Weiterer an Mafia-Entführung Beschuldigter in Wien in Haft
Seit rund vier Wochen sitzt der Mann in der Wiener JA und wartet auf seine Anklage bzw. seinen Prozess. Mitglieder des Kavač-Clans hatten vor sechs Jahren einen Kroaten unter der Vorgabe einer Geschäftsanbahnung nach Wien gelockt und in ein angemietetes Appartement am Rudolfsplatz in der Innenstadt gelotst. Als der damals 41-Jährige und ein älterer Begleiter die Räumlichkeiten betraten, wurden sie überwältigt, gefesselt, malträtiert und mit dem Tod bedroht, sollte nicht eine hohe Summe bezahlt werden.
Letzten Endes gelang es den Festgehaltenen, das Appartement lebend zu verlassen, indem den Tätern zugesichert wurde, es würden 750.000 Euro bezahlt. In weiterer Folge soll es in Zagreb zur Übergabe von 100.000 Euro gekommen sein.
Der 60-Jährige soll bei den Vorgängen in dem Wiener Appartement eine zentrale Rolle gespielt und die Aktion "dirigiert" haben: Er bestreitet das vehement. Er wisse nicht, um was es überhaupt geht und was man ihm vorwerfe, hatte er nach seiner Überstellung nach Wien erklärt. Er sei "gekidnappt" worden.
An der Entführung waren nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Wien insgesamt sieben Personen beteiligt. Zwei von ihnen wurden im vergangenen November am Landesgericht - mittlerweile rechtskräftig - schuldig erkannt und zu Freiheitsstrafen von sechs bzw. sieben Jahren verurteilt. Ein 57-Jähriger, der als "Aufpasser" angeklagt worden war, wurde demgegenüber am vergangenen Freitag im Zweifel freigesprochen. Das erkennende Gericht ging zwar davon aus, dass der Mann dem Kavač-Clan zuzurechnen ist. Es sei jedoch nicht erwiesen, dass er in einem Park vor dem Appartement in Wien-Leopoldstadt patrouilliert hatte, in dem die beiden Kroaten misshandelt wurden. Der Freispruch ist nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt legte dagegen Nichtigkeitsbeschwerde ein.
Zusammenfassung
- Ein 60-jähriger mutmaßlicher Haupttäter der Mafia-Entführung von März 2020 sitzt seit rund vier Wochen in der Justizanstalt Josefstadt in Wien, nachdem er in Serbien festgenommen und ausgeliefert wurde.
- Zwei der Tatbeteiligten wurden bereits zu sechs bzw. sieben Jahren Haft verurteilt, während ein 57-Jähriger im Zweifel freigesprochen wurde, wobei der Freispruch noch nicht rechtskräftig ist.
