APA - Austria Presse Agentur

USA: Polizeichef nach Tod von Daunte Wright zurückgetreten

14. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Nach der Tötung des Afroamerikaners Daunte Wright sind die verantwortliche Polizeibeamtin und der örtliche Polizeichef zurückgetreten.

Nach dem Tod des 20-jährigen Daunte Wright bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Minnesota hat die verantwortliche Beamtin ihren Dienst quittiert und der örtliche Polizeichef Tim Gannon ist zurückgetreten.

Gannon hatte am Montag erklärt, er gehe davon aus, dass die Polizistin bei der Verkehrskontrolle versehentlich auf Wright geschossen habe. Nach ersten Erkenntnissen habe sie statt eines Elektroschockers (Taser) irrtümlich ihre Pistole gezogen. Der Chef der Bürgerrechtsorganisation NAACP, Derrick Johnson, meinte dazu: "Das Ergebnis ist das gleiche. Ein weiterer schwarzer Mann ist durch Polizistenhand gestorben." Einer Datenbank der "Washington Post" zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 243 Schwarze von der Polizei erschossen.

Kamala Harris fordert Gerechtigkeit

"Diese Epidemie der Ungerechtigkeit muss ein Ende haben", fordert die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Die schwarze Vizepräsidentin Kamala Harris meint: "Daunte Wright sollte noch bei uns sein." Das Land brauche Gerechtigkeit. "Dauntes Familie muss wissen, wieso ihr Kind tot ist."

Der Bürgermeister von Brooklyn Center, Mike Elliott, nannte es "einfach unfassbar", dass erneut ein Schwarzer durch die Polizei getötet worden sei. "Das hätte nicht zu einer schlechteren Zeit geschehen können."

Rund 40 Festnahmen bei Protesten

Am Ort des Geschehens, in Brooklyn Center im Norden der Stadt Minneapolis, kommt es seit dem Tod des 20-Jährigen in der Nacht auf Dienstag zu teils gewaltsamen Protesten. Auf Plakaten stand unter anderem: "Bin ich der nächste?", "Mord, Mord, Mord" und "Black Lives Matter" (auf Deutsch etwa: "Schwarze Leben sind wichtig"). Trotz nächtlicher Ausgangssperre waren Hunderte auf den Straßen. Die Polizei setzte US-Medien zufolge Tränengas, Gummigeschoße und Blendgranaten ein, um die Proteste aufzulösen. Auch die Nationalgarde war im Einsatz. Rund 40 Menschen seien festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Demonstranten hätten Beamte mit Steinen beworfen und auch Knallkörper eingesetzt.

"Taser, Taser, Taser"

Im Fall der Tötung Wrights zeigte Gannon Aufnahmen der Kameras, die die Polizisten am Körper trugen (Bodycams). Darauf ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte Wright Handschellen anlegen wollen. Dabei löst sich Wright aus dem Griff und steigt wieder in sein Auto. Eine Polizistin ruft "Taser, Taser, Taser", hat aber eine Pistole in ihrer Hand. Aus der Waffe scheint sich ein Schuss zu lösen, bevor Wright davonfährt. "Heilige Scheiße, ich habe gerade auf ihn geschossen", sagt die erschreckt wirkende Polizistin.

Die Beamtin wurde während der laufenden Untersuchung freigestellt, wie Gannon vor Bekanntgabe der beiden Rücktritte erklärte. Die Polizisten hätten den unbewaffneten Verdächtigen kontrolliert, weil die Zulassung seines Wagens abgelaufen gewesen sei. Bei Überprüfung seiner Personalien hätten sie festgestellt, dass ein Haftbefehl vorliege. Wright sei noch mehrere Blocks gefahren und dann mit einem anderen Fahrzeug zusammengeprallt. Der Autopsie zufolge starb er infolge einer Schussverletzung im Brustbereich.

Tod von George Floyd jährt sich im Mai

Minneapolis war bereits vor knapp einem Jahr von heftigen Protesten erschüttert worden. Auslöser war die Tötung des Afroamerikaners Floyd bei einem Polizeieinsatz am 25. Mai. Mitten in der Pandemie ergriff die Welle der Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt das ganze Land - und wurde zur größten Protestbewegung seit Jahrzehnten.

Quelle: Agenturen / apb