Umweltschützer für einen Nationalpark im mittleren Kamptal
"Insbesondere die Steilhänge des mittleren Kamptals zwischen den Orten Wegscheid und Rosenburg eignen sich hochgradig für die erforderlichen Naturzonen eines Nationalparks", so die Umweltschützer: Gemäß den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) müssen mindestens drei Viertel einer Nationalparkfläche "eingriffsfreie Naturzonen" sein, sagte Bernhard Kohler von WWF Österreich und der Arbeitsgruppe Wildtiere.
"Die aktuelle Planung der niederösterreichischen Landesregierung beschränkt sich bisher auf weiter flussaufwärts gelegene Flächen bei den Kamptal-Stauseen, die im Besitz der landesnahen Windhag-Stiftung sind, und Talhänge oberhalb von Krumau am Kamp", hieße es. Der mögliche Anteil von Naturzonen wäre beim mittleren Kamptal über 90 Prozent, bei den Kamptal-Stauseen lediglich rund 70 Prozent, berichtete der Studienautor Hanns Kirchmeir (ECO).
Bernhard Kohler (WWF und AG Wildtiere) wünscht sich eine wildnisnahe Beweidung etwa durch Wildrinder und Wildpferde an geeigneten Flächen. "So könnten ursprüngliche Ökosysteme mit Wald und offenen Flächen geschaffen werden, wie es einst prägend für die Waldviertler Landschaft war", erklärte er: "Die durch intensive forstliche Nutzung geprägten Flächen der Windhagschen Stiftung sollten außerdem mit Renaturierungsmaßnahmen aufgewertet werden."
Umweltschützer: Grundbesitzer und Region profitieren von Nationalpark
"Dass wir im Bereich des mittleren Kamptals noch so imposante urwaldartige Wälder haben ist auch den Grundbesitzenden zu verdanken, die sie bis heute bewahrten", so Dominik Linhard von Global 2000: "Ein Nationalpark wäre eine große Chance, um sowohl dieses Naturerbe zu bewahren als auch die Grundbesitzenden für den Erhalt der Wälder fair zu entschädigen."
Auch wirtschaftlich könnte ein Nationalpark die genannten Gebiete aufwerten, erklärte Matthias Schickhofer, Koordinator der Plattform Kamptal: "Zum Beispiel durch Natur-Wandertourismus, und indem man lokale Produkte als 'aus der Nationalparkregion' vermarkten könnte". Die präsentierte Studie wurde vom Kärnten Institut für Ökologie (ECO) im Auftrag der Plattform Nationalpark Kamptal erstellt. "Dafür wurden erstmals alle verfügbaren ökologischen Daten zur Region zusammengetragen und ausgewertet", hieß es.
In der Plattform Kamptal sind die Umweltschutzorganisationen BirdLife, Lanius, Global 2000, WWF, der Naturschutzbund und die Arbeitsgruppe Wildtiere vertreten, sowie Fachleute aus der Region. In Niederösterreich gibt es bis dato die zwei Nationalparks Thayatal und Donau-Auen.
Zusammenfassung
- Naturschützer fordern, dass die urwaldnahen Wälder im mittleren Kamptal in den geplanten Nationalpark Niederösterreich aufgenommen werden, da laut einer neuen Studie dort eine einzigartige Dichte seltener und streng geschützter Arten vorkommt.
- Ein Nationalpark im mittleren Kamptal könnte sowohl den Grundbesitzern durch faire Entschädigung als auch der Region durch Naturtourismus und regionale Vermarktung wirtschaftliche Vorteile bringen.
