"Wette gegen die Menschheit": Ölkonzerne planen weiter klimaschädliche Projekte

12. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Seit Jahren warnen Wissenschaftler vor den Folgen der Erderwärmung. Dennoch sollen große Öl- und Gaskonzerne zahlreiche Projekte planen, unabhängig von den Klimazielen oder der Umwelt.

Große Konzerne, wie etwa BP oder Shell, hätten eine "Wette gegen die Menschheit" gestartet, wie der "Guardian" es formuliert. Die Investitionen in die Produktion von fossilen Brennstoffen sollen als Gegenspieler zum Versuch der Menschheit gesehen werden, die globale Erwärmung aufzuhalten.

Mehr Emissionen als China

Hohe Preise für Öl und Gas, wie sie derzeit den Markt bestimmen, machen das Geschäft mit fossilen Brennstoffen profitabel. Wie der "Guardian" berichtet, sollen die großen Konzerne in den letzten drei Jahrzehnten fast zwei Milliarden Dollar Gewinn gemacht haben.

Unter den Plänen sollen Projekte sein, die so viel Treibhausgase produzieren, die den CO2-Emissionen von China in einem Jahrzehnt entsprechen. Laut "Guardian" sei bereits für 60 Prozent der Projekte eine Förderung angelaufen.

Die UN-Klimakonferenz im November vergangenen Jahres hat die Staaten der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Die gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten fordert zudem, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Diese Formulierung wird allerdings in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens abgeschwächt, wodurch nur das Wort "Kohle" in den Abschlussbericht aufgenommen wurde.

Doch Gas und Öl machen laut "Guardian" 60 Prozent der Emissionen aus fossilen Brennstoffen aus. Darüber hinaus seien viele Länder, wie die USA, die die internationale Klimadiplomatie dominieren, große Akteure bei neuen Öl- und Gasprojekten.

"Werden einige Jahrzehnte über 1,5 Grad sein"

Gestärkt wurde im Paris das 1,5-Grad-Ziel, das trotzdem immer weiter entfernt scheint. Um dieses Ziel einzuhalten, dürfte es keine neuen Öl- und Gasprojekte geben, wie der Artikel betont.

Erste Auswirkungen der Erderwärmung seien bereits global bemerkbar, wie auch Klimaforscher Herbert Formayer von der BOKU Wien im PULS 24 Interview erklärt. Durch die Klimaerwärmung habe man beispielsweise in Indien oder Pakistan "jetzt schon, beginnend im April, Temperaturen nahe an 50 Grad oder auch darüber. Da kommt man natürlich jetzt an Grenzen, die für die Lebewesen und natürlich auch für uns Menschen problematisch sind", so Formayer.

Wie die Weltwetterorganisation in Genf vor kurzem berichtet, könnte die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. So liege die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad erreiche, bei fast 50 Prozent. Auch Formayer hält einige Jahrzehnte, in denen die Temperatur die 1,5 Grad-Grenze überschreiten, für nicht unwahrscheinlich.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea