WWF - Renaturierungs-Atlas zeigt Fortschritte bei Flüssen
Der WWF fordert in einer Aussendung am Montag nun konkrete Verbesserungen der Bundesländer, bevor die Pläne an die EU-Kommission gemeldet werden. Auf EU-Ebene ist das Ziel ausgegeben, bis 2030 insgesamt 25.000 Flusskilometer wieder frei fließen zu lassen. Zudem sollen Auen reaktiviert werden. Genauso wichtig sei laut WWF der Schutz der wenigen noch intakten Strecken.
Der Kommissionsvorschlag für das "Nature Restoration Law", das Länder dazu verpflichtet, dass künftig mehr Wälder aufgeforstet, Moore wiedervernässt und Flüsse in ihren natürlichen Zustand versetzt werden, wurde zunächst im zuständigen Ausschuss des Europaparlaments abgelehnt, erhielt jedoch nach langen Verhandlungen und einer inhaltlichen Aufweichung bei der finalen Abstimmung im Plenum eine knappe Mehrheit. Anschließend kam aber im Rat der Mitgliedsländer die nötige qualifizierte Mehrheit nicht zustande. Erst nachdem die damalige Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Sommer 2024 nach einer Veränderung der SPÖ-Position das Veto der österreichischen Bundesländer als nicht mehr gegeben ansah und dafür stimmte, konnte das Gesetz beschlossen werden und mit 18. August 2024 in Kraft treten.
Der WWF ortet bei der Umsetzung nun Mängel in Tirol im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Das Land habe bereits vorhandene Pläne zur Flussaufweitung an der Isel, um die Ökologie und den Hochwasserschutz zu verbessern, nicht gemeldet. "Das ist sachlich nicht zu rechtfertigen, Tirol hätte weit mehr Potenzial als die gemeldeten 26 Flusskilometer bis 2030", kritisierte Pfeiffer. Ebenfalls sei das Lobbying für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal auffällig. "Die frei fließenden Flüsse Platzerbach und Venter Ache werden im Plan fälschlicherweise schon als zerstört dargestellt, obwohl das Projekt noch nicht einmal genehmigt ist. Einseitige, rein profitorientierte Interessen der Wasserkraft haben hier nichts verloren", sagt Pfeiffer.
Im Gegensatz dazu will die Steiermark bis 2030 am meisten renaturieren. Die "Grüne Mark" will bis 2030 dafür sorgen, dass 158 Kilometer an Flüssen wieder frei fließen können. Langfristig sei auch die geplante Wiederherstellung der Grenzmur wichtig. Der umliegende Auwald ist der zweitgrößte Österreichs und braucht dringend Maßnahmen für einen besseren Zustand, hieß es vom WWF.
Begrenztes Potenzial in Niederösterreich
Niederösterreich hat bis 2030 140 Kilometer geplant. Aufgrund der intensiven Landnutzung seien dort laut WWF die Potenziale begrenzt. Die Umweltschutzorganisation hob lobend die größeren Renaturierungen an der March hervor. Kärnten plant Flussaufweitungen an der Drau, lasse aber Chancen an der Gail vorerst ungenutzt. Wichtige Schritte für den Hochwasserschutz setze Salzburg mit Renaturierungen an Salzach und Saalach und gegen die Eintiefung der Salzach. Im Burgenland sind angesichts steigender Klimarisiken umfangreiche Renaturierungen vorgesehen, etwa an der Lafnitz, hieß es in der Aussendung.
Nur wenige Maßnahmen seien nach Angaben des WWF in Oberösterreich geplant. Dort gebe es mehrere ungenützte Potenziale wie etwa an der Großen Naarn. Vorarlberg plant unter anderem den Rückbau von Querbauwerken, bis 2030 soll ein vier Kilometer langer Abschnitt am Rasafeibach wieder frei fließen. In Wien ist etwa der Rückbau von Querbauwerken im Mauerbach entlang von drei Kilometern geplant.
( S E R V I C E - Renaturierungs-Karte des Umweltministeriums: maps.wisa.bmluk.gv.at/frei-fliessende-fluesse )
Zusammenfassung
- Laut WWF könnten in Österreich insgesamt 2.531 Kilometer Flüsse renaturiert werden, wobei bis 2030 knapp 450 Kilometer umgesetzt werden sollen.
- Die Steiermark plant mit 158 Kilometern bis 2030 die meisten Renaturierungen, während Tirol mit nur 26 Kilometern und fehlenden Meldungen an der Isel vom WWF kritisiert wird.
- Das EU-Gesetz zur Renaturierung, das am 18. August 2024 in Kraft trat, verpflichtet Österreich, sich an den europaweiten Zielen für frei fließende Flüsse zu beteiligen.
