APA/APA/Themenbild/BUBU DUJMIC

Öffi-Hauptstrecken in Wien werden 16 Monate generalsaniert

12. Feb. 2026 · Lesedauer 3 min

Die ÖBB und die Wiener Linien modernisieren im heurigen Sommer zentrale Wiener Öffi-Verbindungen mit erheblichen Auswirkungen auf die Bundeshauptstadt und das Umland. Von 4. Juli bis 6. September wird die Strecke zwischen Praterstern und Floridsdorf gesperrt, und ab 7. September kommt es noch schlimmer: Dann gibt es eine 14-monatige Hauptsperre zwischen Hauptbahnhof und Praterstern. Des Weiteren wird es umfangreiche Bauarbeiten am Straßenbahn- und U-Bahn-Netz geben.

Die Gesamtkosten sollen für die staatlichen Österreichischen Bundesbahnen bei rund einer Milliarde Euro liegen, die Wiener Linien geben sich zu den Aufwendungen bedeckt. Die umfangreichen Arbeiten seien notwendig, da die Bauwerke zum Teil bis auf das Jahr 1860 zurückgingen und die Baustellen nicht einspurig geführt werden könnten. So werden etwa die Ungarbrücke abgerissen und ganze Viadukte erneuert. Dazu kommen neue Sicherungssysteme und barrierefreie Bahnsteige.

An die Kundinnen und Kunden appellieren ÖBB und Wiener Linien, sich rechtzeitig zu informieren und - wenn möglich - die Spitzenzeiten in der Früh zu meiden. "Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und um Verständnis bitten", so ÖBB Infrastruktur-Chefin Judith Engel. Aber um das erhöhte Fahrgastaufkommen zu bewältigen brauche man längere und mehr Züge. Die Sommersperren der vergangenen beiden Jahre wären gut gelaufen, auf diese Erfahrung setzten ÖBB und Wiener Linien nun.

Obendrein seien die Maßnahmen in den Sommerferien die Generalprobe für die 14-monatige Hauptsperre im Herbst 2026. Entwarnung gibt es teilweise für die Anrainer in Wien: In der Nacht wird, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gebaut, so die Bundesbahnen zur APA.

Auch Flugreisende betroffen

Die geänderte Streckenführung im Juli sei den Fahrgästen bereits aus dem Vorjahr bekannt, im August werde aber alles neu. Dafür werde es umfangreiche Info-Angebote geben, auch für die Einpendler aus Niederösterreich. "Es wird punktuell voll werden", warnte am Donnerstag Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Wiener Linien. Sie erinnerte daran, dass die Wiener Linien täglich 2,4 Millionen Fahrgäste befördern und das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt betreiben.

Unannehmlichkeiten gibt es ebenfalls für Flugreisende, da von den Baumaßnahmen auch der Bahnhof Wien Mitte als Zielort für den Flughafenzug "CAT" betroffen ist. Hier soll es eine kurz geführte Strecke samt Umstieg auf Busverkehr geben.

Opposition mahnt Verbesserungen ein

Die Wiener Grünen begrüßten die Modernisierung des Öffi-Netzes. "Aber die Stadtregierung muss liefern und ein Ersatzpaket aufsetzen, das diesen Namen verdient: mit spürbaren Taktverdichtungen, zusätzlichen Garnituren und Personal, deutlichen Verbesserungen der Straßenbahn und echten Vorrang-Routen für Öffis auf der Oberfläche", so die Grünen Mobilitätssprecher Heidi Sequenz und Kilian Stark.

Die FPÖ zeigte sich heute wenig begeistert. "Dass ausgerechnet in dieser Situation an der Preisschraube bei den Tickets gedreht wird, ist an Realitätsferne kaum zu überbieten. (...) Gleich mehrere zentrale Verkehrsadern lahmlegen und den Fahrgästen dafür auch noch höhere Preise verrechnen ist eine Farce", so FPÖ-Stadtwerkesprecher Klemens Resch. Er fordert die Stadtregierung auf, die Ticketpreise auszusetzen.

Für ÖVP Wien-Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar ist klar: "Die Modernisierung der Infrastruktur ist notwendig, aber die SPÖ-NEOS-Stadtregierung darf die Wienerinnen und Wiener mit den Folgen nicht alleine lassen. Jetzt braucht es einen konkreten, belastbaren Ersatzplan statt bloßer Ankündigungen."

Zusammenfassung
  • Von 4. Juli bis 6. September 2024 wird die Strecke zwischen Praterstern und Floridsdorf gesperrt, ab 7. September folgt eine 14-monatige Hauptsperre zwischen Hauptbahnhof und Praterstern, was massive Auswirkungen auf den Wiener Öffi-Verkehr hat.
  • Die Modernisierung kostet die ÖBB rund eine Milliarde Euro, umfasst unter anderem den Abriss der Ungarbrücke, neue Sicherungssysteme und barrierefreie Bahnsteige, während die Wiener Linien keine Kostendetails nennen.
  • Auch der Flughafenzug CAT ist betroffen und muss auf Busverkehr umgeleitet werden, während täglich 2,4 Millionen Fahrgäste und zahlreiche Einpendler aus Niederösterreich mit Einschränkungen rechnen müssen.