Studie: Soziale Rollen prägen Geschlechterstereotype
Untypische Personen würden teilweise nicht nur als überraschend, sondern auch als befremdlich wahrgenommen. Als Beispiel dafür nennt die Universität unter anderem einen Mann, der ein außerordentlich fürsorglicher Betreuer im Kindergarten ist. Für die im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichte Studie werteten die Forschenden Daten von mehr als 25.000 Befragten aus Umfragen aus, die im Jahr 1995 in 22 Ländern und im Jahr 2023 in 40 Ländern durchgeführt wurden.
Die Resultate zeigen, dass Männer länderübergreifend als ehrgeiziger und mutiger wahrgenommen werden. Frauen werden hingegen Eigenschaften wie Wärme und soziale Kompetenz zugeschrieben. Bei Kompetenzeigenschaften wie Intelligenz und Kreativität sahen die Befragten in den meisten Ländern keine Unterschiede.
Die Stärke dieser Überzeugungen variiert jedoch je nach Land. So ist der Glaube, dass Frauen gemeinschaftsorientierter sind, dort besonders ausgeprägt, wo Frauen überdurchschnittlich häufig in Pflege- und Dienstleistungsberufen tätig sind. Umgekehrt ist die Überzeugung, dass Frauen und Männer gleich kompetent sind, dort häufiger anzutreffen, wo Frauen mehr Hochschulabschlüsse erwerben.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verteilung von Frauen und Männern auf soziale Rollen entscheidend für die Entstehung von Geschlechterstereotypen ist. Eine Forderung zur Beseitigung von Stereotypen könne daher nur erfolgreich sein, wenn sich zugleich die Positionen von Frauen und Männern in der Gesellschaft angleichen.
Zusammenfassung
- Eine Studie der Universität Bern mit Daten von über 25.000 Befragten aus 22 Ländern (1995) und 40 Ländern (2023) zeigt, dass Geschlechterstereotype stark von sozialen Rollen und Berufen geprägt werden.
- Männer werden länderübergreifend als ehrgeiziger und mutiger, Frauen hingegen als wärmer und sozial kompetenter wahrgenommen, wobei bei Kompetenzeigenschaften wie Intelligenz und Kreativität kaum Unterschiede gesehen werden.
- Die Studie kommt zum Schluss, dass Stereotype dort besonders ausgeprägt sind, wo Frauen häufig in Pflege- und Dienstleistungsberufen arbeiten, und dass eine Angleichung der gesellschaftlichen Positionen notwendig ist, um Stereotype abzubauen.
