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Tödlicher Überfall in Beirut 1985 führt zu Verfahren in Wien

19. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Die Staatsanwaltschaft Wien führt derzeit ein Ermittlungsverfahren um einen bisher ungesühnten tödlichen Raubüberfall in der libanesischen Hauptstadt Beirut aus dem Jahr 1985. Einen diesbezüglichen Bericht der Wiener Stadtzeitung "Falter" bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Donnerstag. Den Überfall auf einen Juwelier sollen drei Brüder am 28. März 1985 verübt und dabei den Geschäftsführer und vier Angestellte umgebracht haben.

Die Täter flüchteten mit Gold, Diamanten und Bargeld im Wert von mehr als 2,8 Millionen Euro nach heutiger Kaufkraft. Die Brüder wurden bald danach geschnappt und nach Geständnissen in ein Gefängnis gesteckt. Verurteilt wurden sie laut "Falter" aber nie. Vielmehr schafften sie es, zwei Jahre später in den Wirren des libanesischen Bürgerkriegs aus dem Gefängnis zu verschwinden und abzutauchen. Weitere neun Jahre später wurden die drei in Abwesenheit von einem Iibanesischen Militärgericht wegen Mordes zunächst zum Tod, dann zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Sie blieben zunächst untergetaucht.

2015 bekam die Tochter des getöteten Juweliers Hinweise auf den Aufenthaltsort der mutmaßlichen Täter: In Wien soll einer von ihnen selbst ein Juweliergeschäft betrieben haben. 15 Verbliebene der Tat in Beirut schlossen sich zusammen und strengten, vertreten von Rechtsanwalt Norbert Haslhofer, ein Verfahren an, um das Trio zu belangen. Laut "Falter" eröffnete die Staatsanwaltschaft 2017 ein Verfahren, bei dem es Bussek zufolge um den Verdacht des schweren Raubes und des Mordes geht.

Dieses läuft noch immer, allerdings nur mehr gegen einen der drei: Einer ist dem "Falter" zufolge gestorben, bei einem weiteren wäre die Tat verjährt, weil er am 28. März 1985 unter 21 und damit ein junger Erwachsener war. Der Libanon hat auch ein Auslieferungsersuchen gestellt, diesem konnte jedoch bisher nicht stattgegeben werden, so Bussek, weil es sich bei den Beschuldigten um österreichische Staatsbürger handelt bzw. handelte.

So führt die Staatsanwaltschaft Wien im Sinne der stellvertretenden Strafrechtspflege ein Verfahren, ist aber auf Unterlagen aus dem Libanon angewiesen. Nach einem Rechtshilfeersuchen wurden umfangreiche Akten aus dem Libanon geschickt. Nachdem diese übersetzt waren, stellte sich heraus, dass es sich nicht um das gesamte Material handelte. Nach einem ergänzenden Rechtshilfeersuchen kam nach längerer Zeit ein noch größeres Aktenkonvolut, auf dessen Übersetzung die Staatsanwaltschaft nun wartet.

Der Stadtzeitung zufolge wurde dem nach wie vor als Beschuldigten geführten Bruder von der zuständigen Wiener Magistratsabteilung 35 die Staatsbürgerschaft entzogen, weil er diese unter falscher Identität beantragt und auch das Urteil gegen ihn im Libanon verschwiegen haben soll. Er habe diese Entscheidung beim Höchstgericht beeinsprucht, dem sei aufschiebende Wirkung zuerkannt worden.

Die Angehörigen haben nun eine Petition an Justizministerin Alma Zadic (Grüne) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) geschickt, in der sie die Auslieferung fordern, wie Haslhofer der APA bestätigte.

Quelle: Agenturen