Wegen Mordversuchs mit abgeschnittenem Stromkabel angeklagt

24. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau muss sich am Dienstag ein 42-jähriger Mann vor Geschworenen am Wiener Landesgericht verantworten. Laut Anklage hat der Vater von zehn Kindern seine Frau mit einem Stromstoß zu töten versucht, wobei sich die inkriminierte Tathandlung bereits 2009 zugetragen haben soll. Der Angeklagte sitzt seit August 2021 in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft.

Bei dem 42-Jährigen dürfte es sich um einen Familientyrannen mit Hang zum Sadismus handeln. Dem aus dem Kosovo stammenden Mann wird neben Mordversuch auch schwere Nötigung und fortgesetzte Gewaltausübung zu Lasten seiner Frau angekreidet, die er seit vielen Jahren misshandelt haben soll. Außerdem soll der Mann seine Kinder regelmäßig mit Schlägen und Züchtigungen bestraft haben, indem er sie aus einem Stapel Karten ziehen ließ. Die auf den von ihm kreierten Kärtchen vermerkten Sanktionen wurden dann vollzogen. Schlechtestenfalls waren das 100 Schläge, hatten die Kinder Glück, bekamen sie dagegen ein kleines Geschenk in Form von Süßigkeiten.

Dieser "Strafenkatalog" ist im Hinblick auf den zentralen Vorwurf der Staatsanwaltschaft vorerst nicht von der Anklage umfasst und somit nicht Gegenstand der Hauptverhandlung. In dieser geht es vor allem um einen Vorfall, der sich vor 13 Jahren in der Wohnung der Familie zugetragen haben soll. Der Mann soll in der Küche das Kabel eines Wasserkochers abgeschnitten haben und damit ins Badezimmer gegangen sei, wo die Frau gerade duschte. Im Bad soll er das intakte Ende des Kabels in die Steckdose gesteckt und die Adern mit den Leitern des anderen Endes an die nasse Haut der Frau gehalten haben.

Der Anklage zufolge erlitt die Frau nur deshalb keinen tödlichen Stromschlag, weil ein FI-Schutzschalter den Stromfluss abrupt kappte. Die Anklagebehörde stützt den Vorwurf des versuchten Mordes auf ein Gutachten eines Elektrotechnikers.

Der Angeklagte hat sich im Ermittlungsverfahren "nicht schuldig" bekannt. Die Verhandlung ist vorerst auf zwei Tage anberaumt. Der erste Termin dient der Beschuldigteneinvernahme, danach wird der Sachverständige den Geschworenen seine Expertise erläutern. Zeugen sind erst für den zweiten Verhandlungstag Ende August geladen. Für den 42-Jährigen geht es im Fall eines anklagekonformen Schuldspruchs um zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

Quelle: Agenturen