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UN-Klimagipfel startet: Hohe Ansprüche, wenig Hoffnung

05. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Mit gedämpften Erwartungen geht am Sonntag die 27. UN-Klimakonferenz im ägyptischen Sharm el-Sheikh an den Start, denn der Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation überschatten die COP27.

Zwei Wochen lang werden die 190 Teilnehmerstaaten unter anderem um den Ausbau ihrer Klimaziele beraten. Diese reichen in Summe bei weitem nicht für das 1,5-Grad-Ziel, zu dem man sich im Vorjahr in Glasgow bekannt hat. Zudem werden Klimafinanzierung und Klimaanpassung thematisiert werden.

Gebrochene Versprechen

Bei der Klimafinanzierung geht es um das bisher nicht vollständig eingehaltene Versprechen der Industrieländer, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an die Entwicklungsländer zu zahlen, die damit Projekte zur Anpassung an den Klimawandel finanzieren wollen. Zudem sind die Erwartungen groß, dass bei der COP27 auch den bereits eintretenden Klimaschäden in den Entwicklungsländern Rechnung getragen wird.

Auf dem 3-Grad-Pfad: Pariser Klimaziele aktuell unerreichbar 

Das Ziel des Pariser Klimavertrags von 2015, die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, liegt zu Beginn des UNO-Klimagipfels in weiter Ferne. "Wir sind eher auf einem 3-Grad-Pfad", lautet etwa die Einschätzung von Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in Deutschland. Das Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel bei der COP26 im Vorjahr hat daran nichts geändert, nur 24 Länder haben seitdem ihre Klimapläne angepasst.

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Globale Temperaturentwicklung seit 1900, Klimakonferenzen seit 1992

Van der Bellen, Brunner und Gewessler für Österreich

Nach der Eröffnung findet am Montag und Dienstag ein sogenanntes High-Level-Segment mit rund 125 Staats- und Regierungschefs statt. Österreich wird auf der COP27 durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf seiner ersten Auslandsreise nach seiner Wiederwahl vertreten. Seitens der Bundesregierung besuchen Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) die COP, in der Entscheidungswoche folgt dann Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne).

WKÖ: Erwartungen nicht zu hoch stecken

Laut dem Leiter der WKÖ-Abteilung für Umwelt-und Energiepolitik, Jürgen Streitner, dürfen die Erwartungen an die Ergebnisse der Konferenz heuer nicht zu hoch gesteckt werden. Für die EU sei es vor allem wichtig, Allianzen mit jenen Ländern zu schmieden, die bereits ambitionierte Klimaziele verfolgen, so Streitner.

"Die Herausforderungen bei der diesjährigen Klimakonferenz sind nicht kleiner geworden. Vieles wird vom Ukraine-Krieg überschattet, das hat definitiv Auswirkungen auf die internationale Klimadiplomatie", sagte Streitner. Vor allem Gespräche zwischen Industrie- und Schwellenländern könnten laut Streitner schwierig werden, da die Ziele und Ambitionen beim Thema Klimaschutz zwischen diesen Ländern sehr unterschiedlich seien.

Quelle: Agenturen