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Unfälle und Lawinengefahr durch Schnee in Österreich

09. Dez. 2021 · Lesedauer 9 min

Ein starker Wintereinbruch hat in der Nacht auf Donnerstag Österreich großteils in Weiß getaucht, aber auch zu zahlreichen Unfällen und Straßensperren im Frühverkehr geführt. So schlitterte in Wien ein Linienbus in der Donaustadt gegen einen Mast, was neun Verletzte zur Folge hatte. Insgesamt gab es aber kaum ein Bundesland vom Burgenland bis Vorarlberg, das nicht von den Schneefällen betroffen war. Die Lawinengefahr lag großteils bei Stufe "3", in Tirol verbreitet bei "4".

Der Schneefall hat laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) praktisch das gesamte Bundesgebiet betroffen, von Bregenz bis Wien. So wurden in Landeck 26 Zentimeter Neuschnee registriert, 20 waren es in Lienz, zehn in St. Johann im Pongau, im Mallnitzer Bad (Bezirk Spittal an der Drau) und auch auf der Hohen Warte in Wien. Am Linzer Flughafen waren es immerhin noch drei Zentimeter. Laut ZAMG sollte der Schneefall in der Westhälfte des Landes am Nachmittag allmählich abklingen. Im östlichen Landesteil kann es bis in die Nacht zeitweise schneien.

In Wien hatte die Berufsfeuerwehr mit etwa 15 wetterbedingten Unfällen zu tun, die aber, abgesehen von dem Busunglück, eher glimpflich verliefen. Der Bus war laut Gerald Schimpf, Sprecher der Berufsfeuerwehr gegen 6.00 Uhr am Heidjöchl im Bezirksteil Hirschstetten in den Mast geschlittert. Verletzt wurden der Lenker und acht Fahrgäste, einer davon schwer.

Bei den Wiener Linien gab es Behinderungen durch den Schnee nur bei den Bussen. U- und Straßenbahnen verkehrten planmäßig, sagte eine Sprecherin der APA. Der Schwerpunkt lag im Westen und Süden der Stadt. Im Lauf des Vormittags beruhigte sich die Lage aber, auch weil die Schneeräumung vorankam. Die Wiener Magistratsabteilung (MA) 48 war nach eigenen Angaben bereits seit 3.00 Uhr im Einsatz. "Dass dieses Wetter kommt, war ja absehbar", sagte eine Sprecherin der MA 48. Mit der Schneeräumung waren rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, 301 Räum-und Streufahrzeuge wurden eingesetzt. Die MA 48 deckte damit rund 2.800 Straßenkilometer in der Stadt ab. Die MA 48 appellierte an die Anrainer, dass sie sich um die Reinigung der Gehsteige kümmern sollten.

In Niederösterreich führte der Schnee zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Mehrere Fahrzeuge mussten geborgen werden. Der Schwerpunkt der bis Mittag etwa 140 Einsätze lag den Angaben zufolge im Bezirk Hollabrunn und südlich von Wien, betroffen waren aber so gut wie alle Bezirke. In höheren Lagen herrschte erhebliche Lawinengefahr. Von 44 Unfällen zwischen 6.00 und 8.45 Uhr ereigneten sich laut Polizei zehn im Bezirk Hollabrunn. Zwei Mal kamen Personen zu Schaden.

Am intensivsten fiel der Niederschlag laut Landespressedienst im Waldviertel und im Industrieviertel aus, wo in der Früh jeweils bis zu 15 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden. Im Weinviertel und im Mostviertel wurden jeweils bis zu zehn Zentimeter verzeichnet. Im Raum Neulengbach (Bezirk St. Pölten-Land) und Poysdorf (Bezirk Mistelbach) kam es abschnittsweise zu leichten Schneeverwehungen. In Mistelbach und Scheibbs herrschte stellenweise Bodennebel mit Sichtweiten zwischen 50 und 100 Metern.

In Bezug auf die Lawinengefahr galt Stufe "3" auf der fünfteiligen Skala am Donnerstag in den Ybbstaler Alpen, im Gippel-Göllergebiet und in der Rax-Schneebergregion oberhalb von 1.500 Metern. "Allen voran gilt es den Triebschnee zu beachten, der durch mehrmalige Windwechsel und Neuschnee in den erweiterten Ost- und Nordexpositionen entstanden ist bzw. weiter entsteht", wurde im Bericht des Warndienstes erläutert. Eine Schneebrettauslösung könne bereits durch die geringe Zusatzbelastung eines einzelnen Tourengehers erfolgen, hieß es. Im Semmering-Wechselgebiet wurde das Risiko oberhalb der Waldgrenze als "mäßig" (Stufe "2") eingeschätzt, in den übrigen Regionen und in niedrigeren Lagen als "gering" (Stufe "1").

Kettenpflicht für alle Fahrzeuge galt laut Landespressedienst auf der L3086 zwischen Klement (Bezirk Korneuburg) und der L3085 und auf der L41 bei Weitersfeld (Bezirk Horn). Für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen und ab 7,5 Tonnen waren zahlreiche weitere Strecken nur mit Ketten befahrbar.

Im Burgenland rückten die Einsatzkräfte in der Nacht sowie in der Früh aufgrund des starken Schneefalls zu zahlreichen Fahrzeugbergungen aus. Betroffen waren vor allem die Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Hängengebliebene Pkw und Lkw gab es vereinzelt auch im Landesnorden, so die Landessicherheitszentrale zur APA. Die S31 Richtung Eisenstadt war bei Oberpullendorf gesperrt. Grund für die Sperre des Straßenabschnitts waren schlecht ausgerüstete Lkw, die den Zubringer blockierten. Bereits in den Morgenstunden kam es deshalb zu einer Sperre zwischen Oberpullendorf/Nord - Stoob/Süd und Neutal. In der Früh mussten Rettungssanitäter bereits ein paar Personen, die sich bei Stürzen verletzt hatten, versorgen.

In der Steiermark schneite es speziell im Süden und auch in der Landeshauptstadt Graz. Der Norden war bereits davor in Weiß getaucht. Die Feuerwehren mussten zu mehreren Einsätzen ausrücken. So sprach die Feuerwehr in St. Stefan im Rosental im Bezirk Südoststeiermark beispielsweise von einem "Schneechaos auf der L203". Fahrzeuge konnten die Steilhänge der Ottersbacherstraße nicht mehr bezwingen. Dadurch blieben gleich mehrere Autos hängen, hieß es in der Aussendung der Einsatzkräfte.

Besonders im Raum Mariazell und in der nördlichen Oststeiermark wurde auf zahlreichen Straßenzügen eine Kettenpflicht für Fahrzeuge verhängt: So mussten sogar auf der Südautobahn (A2) Schwerfahrzeuge über 3,5 Tonnen sowohl zwischen Mooskirchen und Modriach als auch zwischen Pinggau-Friedberg und Aspang Schneeketten aufziehen.

Seitens der Asfinag in der Steiermark hieß es, dass die meisten Schneefälle zwischen 2.00 und 6.00 Uhr niedergegangen sind: "Auf der Pack sind es derzeit mehr als 30 Zentimeter, im Raum Graz auch noch 20 Zentimeter." Probleme machte ein Lkw auf der A2 nahe Gleisdorf West, denn er hatte sich gedreht und alle drei Spuren für rund eine Stunde in Richtung Graz blockiert.

Auch in Kärnten kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen: Wie die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) auf APA-Anfrage mitteilte, wurden in der Früh rund 40 Einsätze wegen des Wetters verzeichnet. Diese verteilten sich aufs ganze Land, einerseits mussten hängen gebliebene oder von der Fahrbahn abgekommene Fahrzeuge geborgen werden, andererseits versperrten oft wegen der Schneelast umgestürzte Bäume die Straßen.

Es gab auch Behinderungen im Kärntner Zugverkehr. Gegen Mittag wurde auf der Drautalstrecke zwischen Greifenburg und Steinfeld im Drautal ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Neuschneemengen von rund 50 Zentimetern sorgten in Oberkärnten stellenweise für hohe Lawinengefahr. In der Kreuzeckgruppe, den Karnischen Alpen und den Gailtaler Alpen herrschte Lawinenwarnstufe vier.

In der Früh galt auf so gut wie allen höher gelegenen Straßen Kärntens Kettenpflicht. Doch auch in den Tälern war es angeraten, vorsichtig zu fahren: Auf der Seeberg Straße (B82) im Bezirk St. Veit an der Glan gab es abschnittsweise überhaupt ein Fahrverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen. Auf der Tauernautobahn (A10) war der Oswaldibergtunnel wegen eines Lkw-Unfalls nach dem Tunnel in Fahrtrichtung Salzburg gesperrt, auch auf der Südautobahn (A2) hatte es in der Nacht Straßensperren wegen hängengebliebener Lkw bei Wolfsberg gegeben. Und auf der A2 an der Staatsgrenze war für Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht die Einreise nach Italien wegen der starken Schneefälle überhaupt gesperrt, die Lkw wurden in Arnoldstein angehalten und auf dem zweiten Fahrstreifen abgestellt.

Ebenso war der äußerste Westen des Landes betroffen, auch Vorarlberg meldete Verkehrsbehinderungen und Feuerwehreinsätze. Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Feldkirch (RFL) verzeichnete bis 7.00 Uhr 23 Einsätze, Hotspot war dabei der Großraum Feldkirch mit 14 Einsätzen. In einigen Gemeinden des Bezirks Feldkirch fiel laut ORF Radio Vorarlberg in den Nachtstunden der Strom aus, in der Früh waren aber wieder alle Haushalte mit Elektrizität versorgt. Vom Stromausfall betroffen waren etwa die höher gelegenen Gemeinden Fraxern und Viktorsberg sowie der zu Zwischenwasser gehörige Ort Dafins. Bei Neuschneemengen von 20 bis 30 Zentimeter, lokal auch mehr, bezogen sich die Feuerwehreinsätze großteils auf abgeknickte Bäume, die Straßen verlegten, und auf von der Fahrbahn gerutschte Autos.

Aufgrund der Straßensituation kamen Verkehrsteilnehmer verbreitet nur langsam voran. In Röthis (Bezirk Feldkirch) geriet ein Autofahrer von der schneeglatten Fahrbahn und touchierte einen Baum, in Lustenau landete ein Autolenker auf der Senderstraße in einem Graben und in Nüziders (Bezirk Bludenz) blockierte ein hängen gebliebener Lkw die Autobahnabfahrt. Der ÖAMTC meldete Rückstau auf der Rheintalautobahn (A14) bei Hörbranz (Bezirk Bregenz) aufgrund eines Unfalls mit vier Lkw bei Lindau (Bayern) in Richtung München. Auf zahlreichen höher gelegenen Straßen Vorarlbergs galt Schneekettenpflicht für Lkw, auf manchen Strecken überhaupt für alle.

Die Vorarlberger Landeswarnzentrale schätzte die Lawinengefahr aufgrund der großen Neuschneemengen verbreitet als "erheblich" ein, das bedeutet Stufe drei auf der fünfteiligen Skala. Gerade in Steillagen seien spontane Locker- und Schneebrettlawinen möglich, diese könnten bereits durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden. Im Rätikon und in der Silvretta wurde die Gefahrenlage oberhalb von 2.000 Metern sogar als "groß" (Stufe "4") beurteilt, hier können schon einzelne Wintersportler eine Lawine auslösen.

In Tirol herrschte angesichts ergiebiger Schneefälle am Donnerstag weiter teils große Lawinengefahr, also Stufe "4". Dies betraf vor allem Gebiete im südlichen und westlichen Landesteil oberhalb der Waldgrenze. Ein besonderes schneebedingtes Einsatz-Aufkommen gab es in der Nacht auf Donnerstag sowie in der Früh indes nicht, wie es von der Leitstelle Tirol gegenüber der APA hieß. Auch relevante Verkehrsprobleme wegen "Frau Holle" wurden nicht gemeldet.

Laut dem Lawinenwarndienst herrschte vor allem abseits der gesicherten Pisten eine heikle Situation. Triebschnee und schwacher Altschnee seien die Hauptgefahr. Schneebretter könnten in den besonders betroffenen Gebieten an vielen Stellen schon von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden. An Triebschneehängen in den Gebieten mit viel Wind seien spontane Lawinen möglich, vor allem solcher mittlerer Größe, warnten die Experten. Mit Freitag nehme die Lawinengefahr in Tirol dann tendenziell ab.

In Salzburg sorgten die Schneefälle bis zum Vormittag kaum für gröbere Einsätze. Das Landesfeuerwehrkommando berichtete von lediglich vier Fahrzeugen, die von der Straße rutschten und geborgen werden mussten. Auch Schäden oder Sperren durch die Schneelast - etwa abgebrochen Äste oder umgestürzte Bäume - waren zunächst nicht bekannt. Allerdings kam es kurz nach 6.00 Uhr im Gemeindegebiet von Radstadt (Pongau) zu einem Frontalzusammenstoß auf der Ennstal Straße (B320), berichtete die Polizei. Ein 49-jähriger Lenker war bei tiefwinterlichen Verhältnissen ins Schleudern geraten und gegen den entgegenkommenden Pkw einer 51-jährigen Frau geprallt. Beide Personen mussten verletzt ins UKH Schladming gebracht werden.

Quelle: Agenturen