APA/GEORG HOCHMUTH

Wiener Kindergarten - Wiederkehr: Ombudsstelle in der MA 10 sinnvoll

08. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Die Ankündigung des Wiener Stadtrats Christoph Wiederkehr (NEOS), eine Ombudsstelle innerhalb der für Kindergärten zuständigen Magistratsabteilung 10 einzurichten, hat Zweifel innerhalb der Belegschaft ausgelöst, wie die APA erfuhr.

Einige würden eine Lösung außerhalb der MA 10 bevorzugen, insbesondere, wenn die Stelle weisungsfrei sein soll, wie es von der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KJA) empfohlen wurde. Aus dem Büro Wiederkehr wurde das Vorhaben am Freitag verteidigt.

"Die Ombudsstelle in der MA 10 ist deshalb sinnvoll, weil dort auch viel Know-how vorhanden ist und es Mitarbeiter*innen auch möglich sein soll, in der Dienststelle direkt offen zu reden", hieß es aus dem Büro des Stadtrats auf APA-Anfrage. Dazu sei es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern "ohnehin schon jetzt möglich, auf der unabhängigen Whistleblower-Plattform der Stadt Wien, bei der Kinder-und Jugendhilfe und bei der KJA Missstände zu melden".

Rathaus-Opposition kritisiert

Ein Kritikpunkt, der am Donnerstag auch von der Rathaus-Opposition ventiliert worden war, betraf die privaten Trägerorganisationen von Kindergärten. Diese seien im Maßnahmenpaket Wiederkehrs nicht enthalten. Das Büro des Stadtrats verwies am Freitag auf die am Vortag avisierte weitere Tagung der Runde von Expertinnen und Experten in der kommenden Woche. "Hier werden alle Bereiche, in denen Kinderschutzkonzepte vonnöten sind, diskutiert und im Anschluss auch kommuniziert. Das beinhaltet natürlich auch die privaten Trägerorganisationen", wurde betont.

Dass gerade die privaten Träger eine große Rolle spielen, wenn es um die Implementierung und Weiterentwicklung von Kinderschutzkonzepten geht, zeigt ein Blick auf die Zahlen in der Bundeshauptstadt. In Wien werden rund zwei Drittel der Kinder in Privatkindergärten und -horten betreut. Die größten Träger sind die Wiener Kinderfreunde (laut Gewerkschaft GPA rund 2.100 Beschäftigte, rund 11.400 betreute Kinder), "Kinder in Wien" (KIWI; 1.600/7.200), die St. Nikolausstiftung (1.200/6.300) und die Diakonie Bildung (200/1.500). Dazu kommen noch 1.700 Pädagoginnen und Pädagogen aus der schulischen Freizeitpädagogik.

FPÖ-Reaktionen

Die Wiener FPÖ forderte am Freitag nach dem Vorliegen des Berichts der KJA zu den Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch in einem Wiener Kindergarten die fristlose Entlassung der ehemaligen Leiterin der MA 10 und ein härteres Durchgreifen von Wiederkehr. "Angesichts der erdrückenden Beweislast ist eine reine Versetzung der ehemaligen MA-10-Leiterin nicht hinnehmbar", sagte FP-Klubobmann und Bildungssprecher Maximilian Krauss und forderte auch eine "komplette Umstrukturierung" der MA. "Es kann nicht sein, dass nach all den Vorfällen und Vorwürfen versucht wird, zur Tagesordnung zurückzukehren."

Quelle: Agenturen / ddj