Wölfe behalten natürliche Scheu auch bei Nähe zu Menschen
Ein Team um Marshall-Pescini vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien beobachtete in der Toskana (Italien) mit Wildkameras die Reaktionen von 185 Wölfen auf unbekannte Gegenstände und menschliche Stimmen. Manche der getesteten Tiere halten sich für gewöhnlich in der Nähe von vielen Menschen auf, wie etwa am Ortsrand der Stadt Arezzo mit knapp hunderttausend Einwohnern, erklärte Marshall-Pescini der APA: "Dort leben sie in einem Gebiet mit einem Flickenteppich aus Ackerland, Industriegebäuden und Wohnhäusern." Andere sind in entlegenen Wäldern zuhause.
Mehr als jeder dritte Wolf ergriff die Flucht, wenn er eine menschliche Stimme (von einem Tonband) hörte, egal ob er ein "Vorstadtwolf" oder "Landwolf" war. Fast immer verursachte dieser Laut bei den Isegrims deutliche Zeichen von Angst, wie die Forscherin anhand ihrer Körpersprache erkennen konnte.
Gegenüber unbekannten Gegenständen zeigten Stadtwölfe weniger Scheu als Landwölfe. "Dabei handelte es sich um Plastikspielzeug für Kinder, das wir auf Stäben befestigten", so Marshall-Pescini. Zum Beispiel Schweinchen und Sandspiel-Kübeln. Waren auf solch einem Stab statt eines Spielzeugschweins und -kübels auf einmal eine Plastikente und -schaufel, verhielten sich die suburbanen Wölfe aber vorsichtiger als die Tiere aus ländlichen Regionen.
Veränderungen machen Stadtwölfe stutzig
Die Anpassung an Gebiete mit vielen Menschen verringert also einerseits ihre "Neophobie", also Angst vor Neuem, erklären die Forscherinnen und Forscher in der Fachpublikation: Gleichzeitig werden die Tiere dort aufmerksamer und vorsichtiger gegenüber Umweltveränderungen. Damit verringern sie wohl potenzielle Risiken, die die menschliche Umgebung für sie bereithält. Die Anwesenheit von Artgenossen linderte zudem die Ängste der Tiere: Wölfe in Gruppen reagierten in der Regel weniger scheu als einzelne Wölfe.
(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1073/pnas.2529810123 )
Zusammenfassung
- Wölfe behalten ihre natürliche Scheu vor Menschen auch in der Nähe von Städten, wie eine Studie mit 185 Tieren in der Toskana zeigt.
- Mehr als jeder dritte Wolf ergriff die Flucht, sobald er eine menschliche Stimme hörte, unabhängig davon, ob er in Stadtnähe oder im Wald lebt.
- Stadtwölfe sind gegenüber unbekannten Gegenständen weniger scheu als Landwölfe, reagieren aber auf Veränderungen vorsichtiger und bleiben insgesamt aufmerksam gegenüber Risiken.
