APA - Austria Presse Agentur

Studie: Nähe zu Ischgl erhöht Infektionsrate

Mai 27, 2020 · Lesedauer 2 min

Eine aktuelle Studie des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) zeigt: Eine geografische Nähe zu Ischgl ist offenbar einer der Hauptrisikofaktoren für eine vergleichsweise hohe Infektionsrate in Deutschland.

"Der österreichische Skiort Ischgl wird gemeinhin als Ground Zero für die Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus in Deutschland bezeichnet." Mit diesem Satz beginnt die Zusammenfassung der Studienergebnisse, für die Daten für 401 deutsche Landkreise untersucht wurden. "Schon ein um zehn Prozent kürzerer Anfahrtsweg nach Ischgl, erhöht die Infektionsrate im Durchschnitt um neun Prozent", sagt IfW-Präsident und Mitautor Gabriel Felbermayr. "Andersherum bedeutet das auch: Lägen alle deutschen Kreise so weit weg von Ischgl wie der Kreis Vorpommern-Rügen, gäbe es in Deutschland fast 50 Prozent weniger Infektionen mit dem Coronavirus." 

Vergleichsgebiet

Der Fall Ischgl wurde mit den ebenfalls stark von Corona betroffenen Regionen Heinsberg und Mulhouse/Grand-Est an der deutsch-französischen Grenze verglichen. Dort konnten laut der Studie kein vergleichbarer geografischer Einfluss nachgewiesen werden. "Interessant ist vor allem auch, dass die Entfernung zu Ischgl im Laufe der Zeit für die beobachteten Fälle nicht irrelevant wird", sagt Felbermayr. Das deute auf die Wirksamkeit der Lockdown-Maßnahmen mit verringerter Mobilität hin. "Nach den anfänglichen Infektionen durch heimkehrende Skifahrerinnen und Skifahrer gab es keine weitere geografische Verbreitung", sagt Felbermayr.

Langsame Reaktion in Ischgl fatal

Das Beispiel Ischgl zeige auch, wie fatal die eher langsame Reaktion war. Denn bereits am 5. März 2020 wurde Ischgl vom dem ersten europäischen Land als Risikogebiet eingestuft. Quarantäne-Maßnahmen gab es erst neun Tage später. Die Daten vom 20. März 2020 zeigen demnach, ein Drittel aller Fälle in Dänemark und ein Sechstel aller Fälle in Schweden können auf Ischgl zurückgeführt werden.

Katholische Kultur Einflussfaktor

Die Studie liefert auch Hinweise darauf, dass die katholische Kultur großen Einfluss hatte. "Die katholische Kultur scheint die Zahl der Fälle zu erhöhen – wahrscheinlich durch die vielen Karnevalsfeiern Ende Februar", so Felbermayr. Keinen Einfluss lieferten die Daten bezüglich Handelsverbindungen nach China, Altersstruktur, Ausländeranteil oder einem "Home-Office-Index".

Quelle: Redaktion / moe