APA/TOBIAS STEINMAURER

Von Caritas gefunden

Anhaltende Kältewelle: Zwei Männer in Wien erfroren

Heute, 08:10 · Lesedauer 3 min

Zwei Männer sind bei der derzeitigen Kältewelle in den vergangenen Tagen in Wien erfroren.

Beide wurden von den Streetworkteams der Caritas gefunden. Am Samstag fanden sie einen Obdachlosen in Floridsdorf, er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er verstarb.

Am Sonntag fanden Streetworker einen Mann reglos in einem Park in Favoriten, die Rettung konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Zuerst hatte die "Heute" darüber berichtet. Die Caritas bestätigte die Todesfälle.

Kältetelefon: Bisher 8.000 Anrufe in Wien

"Wir sind sehr betroffen und traurig", schrieb Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner auf Facebook. Dass zuletzt Menschen auf der Straße erfroren sind, "ist einige Jahre her", sagte Schwertner zur APA. Er verwies auf das Kältetelefon. Dieses verzeichnete zuletzt rund 350 Anrufe pro Tag.

Allein 8.000 Anrufe habe es in Wien in diesem Winter bereits gegeben. Dadurch "konnten wir gemeinsam mit euch, Rettung und Polizei dutzende obdachlose Menschen in den letzten drei Wochen vor dem Kältetod retten", schrieb der Caritas-Direktor auf Facebook. Er appellierte, das Kältetelefon weiterhin zu nutzen. Bei medizinischen Notfällen ist die Rettung unter 144 erreichbar.

"In mehr als einem dutzend Fälle haben wir buchstäblich in letzter Minute dank Hinweise über das Kältetelefon" Obdachlose noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus einliefern lassen, "teilweise mit einer Körpertemperatur von 34 Grad", sagte Schwertner zur APA. Sie konnten stabilisiert werden. "In mehreren 100 Fällen haben wir Menschen in Notquartiere vermitteln können", sagte der Caritas-Direktor.

Er betonte, dass es genug Schlafplätze gibt, zuletzt wurden sie nochmals aufgestockt. "Es wird alles unternommen, dass niemand abgewiesen werden muss." Doch gebe es auch Gründe, warum Menschen draußen schlafen, etwa psychische Erkrankungen, schlechte Erfahrungen oder weil sie es schwer aushalten, mit so vielen anderen Personen in einem Raum zu schlafen.

Video: Klirrende Kälte: Lebensgefahr für Obdachlose

Notquartiere: Kapazitäten erhöht

Aufgrund der aktuell anhaltenden Kälte hat der Fonds Soziales Wien (FSW) erst kürzlich die Kapazitäten in den Notquartieren des Winterpakets um rund 30 zusätzliche Plätze für Einzelpersonen erhöht. Die Zusatzplätze verteilen sich auf fünf Notquartiere des Winterpakets und stehen - wie die restlichen rund 1.000 Plätze des Winterpakets - im 24-Stunden-Betrieb zur Verfügung, wie Anfang Jänner mitgeteilt wurde.

"Niemand soll in Wien bei eisigen Temperaturen auf der Straße nächtigen müssen und so sein Leben gefährden", betonte Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Das Winterpaket des FSW ergänzt die ganzjährig bestehenden Angebote der Obdach- und Wohnungslosenhilfe in Wien. Es bietet Schutz, Wärme und Verpflegung für von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffene Menschen. Neben 13 Notquartieren stehen bis Ende April auch drei Wärmestuben zur Verfügung.

Der FSW appelliert während der Laufzeit des Winterpakets zum Download der kostenlosen FSW KälteApp. Wer obdachlose Menschen bei Kälte im öffentlichen Raum wahrnimmt, kann per App Teams der Straßensozialarbeit informieren. Eine Meldung kann unkompliziert in drei Schritten ohne Registrierung gemacht werden. Sozialarbeiterinnen und -arbeiter gehen diesen Meldungen nach, informieren über Angebote des Winterpakets, teilen Schlafsäcke aus oder begleiten Personen in Notquartiere.

info Kältetelefone
  • Wien: Kältetelefon Caritas Wien: 01/4804-553 - 0:00-24:00 Uhr, 29. Oktober bis 29. April
  • Burgenland: Kältetelefon Caritas Burgenland: 0676/8373-0322 - 08:00-22:00 Uhr, 1. November bis 31. März
  • Steiermark: Kältetelefon Caritas Steiermark: 0676/8801-58111 - 18:00-24:00 Uhr, 11. November bis 31. März
  • Kärnten: Kältetelefon Caritas Kärnten: 0463/3960-60 - 18:00-06:00 Uhr, 1. November bis 31. März
  • Salzburg: Kältetelefon Caritas Salzburg: 0676/8482-10651 - 0:00-24:00 Uhr, 1. November bis 31. März
  • Tirol: Kältetelefon: 0512/2144-7 (TSD - Tiroler Soziale Dienste GMBH) - 0:00-24:00 Uhr, 1. November bis 30. April
  • Vorarlberg: Caritas Center Feldkirch: 05522/200-1700 - 08:00-12:00 Uhr (Mo-Fr), Notschlafstelle am Jahnplatz 4 in Feldkirch: 05522/200-1200 - 18:30-08:00 Uhr, Caritas Café 05522/200-1570 - 08:30-16:30 Uhr (Mo-Fr), 08:30-12:00 Uhr (Sa)
  • Oberösterreich: Kältetelefon für das Linzer Stadtgebiet - Sozialverein B37 - OBST 0732/7767-67560, E-Mail: linzer-kaeltetelefon(at)b37.at - 10:00-12:00 Uhr (Di, Do) - 1. November bis 31. März, außerhalb der genannten Zeiten ist ein Anrufbeantworter aktiv. Mails können immer gesendet werden.
  • Niederösterreich: Kein Kältetelefon! Notschlafstellen gibt es in St. Pölten (Emmaus) und Wr. Neustadt (Verein für soziale Betreuung Süd und VBO)
Zusammenfassung
  • Bei der aktuellen Kältewelle in Wien sind zwei Männer erfroren, beide wurden von Streetworkteams der Caritas in Floridsdorf und Favoriten gefunden.
  • Das Kältetelefon der Caritas erhielt in diesem Winter bereits rund 8.000 Anrufe, aktuell sind es etwa 350 pro Tag, wodurch dutzende obdachlose Menschen in den letzten drei Wochen vor dem Kältetod gerettet werden konnten.
  • Die Caritas betont, dass es genug Schlafplätze gibt, und ruft dazu auf, das Kältetelefon weiterhin zu nutzen, um Menschen in Not zu helfen.