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Urlaub in Österreich: Hotspots bereits bis Herbst ausgebucht

20. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Einen Monat nach der Öffnung des Tourismus herrscht in der heimischen Ferienhotellerie wieder Zuversicht. Thermen, Wellnesshotels und Hotspots wie Kärntner Seen sind besonders gefragt.

"Die Lust aufs Reisen ist schon nochmal größer geworden - das ist deutlich spürbar", sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, zur APA. Die Betriebe rechnen fix mit starken Last-minute-Buchungen. Die Flaute in den Städten hält hingegen an.

Run auf Seen und Thermen

In den Ferienregionen sind heuer einmal mehr vor allem die Kärntner Seen gefragt. Die Beherbergungsbetriebe blicken dort - wie auch schon in der Vorjahressaison - in Richtung "Vollbelegung bis in den Oktober". Die Thermen- und Wellnesshotels im Burgenland und in der Steiermark sind im Moment sogar "mit 80 Prozent und somit mit voller derzeit erlaubter Auslastung" quasi ausgebucht, wie aus einer Umfrage unter den ÖHV-Mitgliedsbetrieben hervorgeht.

Coronalockerungen: Mehr Betten ab Juli

"Es gibt dort mehr Nachfrage als derzeit von der Auslastung her möglich ist", erklärte der Branchensprecher. Mit den jüngsten Lockerungen der Coronabeschränkungen dürfen wieder mehr Menschen eingelassen werden, dann dürfte sich die Lage wieder etwas entspannen. "Derzeit sieht es so aus, als könnte man ab Juli wieder Betten bekommen." Aktuell sei das bei den Thermen- und Wellnesshotels nicht möglich. Viele Stammgäste hätten sich bereits im Lockdown fix für die ersten Wochen nach der Öffnung einbuchen lassen. Mit den Umsätzen sei man zufrieden, allerdings lägen die Kosten infolge der Coronamaßnahmen deutlich höher als sonst.   

Lage im Westen durchmischt

Im Westen Österreichs wiederum ist die Buchungslage nach dem monatelangen Lockdown - von Anfang November bis Mitte Mai - regional noch sehr unterschiedlich: "In einigen Regionen ist sie schon sehr gut, in anderen kommen die Reservierungen zumindest schön langsam herein, was optimistisch stimmt", so Stanits.

Reisegruppen fehlten noch: Das Interesse seitens der Gäste wäre wohl da, allerdings brauche die Organisation Zeit, sagte der Branchenexperte unter Verweis auf das Verhandeln und Schnüren der Packages mit Hotels, Bussen, Druck von Katalogen und Informationszetteln bzw. Integration in Kunden-Apps im Handel.

Ansturm erwartet

In der Ferienhotellerie ist man recht optimistisch, was die Buchungen für den Sommer und für den Herbst angeht. "Wir glauben, dass das gut wird und dass noch massiv nachgebucht wird - das ist ein Trend der vergangenen Jahre, der sich noch einmal verstärken wird", ist sich der Hotelierssprecher sicher.

Problem Personalmangel

Generell sei die Stimmung sowohl bei den Gästen als auch bei den Mitarbeitern, wo auf eine Stammbelegschaft gesetzt werden kann, "sehr gut". Ergänzende Beschäftigte seien jedoch kaum zu bekommen. "Es fehlen Mitarbeiter in allen Positionen - am allermeisten im Service, in der Küche, aber auch rundherum", berichtete der Branchenexperte. "Es ist leichter Gäste zu finden, als gute Mitarbeiter, trotz Rekordarbeitslosigkeit." Fachkräfte zu finden sei sogar "fast unmöglich". Es mangle aber auch an Hilfskräften. "Das ist eine außergewöhnliche Situation", strich Stanits hervor.

Sorgenkind Stadthotellerie

In der Stadthotellerie kriselt es nach wie vor. Mangels Flugverbindungen kommen weiterhin keine Touristen aus Übersee, von denen dieses Segment hauptsächlich lebt. "In anderen Staaten wird das mit den Einreisebeschränkungen für Urlauber aus Nicht-EU-Ländern besser gehandhabt - da sollte jetzt rasch etwas geschehen, wenn die Impfquoten deutlich höher sind", meinte der ÖHV-Sprecher in Richtung Politik. Sicherheit gehe freilich vor und die Delta-Variante des Coronavirus sei ein Problem, räumte er gleichzeitig ein.

Beruhigend sei jedenfalls die zunehmende Durchimpfung - derzeit stehe man bei 50 Prozent, über den Sommer sollten es "deutlich über 60 Prozent" werden, schätzt der Hotelierssprecher. Die Urlauber und die Mitarbeiter sind den Angaben zufolge recht impfaffin. "Wer reisen will, lässt sich impfen", sagte Stanits und verwies auf eine "überdurchschnittliche Durchimpfungsrate" bei Urlaubern.

Auslastung in Wien maximal 30 Prozent

Die geschäftlichen Auswirkungen von Corona sehe man, nach Wien, wohl in der Stadthotellerie in Salzburg am deutlichsten - mit einer Auslastung von nur 30 Prozent im Juni und im Juli. Dank Salzburger Festspiele zeichneten sich für August 60 bis 70 Prozent - anstelle der 100 Prozent in Normaljahren - ab. "Doch sowohl am Land als auch in der Stadt Salzburg setzt man darauf, noch Gäste gewinnen zu können", so der Branchensprecher. In Wien liege die Auslastung "wie erwartet eher bei 30 Prozent - und das in den gut aufgestellten Häusern".

Hoffen auf den Grünen Pass

Umso wichtiger seien das Funktionieren des Grünen Passes inklusive Drittstaatenabkommen sowie das Erstellen und Bewerben von Angeboten. In kleineren Städten sei die Auslastung sogar etwas besser als erwartet. Es gebe zwar einen positiven Trend, doch insgesamt sei die Erwartungshaltung der Stadthotellerie für den Sommer "mittelmäßig". "Ein sehr gutes Ergebnis erwartet niemand, man geht mit Engagement an die Arbeit."

Mit dem betrieblichen Ablauf betreffend der Coronavorschriften wird in der gesamten Branche vielfach noch gekämpft. "Aber es wird extrem akzeptiert und es gibt kaum Beschwerden darüber", betonte Stanits. Nach 15 Monaten Pandemie ist Corona in gewisser Weise schon zur Routine geworden. Die Maßnahmen gelten als "okay, umständlich, teilweise ein bisschen aufwendig, kompliziert". Aber niemand sei dagegen. Sicherheit habe einfach Vorrang. "Man will das", bekräftigte der Branchenvertreter. "Denn man will sich nicht im Urlaub anstecken und man will sich nicht in der Arbeit anstecken."

Quelle: Agenturen / lam