APA - Austria Presse Agentur

Wiener Linien kämpfen mit sinkenden Ticketeinnahmen

Mai 31, 2020 · Lesedauer 3 min

Nach dem Corona-Lockdown ist die Mobilität auch in Wien wieder gestiegen. Öffentliche Verkehrsmittel dürften aber vielen Menschen noch nicht ganz geheuer sein. Denn die Wiener Linien kämpfen weiter mit starkem Passagierschwund und damit verbundenen Einnahmenverlusten. Das Unternehmen appelliert nun, anstatt dem Auto wieder mehr U-Bahn, Bus und Bim zu fahren - nicht zuletzt wegen der Klimakrise.

"Vor der Pandemie hatten wir einen Peak, was das Image des öffentlichen Verkehrs anbelangt", sagte Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. Dabei verwies sie auch auf immer neue Rekordzahlen bei den Fahrgästen: "Von dieser Spitze sind wir dann plötzlich heruntergefallen." In Zeiten der strengen Ausgangsbeschränkungen wurden in den Öffis nur 20 Prozent der üblichen Auslastung gezählt. Inzwischen hat sich die Mobilität in der Bundeshauptstadt wieder deutlich erhöht - allerdings nicht im selben Ausmaß im öffentlichen Verkehr.

Derzeit fährt laut Reinagl nur rund die Hälfte der Leute mit der U-Bahn, Straßenbahn oder dem Bus im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. Das führt auch zu Ausfällen bei den Ticketeinnahmen. Die Geschäftsführerin spricht von "empfindlichen Einbußen" und rechnet mit einem Minus im zweistelligen Millionenbereich bis Jahresende. Darüber werde man auch mit dem Eigentümer - also der Stadt - noch reden müssen. Jahreskartenbesitzer habe man bisher zwar nur "im Promillebereich" verloren, aber "die Einzeltickets und Mehrtageskarten spüren wir".

Aus Angst vor Ansteckung würden mehr Wege mit dem Auto zurückgelegt. Der virusbedingte Baustellenstopp oder die zwischenzeitliche Aufhebung der Kurzparkzonen habe dies wohl noch verstärkt.

Um den Trend wieder umzukehren, bemüht sich das Unternehmen, die Angst vor einer Ansteckung bei den Fahrgästen zu nehmen. Einerseits verweist man auf die am 6. Mai präsentierte Studie der AGES, wonach bisher kein einziger Infektions-Cluster - also das Auftreten gehäufter Fälle - in Öffis aufgetreten sei. Andererseits holt man sich argumentative Schützenhilfe aus der Wissenschaft.

"Natürlich gibt es keine Garantie für ein Null-Risiko", erklärte der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Aber die bekannten Sicherheitsmaßnahmen wie Maskenpflicht, regelmäßige Desinfektion der Fahrzeuge und Abstandhalten würden dazu beitragen, dass die Ansteckungsgefahr in Öffis nicht größer sei als an anderen öffentlichen Orten. Die durchschnittliche Fahrzeit eines Passagiers betrage zehn Minuten, sagte Reinagl. Ein verstärktes Infektionsrisiko gilt derzeit ab einer Aufenthaltsdauer von 15 Minuten mit den selben Menschen in einem geschlossenen Raum.

Hutter ist die verstärkte Nutzung des Autos in Corona-Zeiten insofern ein Dorn im Auge, als die damit verbundene Lärmbelastung, Luftverschmutzung und Bewegungsarmut negative gesundheitliche Folgen hätten. Und er sieht sogar einen Zusammenhang mit der Gefährlichkeit von SARS-CoV-2. Denn dort, wo die Luft sauberer ist, greife das Virus den Menschen nicht so sehr an. "Der motorisierte Individualverkehr muss wieder den Platz zugewiesen bekommen, auf den er gehört - als nicht zukunftsträchtige Fortbewegung."

Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer ergänzte, dass Wien zuletzt einen Öffi-Anteil von rund 40 Prozent aller Wege gehabt habe. Es drohe die Gefahr, dass sich dieser Wert zugunsten der Pkw verschiebe: "Dabei müssen wir über 40 Prozent kommen, um die Klimaziele zu schaffen." Autofahren in der Coronakrise sei vielleicht ein kurz einzusetzendes Antibiotikum, aber als Dauermedikament würde es großen Schaden anrichten: "Es ist vielleicht schwer, jetzt für den öffentlichen Verkehr zu werben, aber es ist alternativlos."

Quelle: Agenturen