APA - Austria Presse Agentur

Wieder Maskenpflicht in Oberösterreich

07. Juli 2020 · Lesedauer 4 min

Oberösterreich führt als erstes Bundesland am Donnerstag im öffentlichen Raum wieder die Maskenpflicht ein. Die Vorschrift ist zeitlich unbegrenzt, teilte LH Thomas Stelzer (ÖVP) am Dienstag mit. Auch wenn er wisse, dass ein Zurück zu Verschärfungen schwierig sei, nachdem es "wieder aufwärtsging", sei die Maskenpflicht eine "alternativlose Maßnahme", um einen Lockdown zu verhindern, so Stelzer.

Die steigenden Infektionszahlen in Oberösterreich haben "uns nicht tatenlos zusehen lassen", meinte er. Mit dem Wegfall der Maskenpflicht habe sich eine "Normalität eingeschlichen" wie vor dem Krankheitsausbruch. Aber: "Am Tisch sitzt Corona immer mit dabei", machte Stelzer klar, dass man sich immer noch mitten in der Pandemie befinde. Um eine weitere Erhöhung der Fallzahlen einzudämmen, ist in Geschäften, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben von Kunden wie Beschäftigten daher wieder Mund-Nasen-Schutz zu tragen und der Sicherheitsabstand zu wahren. In der Gastronomie müssen Gäste wieder am Weg vom und zum Tisch Masken anziehen. Am Tisch, an dem bis zu zehn Personen sitzen dürfen, ist das nicht obligatorisch. Das Personal muss ebenfalls Mund-Nasen-Schutz anlegen. Im Freien soll man den Sicherheitsabstand einhalten. Wo das nicht möglich ist, muss ebenfalls eine Maske verwendet werden.

In Schulen und Kindergärten sowie in Betreuungseinrichtungen kehrt das Land auch zu den "alten, bekannten Regeln zurück", ergänzte Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP). Das heißt, ab Donnerstag herrscht im Schulgebäude Maskenpflicht, der Schutz darf erst am Sitzplatz abgenommen werden. In Kindergärten gelte, dass beim Bringen und Holen des Kindes die jeweilige Person einen Schutz aufhaben muss.

Auch in katholischen Kirchen werden wieder mehr Schutzmaßnahmen eingeführt. Beim Betreten und Verlassen der Gotteshäuer sei das Tragen von Mund-Nasen-Schutz verpflichtend, hieß es.

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) unterstützt den aktuellen Beschluss, "den regionalen Corona-Ausbruch auch mithilfe einer regionalen Wiedereinführung des Mund-Nasen-Schutzes einzudämmen". Mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sei die Verschärfung in Oberösterreich abgesprochen, meinte Stelzer. Das Land habe die Polizei gebeten, "proaktiv" das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren, sagte Haberlander. Zudem appellierten sie und der LH an die Bevölkerung, sich auch bei privaten Treffen an die Abstandsregeln zu halten.

Der Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Uniklinikum Linz, Bernd Lamprecht, machte deutlich, dass die Maske gleich in zweifacher Hinsicht ein "effektiver Schutz ist". Sie sei sowohl eine "physikalische Barriere" als auch "ein äußeres Zeichen zu mehr Achtsamkeit". Er stellte klar, dass die neuerlichen Verschärfungen der Maßnahmen nach den Lockerungen nicht überraschend sei. Er verglich die Situation einmal mehr mit einem "Fahren auf Sicht, was bedeutet, auch bremsen zu müssen". Dies sei sie nun geschehen. Gleichzeitig betonte er, dass man im Kampf gegen Corona noch "einen langen Atem" brauche .

Das Auf und Ab bei den bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen ging am Dienstag in Österreich weiter. Binnen eines Tages wurden laut dem Innenministerium 56 positive Virustests registriert. In den vergangenen Tagen waren es jeweils um die hundert gewesen. 21 davon entfielen auf Oberösterreich, 20 auf Wien.

Bisher gab es in Österreich 18.421 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand (7. Juli 2020, 9.30 Uhr) sind österreichweit 706 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben, 16.686 sind wieder genesen. Am Dienstag befanden sich in Österreich 91 Personen in Krankenhausbehandlung, davon zehn auf Intensivstationen.

Österreichweit bezeichnet Simulationsexperte Niki Popper die nächsten Wochen als "entscheidend" für den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie. Die große Frage sei, wie gut und schnell Testen, Tracing und Containment - also bei einem positiven Testergebnis die Isolierung des Umfelds in sehr kurzer Zeit - funktioniere. "Wenn wir die lokalen Wiederanstiege nicht in den Griff bekommen, ist es nicht unwahrscheinlich, schon im Sommer ein Problem mit steigenden Fallzahlen zu bekommen."

Quelle: Agenturen