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"Stiller Notruf" gegen männliche Gewalt zu den Feiertagen

21. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Zu Weihnachten steigen die Zahlen männlicher ("häuslicher") Gewalt gegen Frauen an. Mit dem "stillen Notruf" kann die Polizei erreicht werden, wenn telefonieren nicht möglich ist.

Konflikte in der Familie und Männergewalt gegen Frauen treten zu den Weihnachtsfeiertagen verstärkt auf. Nicht zuletzt deshalb hat das Innenministerium auf den "Stillen Notruf" hingewiesen, der seit 1. März 2022 über die Smartphone App DEC112 ("Digital Emergency Call") zur Polizei abgesetzt werden. Damit kann bei akuter Gefahr (zum Beispiel Gewalt in der Privatsphäre) die Polizei verständigt werden, wenn ein Sprach- oder textbasierter Notruf nicht möglich ist.

Die Leitstelle kann dann eine Streife zu dem um Hilfe rufenden Menschen schicken. Der "Stille Notruf" ist Teil des Gewaltschutzpakets der Bundesregierung und soll vor allem Frauen vor physischer Gewalt in der Privatsphäre schützen. Er kann nahezu unbemerkt ausgelöst werden, die Kommunikation wird laut Innenministerium auf ein Minimum beschränkt, zusätzlich werden im Hintergrund automatisch wichtige Daten übertragen. Dazu gehören die GPS-Standortinformationen, die Adresse der notrufenden Person sowie zusätzlich in der App hinterlegte Daten.

Bisher 13 Notrufe abgesetzt

Derzeit sind rund 5.500 Personen in der Smartphone App DEC112 angemeldet (53 Prozent Android Geräte, 47 Prozent I-Phones). In Österreich wurden bisher 13 "Stille Notrufe" abgesetzt. Bei sieben Alarmierungen bestand laut dem Einsatzleit- und Kommunikationssystem (ELKOS) ein aufrechtes Betretungsverbot nach Paragraf 38a Sicherheitspolizeigesetz, bei drei weiteren Einsätzen handelte es sich um eine akute Gefahrensituation.

Kritik von Frauenorganisationen 

Schon als der Notruf präsentiert wurde, kritisierten Frauenschutzorganisationen die App. Dabei ging es besonders darum, dass Frauen in Gewaltbeziehungen oft nicht von der Polizei ernst genommen werden würden. Sie forderten stattdessen in bereits bestehende Gewaltschutzsysteme wie etwa Hotlines zu investieren und sie auszubauen.

Mehr dazu: 

Sind Sie in einer Krisensituation? Hier finden Sie Hilfe:

Von Gewalt betroffenen Frauen steht zu jeder Tages- und Nachtzeit die Telefonnummer 0800 222 555 mit Expertinnen zur Seite. Eine Online-Beratung ist - parallel zur telefonischen Beratung - täglich in der Zeit von 15.00 bis 22.00 Uhr unter www.haltdergewalt.at erreichbar. Weitere Informationen unter www.frauenhelpline.at

Nummer Polizei: 133 oder 112 (Euronotruf)
SMS Polizei: 0800 | 133 133 (auch Notruf für Gehörlose)
Frauenhelpline: 0800 | 222 555

Quelle: Agenturen / Redaktion / mbe