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Steuerberater unter Betrugsverdacht mit Millionenschaden

Heute, 12:17 · Lesedauer 3 min

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen einen angesehenen Wiener Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der als Vermögensverwalter veranlagte Gelder unterschlagen haben soll. Nach gesicherten APA-Informationen sollen deutlich über zwei Dutzend Kundinnen und Kunden betroffen sein, ein Schaden von bis zu 6,5 Millionen Euro steht im Raum. Ermittelt wird wegen schweren Betrugs und Untreue.

Eine enge Verwandte des Steuerberaters wird als Mitbeschuldigte geführt. Sie hatte bis September 2020 in der Kanzlei formell die Geschäfte geführt, danach fungierte sie als Prokuristin.

Der Steuerberater erstattete Ende Mai 2025 beim Landeskriminalamt (LKA) Wien Selbstanzeige und erklärte, er habe sein "jahrelang aufgebautes Lebenswerk zerstört". Als Vermögensverwalter hatte er verschiedene Investitionsmodelle betrieben. Unter anderem legte er über ein Sammeldepot bei einer Bank Gelder zur Veranlagung an, wobei er seinen Kundinnen und Kunden lukrative Renditen versprach. Weiters hatte er neben vermeintlich "pensionssicheren" Investments auch Aktien einer dubiosen Gesellschaft auf den Bahamas im Portfolio.

Als sich das Portfolio schlecht entwickelte und Verluste eintraten, konnte der Beschuldigte Garantiezusagen und den Kundinnen und Kunden eingeräumte Entnahmemöglichkeiten nicht mehr einhalten. Er dürfte daraufhin begonnen haben, zunächst Gelder "umzuschichten" und nach der Loch-auf-Loch-zu-Methode fällige Auszahlungen mit fremdem Geld zu tätigen. Später wurden Betroffene vertröstet, indem auf angebliche Gesetzesänderungen, Schwierigkeiten mit der Finanzmarktaufsicht (FMA), die Folgen von Corona und Donald Trump verwiesen wurde. Außerdem wurde in einigen Fällen die Entwicklung der Veranlagungen falsch dargestellt, indem Betroffenen in Performance-Berichten Gewinne vorgetäuscht wurden, sodass sie ihr Vermögen weiter im Portfolio beließen. In einigen Fällen kam es sogar zu weiteren Überweisungen oder Bargeld-Übergaben.

Betroffene vertraute Steuerberater "blind"

Eine Betroffene hatte dem Steuerberater 400.000 Euro zur Veranlagung übergeben. Ihr wurde eine Rendite von zehn Prozent versprochen. Sie habe dem Mann "blind vertraut", gab die Betroffene in ihrer polizeilichen Befragung an. Die Modalitäten der Veranlagung muteten allerdings befremdlich an. Sie musste das Geld in bar in die Kanzlei bringen, ein Anwalt werde den Betrag dann in die Schweiz bringen, wo es einem Banker übergeben werde, der es dann auf den Bahamas anlegen werde.

Die meisten Betroffenen waren ausdrücklich nicht auf risikoreiche Investments aus. Ihnen ging es um eine konservative Veranlagung. Bei einem der vom Beschuldigten angebotenen Modelle handelte es sich um eine Art Pensionskonto, auf das von den Betroffenen hohe Beträge einbezahlt wurden, um später in festgelegten Zeiträumen verbindliche Auszahlungen inklusive Auszahlungen zu erhalten. Dazu kam es ab April 2025 nicht mehr, sämtliche Zahlungen wurden eingestellt, weil offenbar keine Mittel mehr vorhanden waren.

"Dann geh ich halt in Häf'n"

Einer Kundin gestand der Steuerberater ihrer Aussage zufolge bei einem Termin in seiner Kanzlei, das Geld sei weg. Ihm sei bewusst, dass er nun angezeigt werde. Wörtlich soll er dazu angemerkt haben: "Dann geh ich halt in Häf'n."

Der Beschuldigte soll im Zuge des Ermittlungsverfahrens erklärt haben, er sei zuletzt infolge schwerer gesundheitlicher Probleme nicht mehr in der Lage gewesen, operativ tätig zu sein. Er wurde allerdings im vergangenen Sommer bei den Festspielen Reichenau gesehen, wo er Augenzeugenberichten zufolge einen fitten Eindruck gemacht haben soll.

Als sich im Jänner 2025 das prekäre Desaster abzeichnete und klar war, dass nicht mehr ausreichende Mittel zur Befriedigung der Gläubiger vorhanden waren, soll der Steuerberater 1,5 Mio. Euro an Verwandte überwiesen haben, die ebenfalls bei ihm veranlagt hatten. Die WKStA wird zu klären haben, ob damit vorsätzlich die Interessen anderer Gläubiger geschädigt wurden.

Zusammenfassung
  • Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Wiener Steuerberater, der als Vermögensverwalter Kundengelder veruntreut und einen Schaden von bis zu 6,5 Millionen Euro bei mehr als zwei Dutzend Personen verursacht haben soll.
  • Der Beschuldigte zeigte sich im Mai 2025 selbst an, nachdem er Garantiezusagen und Auszahlungen nicht mehr erfüllen konnte und Kundinnen und Kunden mit falschen Berichten sowie angeblichen externen Problemen vertröstete.
  • Im Jänner 2025 wurden 1,5 Millionen Euro an Verwandte überwiesen, während ab April 2025 sämtliche Auszahlungen an andere Betroffene eingestellt wurden.