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Zwei Todesfälle nach Meningokokken-Ausbruch in Südengland

Heute, 12:39 · Lesedauer 3 min

Nach einem schweren Meningokokken-Ausbruch mit zwei Toten sollen im Südosten Englands Hunderte Menschen vorbeugend Antibiotika einnehmen. Da viele Studierende betroffen sind, bot die Universität von Kent in Canterbury am Dienstag eine eigene Sprechstunde für die Antibiotika-Prophylaxe an. Auf dem Campus bildeten sich lange Schlangen von Studierenden, die auf die Medikamente warteten.

Bei den beiden Toten handelt es sich laut britischen Medienberichten um eine 18-jährige Schülerin einer Schule in Faversham und einen 21-jährigen Studenten der Universität in Canterbury. Mindestens elf weitere Infizierte wurden zur Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen.

Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA hatten einige der Infizierten in der vorvergangenen Woche die Großraumdisco "Club Chemistry" in Canterbury besucht. "Es ist wichtig, dass sich alle melden, die diesen Nachtclub zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, um eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung zu erhalten", sagte Trish Mannes, die stellvertretende Leiterin der UKHSA in der Region. Wie der "Club Chemistry" mitteilte, hatten an den drei genannten Tagen rund 2.000 Menschen die Disco besucht. Auch mehrere Angestellte haben sich demnach infiziert. Der Club bleibt bis auf weiteres geschlossen.

Meningokokken sind Bakterien, die schwere und in seltenen Fällen lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen.

Erregergruppe B festgestellt

Bei den Infektionen in Canterbury wurde nach Angaben der UKHSA die Erregergruppe B nachgewiesen, die zu gefährlichen Erkrankungen führen kann. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa zehn Prozent.

Die UKHSA steht wegen ihrer Informationspolitik zu dem Meningokokken-Ausbruch in der Kritik. Die Behörde gab die Todesfälle am Sonntag bekannt, nachdem sie nach eigenen Angaben am Samstag über die Infektionsfälle informiert worden war. Die stellvertretende Behördenchefin Gyatri Amirthalingam sagte am Dienstag der BBC, die Infektionen hätten sich "extrem schnell" ausgebreitet. Die UKHSA habe schnell gehandelt und zunächst enge Kontaktpersonen der Infizierten informiert. "Verzögerungen" beim Infektionsschutz habe es aus ihrer Sicht nicht gegeben.

Lage in Österreich

Im Österreichischen Impfplan werden für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowohl Impfungen gegen Meningokokken B als auch gegen Meningokokken A, C, W, Y angeraten. Die Immunisierungen sind nicht im kostenfreien Impfprogramm für Säuglinge und Kleinkinder enthalten. "Aufgrund der epidemiologischen Situation ist zur Erreichung eines Individualschutzes gegen invasive Meningokokken-B-Erkrankungen die Impfung für alle Kinder und Jugendliche möglichst früh ab dem vollendeten 2. Lebensmonat empfohlen. Nachholimpfungen sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr empfohlen", heißt es im Impfplan.

Ab dem vollendeten 10. bis zum 13. Lebensjahr ist die Meningokokken-ACWY-Impfung im kostenfreien Impfprogramm enthalten. Sie wird unabhängig davon empfohlen, ob das Kind zuvor gegen Meningokokken C oder ACWY geimpft wurde, da in diesem Alter ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.

2024 österreichweit 15 bestätigte Fälle und ein Todesfall

Laut AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) wurden für das Jahr 2024 an der Nationalen Referenzzentrale für Meningokokken österreichweit 15 laborbestätigte Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen registriert. Eine betroffene Person sei verstorben.

Zusammenfassung
  • Nach einem Meningokokken-Ausbruch im Südosten Englands mit zwei Todesfällen und mindestens elf weiteren Erkrankten erhalten Hunderte Menschen, vor allem Studierende, vorbeugend Antibiotika.
  • Die Infektionen stehen mit dem Besuch der Großraumdisco "Club Chemistry" in Canterbury in Zusammenhang, wo zwischen dem 5. und 7. März rund 2.000 Menschen anwesend waren und auch mehrere Angestellte betroffen sind.
  • In Österreich wurden im Jahr 2024 bisher 15 laborbestätigte Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen und ein Todesfall registriert, wobei Impfungen gegen verschiedene Meningokokken-Gruppen empfohlen werden.