APA - Austria Presse Agentur

Viele Menschen in den Parks italienischer Großstädte

08. Mai 2020 · Lesedauer 4 min

In Italiens Großstädten wächst die Sorge wegen der vielen Menschen, die sich angesichts des schönen Wetters mit sommerlichen Temperaturen in Parks und in Stadtzentren aufhalten. Befürchtet wird, dass es zu Menschenansammlungen kommt, was zu einer neuerlichen Steigerung der Epidemiekurve beitragen könnte.

In Italiens Großstädten wächst die Sorge wegen der vielen Menschen, die sich angesichts des schönen Wetters mit sommerlichen Temperaturen in Parks und in Stadtzentren aufhalten. Befürchtet wird, dass es zu Menschenansammlungen kommt, was zu einer neuerlichen Steigerung der Epidemiekurve beitragen könnte.

Im Mailänder Stadtviertel Navigli, in dem sich vor der Coronkrise das Nachtleben der Stadt abgespielt hatte, standen am Donnerstag unzählige Menschen vor Restaurants und Bars Schlange, um Take-away-Speisen zu erwerben. In den Parks mehrte sich am vierten Tag nach dem Ende des Lockdown die Zahl sonnenhungriger Mailänder, die joggten, mit dem Rad unterwegs waren oder Hunde spazieren führten.

Auch in Rom stürmten Menschen Grünanlagen und Parks, die seit Montag wieder offen sind. Bilder von Menschen ohne Atemschutzmasken, die sich nicht an die "Social distancing"-Regeln hielten, sorgten auf Sozialen Netzwerken für hitzige Debatten. "Wenn wir nicht aufpassen, sind wir in wenigen Tagen wieder im Lockdown", warnte eine Internet-Userin. Auch in Neapel waren unzählige Menschen entlang der Meerespromenade im Stadtzentrum unterwegs.

Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala droht mit hartem Durchgreifen, sollten sich seine Mitbürger in der "Phase 2" nicht an die Abstandsregeln halten. "Das ist ein Ultimaturm: Entweder halten sich die Menschen an die Vorsichtsmaßnahmen, oder ich verbiete Take-away-Speisen in Lokalen und Restaurants", sagte Sala am Freitag. Die Bilder der Menschenansammlungen bezeichnete er als "schandhaft", da die Epidemie in der Lombardei noch nicht besiegt worden sei.

"Mailand erlebt eine tiefe soziale und wirtschaftliche Krise und muss zur Arbeit zurück. Wir müssen neu starten, uns dabei an die Vorschriften halten", warnte der Stadtchef. Er könne eine 1,4 Millionen-Stadt nicht unter Polizeiaufsicht stellen. Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sei von wesentlicher Bedeutung.

Italien ist zur Verschärfung der Vorsichtsmaßnahmen entschlossen, sollten die Epidemiezahlen im Land wieder in die Höhe schnellen, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli vor dem Parlament. "Mit dem richtigen Verhalten seitens der Bürger hoffen wir jedoch, dass die Vorsichtsmaßnahmen aufs Minimum reduziert oder ganz abgeschafft werden", so Borrelli.

Nach knapp zwei Monaten kompletten Stillstands wegen des Coronavirus hatte in Italien am vergangenen Montag die "Phase 2" begonnen. Damit wurde ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität unternommen.

Im Zeitraum zwischen dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in Italien am 20. Februar und dem 31. März sind 39 Prozent mehr Todesfälle als im Vergleichszeitraum der vergangenen Jahre gemeldet worden. Mehr als die Hälfte davon sei auf Covid-19 zurückzuführen, sagte der Präsident des italienischen Statistikamts Istat, Giancarlo Blangiardo, am Freitag in Rom.

46 Prozent der Todesfälle seien direkt oder indirekt mit Covid-19 verbunden. Die Auswirkungen des Virus auf Frauen sei geringer. 6.395 Infektionsfälle wurden unter Migranten gemeldet. Das sind fünf Prozent aller in Italien diagnostizierten Covid-19-Fälle. Unter die Lupe wurden 6.866 der fast 8.000 italienischen Gemeinden genommen.

Italiens Oberstes Gesundheitsinstitut (ISS) stellte eine sinkende Epidemiekurve in allen italienischen Regionen fest, inklusiv dem Epidemieherd Lombardei. Ende nächster Woche will das Institut die Daten zu den Infektionen prüfen und entscheiden, ob weitere Lockerungsmaßnahmen ergriffen werden sollen. Die italienischen Regionen machen Druck auf die Regierung in Rom für einen sofortigen Neustart von Gastronomie, Kleinhandel und Tourismus, die eigentlich erst am 1. Juni wiederöffnen sollten.

In Italien wurde die Schwelle von 30.000 Todesopfern überschritten. Am Freitag wurden für ein 24-Stunden-Fenster 243 Tote gemeldet. Die Zahl der Gestorbenen stieg seit Beginn der Pandemie in Italien am 20. Februar auf insgesamt 30.201. Am Donnerstag waren 274 Todesopfer in 24 Stunden registriert worden.

Die Zahl der aktiv Infizierten sank von 89.624 auf 87.961, teilte der italienische Zivilschutz mit. 14.636 Covid-19-Erkrankte lagen noch in Italiens Spitälern. Davon befanden sich 1.168 Patienten auf Intensivstationen. In Heimisolation waren 72.157 Personen. Die Zahl der Genesenen stieg auf 99.023.

In der Lombardei, dem Epizentrum des Coronavirus-Ausbruchs in Italien, stieg die Zahl der Todesopfer am Freitag innerhalb von 24 Stunden um 94 auf 14.839. Die Zahl der aktuell Infizierten lag in der gesamten Region bei 31.983. 5.702 Covid-19-Patienten befanden sich noch in lombardischen Spitälern, 400 davon auf Intensivstationen. Das sind 80 weniger als am Vortag. Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen in der Lombardei war seit dem 8. März noch nie so niedrig.

Der effektive Reproduktionsfaktor des Coronavirus in Italien liegt mittlerweile zwischen 0,5 und 0,7, berichtete der Präsident von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut (ISS), Silvio Brusaferro. Das Institut stellte eine sinkende Pandemie-Kurve in allen italienischen Regionen fest, inklusiv dem Pandemie-Herd Lombardei. Es sei wichtig, sich weiterhin an die Vorbeugungsmaßnahmen zu halten, da die Pandemie noch nicht ausgemerzt sei, sagte Brusaferro.

Quelle: Agenturen