APA - Austria Presse Agentur

US-Experte Fauci widerspricht Trumps Impfstoff-Prognose

29. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Der US-Virologe Anthony Fauci rechnet mit einer Zulassung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus frühestens im Januar - und dann wohl auch erst nur für bestimmte Gruppen.

In den USA wird es nach Ansicht des renommierten Immunologen Anthony Fauci vor Jänner keinen Corona-Impfstoff geben. Klinische Studien für zwei experimentelle Impfstoffe seien weit fortgeschritten, die Erteilung einer Notfallzulassung durch die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) sei jedoch nicht vor Jänner zu erwarten, sagte Fauci am Mittwoch in einer Videoschaltung mit dem Fachmagazin "Jama Network".

Fauci sagte, "es könnte Jänner sein, es könnte später sein, das wissen wir nicht". Die am weitesten fortgeschrittenen klinischen Studien sind Fauci zufolge jene für die Impfstoffe des Biotech-Unternehmens Moderna und die Studie von Pfizer. Für eine Notfallzulassung der FDA müssten die Daten der Hersteller die Verträglichkeit und die "anhaltende Wirksamkeit" ihres Impfstoffs belegen, sagte Fauci.

Trump stellt Impfstoff noch 2020 in Aussicht

Faucis Äußerung stand im Widerspruch zu Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der wiederholt in Aussicht gestellt hat, dass es noch vor Jahresende einen Impfstoff geben werde. Kritiker werfen Trump vor, die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffs für seinen Wahlkampf zu instrumentalisieren. Der Republikaner Trump bewirbt sich bei der US-Wahl am Dienstag um eine zweite Amtszeit.

Fauci leitet das Nationale Institut für Infektionskrankheiten (NIAID) und ist Mitglied der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses. Er gilt als integrer und unabhängiger Experte, der sich auch nicht scheut, Trump in wissenschaftlichen Belangen zu widersprechen.

Fauci für landesweite Maskenpflicht

Eine weitere Forderung Faucis steht im Widerspruch zu Donald Trumps Aussagen. In einem "CNBC"-Interview hat er sich für eine nationale Maskenpflicht ausgesprochen. "Wenn es funktioniert, sollten wir es tun, ja", sagte er am Mittwoch (Ortszeit). Er glaube aber nicht, dass es auf Bundesebene geschehen werde, denn "es werde möglicherweise nicht vom Weißen Haus kommen".

Trump, hatte den Sinn von Masken im Kampf gegen das Virus wiederholt angezweifelt. Gebe es keine Maskenpflicht auf nationaler Ebene, dann sollten die Bürgermeister und Gouverneure der Bundesstaaten eine solche auf lokaler Ebene anordnen, sagte Fauci weiter. 

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie eine mögliche Maskenpflicht sind in den USA zu einem Politikum und Wahlkampfthema geworden. Im Gegensatz zu Trump hatte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden mehrfach das Tragen von Masken und auch ein nationales Vorgehen gegen das Coronavirus angemahnt.

Über 80.000 Corona-Fälle in USA

Die Zahl der neuen Corona-Fälle an einem Tag hatte in der vergangenen Woche in den USA erstmals seit Beginn der Pandemie die 80.000-Marke überschritten. Am Freitag und Samstag waren jeweils rund 83.700 Menschen positiv getestet worden, wie aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervorging. In dieser Woche gab es am Donnerstag knapp 79.000 neue Corona-Fälle. Die Zahl der Todesfälle blieb demnach relativ stabil bei 996.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohner haben sich insgesamt mehr als 8,8 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, rund 227.000 starben.

 

Der Artikel wurde am 29.10.2020 um 10:58 Uhr um die Aussagen Faucis zu einer nationalen Maskenpflicht ergänzt.
 

Quelle: Agenturen