreibt das US-Techportal "The Verge" nach der Ankündigung des Suchmaschinen-Riesen auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O am Dienstagabend. Spätestens seit dem Start des Chat-Bots ChatGPT von OpenAI ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. In der Tech-Branche hat sich ein wahres Wettrennen um die beste KI entfacht, in Start-ups werden Milliarden gepumpt.

Bisher war Googles bekannteste KI-Anwendung der Chatbot "Gemini". Die Suche ließ man aber nahezu unangetastet - im Gegensatz zu Konkurrent Microsoft, der ChatGPT in Bing integrierte.

Dafür gibt es auch gute Gründe. Mit Anzeigen zwischen den Suchergebnissen verdient Google richtig viel Geld. Allein im vierten Quartal 2023 lag der Suchmaschinen-Werbeumsatz bei 48 Milliarden Dollar. Experten befürchten, dass mehr KI weniger Werbung zulässt und damit die Cash-Cow des Konzerns schwächen könnte. Zudem kostet es massiv Rechenleistung und damit auch Geld, Fragen von einer KI beantworten zu lassen. 

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"Wir erledigen das Googeln für Sie" - nur (noch) nicht in Europa

Man wagt den Schritt nun doch - und zwar in vollem Umfang. Bei vielen Suchanfragen wird künftig eine KI-generierte Zusammenfassung als erstes sichtbar sein. Zu einer groben Zusammenfassung sollen weiterführende Links dazu kommen, um auch wie bisher auf anderen Webseiten zu landen. 

Die neue Devise sei, "wir erledigen das Googeln für sie", sagte die für die Internet-Suche zuständige Top-Managerin Liz Reid. "Es kann einem einen Großteil der harten Arbeit der Suche ersparen, so dass man sich auf die Teile konzentrieren kann, die man erledigen will, oder auf die Teile der Recherche, die man spannend findet."

So soll die Google Suche nun auch komplizierte Fragen "verstehen" können. In komplexen Situationen, wo man bisher meist mehrere Suchanfragen benötigen würde, könne Gemini am hilfreichsten sein, hofft Google. 

Außerdem soll KI zukünftig die Suchergebnisse besser sortieren und organisieren. Ist man auf der Suche nach einem Restaurant, soll Google die Ergebnisse von nun auch auch nach Anlässen sortieren können, etwa ob man etwas besonderes für einen Jahrestag sucht oder doch einen Platz für ein Geschäftsessen. 

Bisher startet das Feature erst in den USA. Andere Länder sollen aber "bald" folgen, versprach Google. Bis Jahresende sollen dann eine Milliarde Nutzer Zugriff auf die KI-Suche haben. 

Kriegt Google Halluzinationen in den Griff?

Ein zentrales Problem von sogenannten Large Language Models (LLM) wie Chat-GPT, Gemini oder Llama sind sogenannte Halluzinationen. Der KI-Bot erfindet dann sozusagen Fakten oder stellt sie in völlig falschen Zusammenhang. 

Dessen ist man sich auch an der US-Westküste im Hauptquartier des Suchmaschinen-Betreibers bewusst. "Bei jedem Sprachmodell gibt es ein Verhältnis zwischen Kreativität und Genauigkeit", sagte Reid. "Wir werden aber wirklich versuchen, es auf die Seite der Genauigkeit zu ziehen".

Weniger ansprechend oder witzig, dafür aber richtiger - so zumindest der Plan. Vor allem zu Beginn wird man als Nutzer:in die KI-Übersichten aber besser mit einem kritischen Auge betrachten, Halluzinationen oder grundlegend falsche Zusammenfassungen werden sich wohl nur schwer vermeiden lassen. 

Es braucht aber nicht überall KI

Reid sagte aber auch, dass es nicht bei jeder Suche ein KI-Helferlein braucht. Wer nur auf eine Webseite navigieren will, kann das auch in Zukunft wie bisher tun. Wer nach PULS 24 sucht, um zu puls24.at zu kommen, für solche Fälle "bringt es nicht wirklich was, KI einzusetzen", so Reid. 

Diese Lösung hat für Google gleich mehrere Vorteile: Man kann - wie bisher - Anzeigen zwischen die Suchergebnisse schalten und gleichzeitig stößt man Nutzer:innen nicht vor den Kopf, die inzwischen jahrzehntelang gelernt haben, wie man "googelt". Doch das wird sich in Zukunft wohl trotzdem ändern. Statt Google mit Schlagwörtern zu füttern, wird es in Zukunft wohl auch viel natürlich formuliertere Fragen verstehen. 

ribbon Zusammenfassung
  • Künstliche Intelligenz ist das neue Lieblingsthema der Tech-Konzerne.
  • Google wird nun auch seine Suchmaschine komplett umkrempeln und mit jeder Menge KI ausstatten.
  • Viele Suchanfragen erhalten künftig eine "KI-Übersicht" als erstes Ergebnis.
  • Dabei stehen sie jedoch vor einer großen Herausforderung.

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