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Umgestaltung der Wiener Ringstraße startet im Herbst

Heute, 17:58 · Lesedauer 4 min

In Wien sind am Donnerstag die Pläne zur Neugestaltung der Wiener Ringstraße präsentiert worden. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2030 soll der Fußgänger- und Radverkehr dort großteils entflochten werden. Geplant ist, die Nebenfahrbahnen über weite Strecken zu Radwegen umzufunktionieren - und in sandgelb einzufärben. Der Umbau geschieht abschnittsweise. Den Auftakt macht ab Herbst der Schottenring. Die Anzahl der Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn ändert sich nicht.

Das neue Konzept, das als eines der Leuchtturmprojekte von Rot-Pink gilt, wurde gemeinsam von Planungs- und Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), NEOS-Klubchefin Selma Arapovic und City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) vorgestellt. Künftig sollen sich Passanten und Radler nicht mehr so oft in die Quere kommen. Denn aktuell ist der Radweg am Ring eng mit den Fußgängerbereichen verbunden. An unübersichtlichen Stellen kommt es immer wieder zu Konflikten.

Das soll in Zukunft der Vergangenheit angehören, wenn auch nicht auf beiden Seiten des Prachtboulevards. Die sukzessive Umgestaltung sieht vor, dass jeweils ein Bereich an der Innen- oder der Außenseite gestaltet wird - was sich nach der Intensität der Nutzung richtet. Beim Schottenring bedeutet dies, dass man sich dem inneren Teil widmet. Dort wird die Nebenfahrbahn weitgehend zur 4,50 Meter breiten Bike-Zone, die in beide Richtungen befahren werden kann. Für Autos werden aber Zufahrtsbereiche etwa bei Hotels oder beim Ringturm geschaffen.

Farblich lehnt man sich an die ursprüngliche Gestaltung der Straße an. An den Seitenbereichen des Rings gab es einst Reitzonen, wie der Historiker Harald Stühlinger von der Technischen Universität Wien erläuterte. Der helle Braunton, der an den damals verwendeten Schotter erinnern soll, wird dabei nicht aufgepinselt, sondern in den Asphalt eingearbeitet, wie Sima erklärte. Das soll die Haltbarkeit erhöhen.

Kennzeichnung bei Querungen

Die Allee zwischen Haupt- und Nebenfahrbahn sowie die Gehsteige an den Häuserfronten werden den Fußgängerinnen und Fußgängern gehören. Um das Überqueren des Radwegs zu erleichtern, wird es linsenartige Pflasterungen geben, die dem Radverkehr signalisieren sollen, dass hier mit Fußgängern zu rechnen ist. Die Einbauten werden allerdings nicht erhaben ausgeführt, können also nicht versehentlich gerammt werden.

Die Fertigstellung des ersten Teils ist laut Sima für Mitte 2027 geplant. Die Kosten dafür sollen bei einem einstelligen Millionenbetrag im "mittleren Bereich" liegen. Nach den Arbeiten am Schottenring folgen vier weitere Phasen. Die zweite wird Universitätsring und Schubert-, Stuben- und Parkring umfassen. Vorerst nicht geplant ist eine Neugestaltung im Bereich des Kais am Donaukanal. Dass eine solche in der nächsten Legislaturperiode stattfindet, ist laut Sima aber durchaus möglich.

An der Entwicklung des Projekts war unter anderem das Planungsbüro Gehl Architects aus Kopenhagen beteiligt. Direktorin Liselott Stefeldt zeigte sich heute zuversichtlich, dass die Zahl der Fußgänger und Radfahrer in dem Bereich steigen wird. Zugleich dürften Unfälle zurückgehen, prophezeite sie.

Jedenfalls weniger werden die Parkplätze, da die Nebenfahrbahnen für Autos großteils gesperrt werden. Die Spuren auf der Hauptfahrbahn bleiben hingegen unverändert bestehen. Laut Sima hätte eine Verlegung des Radwegs dorthin im Vergleich zum gewählten Konzept Nachteile. Würde ein Fahrstreifen umfunktioniert werden, müssten die Straßenbahnschienen überquert werden, um ihn zu erreichen, gab sie zu bedenken. Die Fahrspuren seien auch schmäler als die Nebenfahrbahnen.

Mobilitätsclubs prinzipiell zufrieden

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte die Modernisierungspläne. Der Ringradweg sei eine der am stärksten befahrenen Radrouten Wiens, auf der im Jahr 2024 etwa am Opernring 1,77 Millionen Radfahrerinnen und Radfahrer gezählt worden seien. Derzeit weise der Ringradweg aber "zahlreiche Problemstellen" auf, hieß es.

Der ÖAMTC zeigte sich erfreut, dass der Fußgänger- und Radverkehr entflochten wird und die Kfz-Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn beibehalten werden. Bedenken äußerte man allerdings in Bezug auf die Nutzung der Nebenfahrbahnen. Diese seien gerade als Zu- und Abfahrt für Taxis und Lieferanten besonders wichtig. Die kürzlich präsentierten ÖAMTC-Vorschläge hätten den Wirtschaftsverkehr stärker berücksichtigt, ist man überzeugt.

Die Grünen sahen einen "Schritt in die richtige Richtung". Sie übten in einer Aussendung jedoch Kritik daran, dass die jeweils gegenüberliegenden Seiten des Rings nicht verändert werden - und dort auch die Parkplätze wie bisher bestehen bleiben.

Zusammenfassung
  • Die Wiener Ringstraße wird ab Herbst 2026 abschnittsweise umgebaut, wobei bis 2030 die Nebenfahrbahnen zu 4,50 Meter breiten Radwegen in sandgelber Farbe werden und Fußgänger- sowie Radverkehr großteils getrennt werden.
  • Der erste Bauabschnitt am Schottenring soll Mitte 2027 fertiggestellt sein, kostet einen mittleren einstelligen Millionenbetrag und lässt die Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn unverändert, während Zufahrtsbereiche für Hotels erhalten bleiben.