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Künftiges Literaturhaus Vorarlberg setzt Lebenszeichen

27. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Vorarlberg hat als letztes der Bundesländer bisher kein eigenes Literaturhaus. Das wird sich ab Sommer 2024 ändern, wenn eine solche Kultureinrichtung in die historische Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems einzieht. Bis dahin arbeitet der Trägerverein "literatur:vorarlberg netzwerk" weiter intensiv am Konzept. Lebenszeichen setzen im Juni eine Lyriklesung und eine poetische Illumination, unter anderem mit Monika Helfer. Auch einen Podcast gibt es bereits.

"literatur:vorarlberg:netzwerk", seit 2015 aktiv und seit Dezember 2018 ein Verein, erhält von Land Vorarlberg und Stadt Hohenems seit mehreren Jahren Förderungen für den Aufbau eines Literaturhauses. Für die Jahre 2022 bis 2024 gibt es einen neuen Drei-Jahres-Vertrag, der beginnend bei 90.000 Euro jährlich eine Steigerung um 10.000 Euro vorsieht. Auch der Bund beteiligt sich mit 50.000 Euro. Geschäftsführerin Frauke Kühn sprach von einem "unglaublich starken Commitment" der Partner, das Planungssicherheit bedeute und die Entwicklung eines Teams ermögliche. "Für mich als Kulturmanagerin ist es eine fantastische Option, so ein Haus von null an aufzubauen. Das Schöne ist: Wir sind dabei keinerlei Tradition verbunden", erklärte sie am Freitag im Gespräch mit der APA.

"literatur:vorarlberg:netzwerk" war als Projekt des Autorenverbands "Literatur Vorarlberg" ins Leben gerufen worden, um Literaturschaffende, -vermittler und -forschende in der Region stärker zu vernetzen. Entstehen soll "ein Literaturhaus modernen Zuschnitts mit kooperativem Charakter für die Literaturlandschaft Vorarlberg". Ursprünglich war die Eröffnung für 2023 vorgesehen gewesen, zuvor begleitet von Literaturprojekten. Doch die Corona-Pandemie und technische Schwierigkeiten - in dem alten Gemäuer gibt es kaum Infrastruktur - erwiesen sich als Hemmnisse. Projekte waren und sind bisher vor allem im öffentlichen und digitalen Raum möglich.

Soweit es die kürzlich begonnene Renovierung erlaubt, soll das Haus nun aus dem Dornröschenschlaf erwachen: Den ganzen Juni über erhellt unter dem Titel "nacht:lyrik" in Kooperation mit dem Innsbrucker Lyrikfestival W:ORTE eine poetische Illumination mit Beiträgen von Hamed Abboud, Heike Fiedler, Sascha Garzetti, Monika Helfer, Romina Nikolic, Jose F.A. Oliver, Sarah Rinderer, Ales Steger und Yoko Tawada die Fenster der alten Villa. Am 14. Juni werden in der ehemaligen Kutscheneinfahrt Monika Helfer, Jose F.A. Oliver und Ales Steger eine nächtliche Lesung geben. Über das "Making Of" des Literaturhauses sprechen Kühn und Autorin Daniela Egger zudem regelmäßig im Podcast "Radetzkystrasse 1", benannt nach der Adresse des künftigen Literaturhauses.

Dass es bisher noch kein offizielles Literaturhaus in Vorarlberg gibt, ist für Kühn "eigentlich erstaunlich". Schließlich gebe es eine dichte Literaturlandschaft mit gleich mehreren großen Namen, einer Vielzahl an Veranstaltungen, Festivals und Preisen. Das Literaturhaus Vorarlberg verstehe sich als Schnittstelle und als Ergänzung. Keinesfalls wolle man in Konkurrenz stehen "mit dem, was es hier schon in hervorragender Weise gibt". Dennoch treffe man als neue Institution mit vergleichsweise großem Budget auf einen kleinen Nischenmarkt. Möglicher Besorgnis unter Autoren und Autorinnen trete man entgegen, indem man "maximale kooperative Bedingungen" schaffe. "Wir wollen eine Spielwiese eröffnen für Themen, die in Vorarlberg noch nicht so präsent sind", betonte Kühn.

Dazu zählten Impulse in Richtung Europa zu setzen, Experimente zu ermöglichen und beispielsweise die Lyrikvermittlung. Man wolle den lustvollen Umgang, den Kinder mit Sprache hätten, erhalten und Hürden, die sich in den Schulen über eine analytischen Zugang ergeben, abbauen. "Es gibt eine junge Generation, die eine große Leidenschaft für Lyrik hat, das sieht man etwa bei Poetry Slams", so Kühn. Erstmals wurde 2016 eine Schulklasse über vier Jahre lang beim kreativen Schreiben begleitet. Über Mundpropaganda habe sich das zunächst mit Skepsis beobachtete Pilotprojekt erfolgreich ausgeweitet, ab September sind fünf Klassen in diesem Prozess, der nun sogar von der Pädagogischen Hochschule evaluiert wird. Potenzial sah Kühn auch im Thema Übersetzung.

Die Villa Iwan und Franziska Rosenthal wurde um 1890 von der jüdischen Fabrikantenfamilie in ihre heutige Grundform umgewandelt. Die ehemals stattliche Gründerzeitvilla befindet sich auf einem über 9.000 Quadratmeter großen Areal zentral direkt am Eingang zur Marktstraße und zum Jüdischen Viertel in Hohenems. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude war jahrelang ungenutzt und wird nun umfangreich revitalisiert.

(S E R V I C E - Plattform "literatur:vorarlberg netzwerk" im Internet unter http://www.literatur-vorarlberg-netzwerk.at)

Quelle: Agenturen