APA - Austria Presse Agentur

Tägliche Opferzahl in Italien erstmals klar rückgängig

05. Apr 2020 · Lesedauer 4 min

Italien meldet erstmals eine klar sinkende Zahl der täglichen Covid-19 Todesopfer. Am Sonntag ist die Zahl der Coronavirus-Toten innerhalb von 24 Stunden um 525 auf insgesamt 15.887 gestiegen, das ist der niedrigste Wert seit dem 19. März. Der italienische Premier Giuseppe Conte rief seine Mitbürger unterdessen dazu auf, die Regeln weiter zu befolgen - auch wenn sie ein großes Opfer bedeuten.

Italien meldet erstmals eine klar sinkende Zahl der täglichen Covid-19 Todesopfer. Am Sonntag ist die Zahl der Coronavirus-Toten innerhalb von 24 Stunden um 525 auf insgesamt 15.887 gestiegen, das ist der niedrigste Wert seit dem 19. März. Der italienische Premier Giuseppe Conte rief seine Mitbürger unterdessen dazu auf, die Regeln weiter zu befolgen - auch wenn sie ein großes Opfer bedeuten.

"Wir verlangen von den Menschen ein großes Opfer, doch dies ist der einzige Weg. Nur wenn wie uns an die Regeln halten, werden wir den Notstand bewältigen", so Conte angesichts steigender Bestrafungen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre. Das Frühlingswetter treibt viele Italiener an diesem Wochenende trotz Ausgangssperre nach draußen. 9.284 Personen wurden deswegen am Samstag bestraft, das sind circa 1.100 mehr als am Freitag.

Wann der Lockdown in Italien zu Ende gehen wird, vermochte Conte nicht zu sagen. "Wir folgen den Anweisungen unserer wissenschaftlicher Berater. Wir haben nach bestem Wissen gehandelt und die Resultate bezeugen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Conte.

Der Premier rief zugleich zur "internationaler Zusammenarbeit" gegen die Epidemie auf. "Alle Länder der Welt kämpfen gegen denselben Feind. Wir kämpfen alle an der vordersten Front. Daher ist eine Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern wichtig. Es ist strategisch, dass eine Zusammenarbeit auf internationaler Ebene besteht", sagte Conte.

Die nackten Kranken-Zahlen lassen derweil in Italien Hoffnung aufkeimen. Denn sowohl die Zahl der Kranken in den Spitälern insgesamt als auch jener auf den Intensivstationen ging zurück. Die Zahl der Infizierten in Italien kletterte von 88.274 auf 91.246.

Der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera sprach von "ermutigenden Zahlen" vor allem in den schwer betroffenen Städten Bergamo und Brescia, man müsse sich jedoch weiterhin strikt an die Ausgangssperre halten. Einziger Grund zur Sorge sei die Stadt Mailand, in der an einem einzigen Tag 400 neue Infizierte gemeldet wurden.

"Die Epidemiekurve beginnt zu sinken. Auch die Zahl der Todesopfer sinkt. Das bezeugt, dass die Ausgangssperre positive Resultate zeigt. Dieses Resultat muss jedoch Tag für Tag verteidigt werden. Wir müssen die Maßnahmen auch in den nächsten Tagen strikt einhalten", sagte der Präsident von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut ISS, Silvio Brusaferro.

Trotz sinkender Epidemiezahlen rechnet die italienische Regierung weiter mit harten Zeiten in der Coronavirus-Krise. "Wir müssen die Wahrheit sagen: Die Situation ist weiterhin dramatisch. Der Notstand ist nicht zu Ende, die Gefahr ist nicht verbannt. Auf uns warten noch schwierige Monate", sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza.

"Wir müssen die Bedingungen schaffen, damit wir mit diesem Virus zusammenleben können, zumindest bis ein Impfstoff oder eine Therapie gefunden wird", sagte Speranza im Interview mit der Tageszeitung "Corriere della Sera". Die Regierung arbeite an einem Fünf-Punkte-Plan für die öffentliche Gesundheit. Prioritär sei dabei die soziale Distanz am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit.

Der Plan sieht unter anderem die Stärkung des lokalen Gesundheitsnetzes, sowie den Ausbau der Covid-Krankenhäuser vor. Auch wenn die Zahl der Neuinfizierten zurückgehen sollte, soll die heutige Zahl der Plätze in den Covid-Krankenhäusern erhalten bleiben, da eine Rückkehr der Epidemie nicht auszuschließen sei, erklärte Speranza. Hinzu sollen mehr Abstriche genommen werden, um zu begreifen, wie viele Italiener sich angesteckt haben. Geplant ist auch eine intensivere Heimbehandlung von Covid-Patienten.

Speranza begrüßte die sinkende Zahl von Patienten auf den Intensivstationen. "Das ist wichtig, damit unsere Krankenhäuser verschnaufen können. Außerdem bremst die Zahl der Neuinfektionen. Bis vor wenigen Wochen steckte ein Infizierter drei Personen an, jetzt nur noch einen", sagte der Minister. Er rief zur Einhaltung der Vorschriften ein: "Ohne Disziplin können alle bisher gemachten Opfer nutzlos gewesen sein."

Quelle: Agenturen