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Vater für Dämon gehalten: Prozess nach Messerattacke

03. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Am Landesgericht Salzburg hat am Freitag eine Geschworenenjury über eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verhandelt. Ein 27-jähriger Pinzgauer soll am 17. März seinen Vater im Keller des Elternhauses von hinten mit einem Küchenmesser attackiert haben, weil er glaubte, dieser sei ein Dämon. Der Vater kam mit leichten Verletzungen davon, hatte aber wohl großes Glück.

Der Beschuldigte leidet seit Jahren an paranoider Schizophrenie. Einher mit seiner Erkrankung gehen Halluzinationen, Verfolgungswahn und Aggressionshandlungen, die sich besonders gegen seine Eltern richten. Wäre er zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig gewesen, würde die Anklage laut Staatsanwaltschaft auf versuchten Mord lauten. Der Vater erlitt bei dem Angriff eine einen Zentimeter lange Schnittwunde am Hals und zwei etwa zwei Zentimeter lange Schnittwunden auf halbem Weg zwischen Hals und Oberarm.

Die Wunden mussten genäht werden, waren aber nach zwei Wochen wieder verheilt. Laut dem medizinischen Sachverständigen lag eine leichte Verletzung vor - allerdings hätten nur minimal tiefere oder anders platzierte Stiche die Lunge oder große Blutgefäße wie die Halsschlagader oder die Unterschlüsselbeinarterie treffen können. "So wie die Stiche gesetzt wurden, hätten ohne weiteres lebensbedrohliche Verletzungen oder der Tod auftreten können", sagte der Gutachter.

Der Betroffene, der in allen bisherigen Einvernahmen geständig war, wirkte heute vor Gericht sehr unkonzentriert. Er wisse, dass er an einer Krankheit leide, die man behandeln muss. Ihm tue die Sache leid. "Ich würde in Zukunft gerne ein eigenständiges Leben führen und arbeiten", sagte der Betroffene. Allerdings hat er in der Vergangenheit seine Medikamente immer wieder abgesetzt, was stets zu einem raschen Wiederauftreten von akuten Symptomen führte. Auch vor dem Angriff auf den Vater nahm er seine Psychopharmaka nicht ein. Ein Motiv für die Tat nannte er nicht. "Er hat nur gesagt, er muss es tun", erklärte der psychiatrische Sachverständige am Freitag vor Gericht.

Der Zustand des Mannes habe sich seit der Tat dabei nicht signifikant verbessert. "Er war psychotisch und er ist immer noch psychotisch", sagte der Gutachter. Von dem Betroffenen seien weitere strafbare Handlungen mit schweren Folgen erwartbar, eine bedingte Maßnahme sei in keiner Weise zu empfehlen. "Ich muss leider sagen, dass man eine ungünstige Prognose bejahen muss."

Der 27-Jährige leidet sei seit seinem 20. Lebensjahr an der Krankheit. Er weist laut dem Sachverständigen auch eine zusätzliche Komorbidität mit Cannabiskonsum auf, die gerade bei Schizophrenie sehr gefährlich sei. Außerdem hatte der Pinzgauer schon im Jahr 2014 eine Nachbarin und Polizeibeamte bedroht und wurde in der Folge bedingt in den Maßnahmenvollzug eingewiesen.

Die Entscheidung der Geschworenen wird im Laufe des Tages erwartet.

Quelle: Agenturen