APA/HANS PUNZ

Verfahren gegen Polizisten nach tödlichen Schüssen auf 67-Jährige eingestellt

20. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Am 5. Jänner 2021 erschoss ein Polizist eine 67-Jährige in ihrer Wohnung in Wien-Hietzing. Am Freitag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat.  Damit ist klar, der Beamte, der den tödlichen Schuss abgegeben hat, wird strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen.

Die Staatsanwaltschaft sei nach umfangreichen Ermittlungen - es wurden auch mehrere Sachverständigen-Gutachten eingeholt - zum Ergebnis gekommen, dass eine Notwehrsituation gegeben und der Waffengebrauch gerechtfertigt war, sagte Behördensprecherin Nina Bussek. Die am Einsatz beteiligten Beamten hätten sich "vorschriftskonform verhalten", die Schüsse seien zur Abwehr eines gegenwärtigen Angriffs gerechtfertigt gewesen.

Mit Messer bedroht: Heimhilfe rief Polizei

Die 67-Jährige hatte zunächst ihre Heimhilfe mit einem Messer bedroht. Die Pensionistin soll psychisch beeinträchtigt gewesen sein, ihr Erwachsenenvertreter hatte ihr die Heimhilfe besorgt, mit der sie angeblich nicht einverstanden war. Vermutlich wollte sie diese nicht in ihrer Wohnung haben. Die Heimhilfe war jedenfalls von der mit einem Küchenmesser bewaffneten Frau eingeschüchtert bzw. verschreckt und verständigte den Notruf.

WEGA-Beamte feuerten mit Taser und Waffe

Die eintreffenden Beamten soll die 67-Jährige dann an der Wohnungstür mit dem Küchenmesser bedroht haben, worauf das Sondereinsatzkommando WEGA beigezogen wurde. Die WEGA klopfte dann mehrmals an die mittlerweile wieder geschlossene Wohnungstür. Als die 67-Jährige aufmachte, soll sie sogleich mit dem Messer auf die Beamten losgegangen sein. Ein Polizist setzte daraufhin einen Taser ein, ein anderer schoss auf die Frau. Die lebensgefährlich verletzte 67-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Spital gebracht, wo sie starb.

Laut Polizei soll die 67-Jährige das Messer über dem Kopf gehalten und einen aggressiven Eindruck gemacht haben. Der Taser-Einsatz und der Schuss aus der Dienstwaffe erfolgten beinahe zeitgleich. Für die Staatsanwaltschaft war damit weder das gerechtfertigte Maß der Verteidigung überschritten noch eine offensichtlich unangemessene Verteidigung gegeben.

Sozialarbeiter scheiterte mit Einweisungsversuch

Die 67-Jährige war von einem Sozialarbeiter betreut worden. Dieser betonte nach ihrem Tod, die Frau habe eine psychische Grunderkrankung aufgewiesen und es hätte schon vorher mehrere Polizeieinsätze gegeben, wo er sie aggressiv erlebt habe. Er hätte deshalb eine Akuteinweisung in eine psychische Einrichtung angestrebt, um der Pensionistin eine adäquate Behandlung zuteil werden zu lassen. Das sei unter Hinweis auf die aktuelle Gesetzeslage abgelehnt worden.

Quelle: Agenturen