APA - Austria Presse Agentur

Steigende Corona-Zahlen: Anschober "alarmiert"

04. März 2021 · Lesedauer 3 min

Gelinge es nicht, die Zahlen zu senken oder zumindest zu stabilisieren "droht eine dramatische Situation". Auch die Intensivstation-Auslastung ist um 20 Prozent gestiegen. Die Frage, ob man unter derartigen Umständen die am Montag in Aussicht gestellten Öffnungsschritte im Laufe des Monats tatsächlich gehen könne, ließ Anschober offen.

Die aktuellen Daten des "Covid-Prognose-Konsortiums", die in der nächsten Woche (10. März) eine österreichweite 7-Tages-Inzidenz von 228 vorhersehen, stimmen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) "alarmiert". Die Situation, mit der fast bundesweit dominanten, ansteckenderen britischen Variante (B.1.1.7) und den entsprechend steigenden Fallzahlen erinnere ihn an den vergangenen Herbst. Ob die möglichen Öffnungsschritte gesetzt werden, evaluiere man bis 15. März.

"Pandemie in der Pandemie"

Vor allem B.1.1.7 müsse als "Pandemie in der Pandemie" betrachtet werden, so Anschober am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz. Während man mit den bisherigen Eindämmungsmaßnahmen die Ausbreitung des "Wildtyps" im Griff habe, sei das bei B.1.1.7 anders, so der Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH, Herwig Ostermann. Die aktuellen Daten weisen darauf hin, dass sich die effektive Reproduktionszahl (R) beim Wildtyp unter dem neuralgischen Wert von eins hält. Man könne die ursprüngliche Variante also gut unter Kontrolle halten. Bei der britischen SARS-CoV-2-Variante liege dieser Wert in Österreichschnitt um 23 Prozent höher. Demnach steckt im Durchschnitt ein nachweislich mit B.1.1.7-Infizierter mehr als eine zusätzliche Person an, sagte Ostermann.

Steigende Zahlen "tatsächlicher Anstieg"

Entgegen mancher Vermutungen sei der aktuelle Fallzahlenanstieg nicht den zuletzt deutlich ausgebauten Testkapazitäten geschuldet: Man habe es mit einem "tatsächlichen Anstieg" des Infektionsgeschehens zu tun, der auch auf die Krankenhäuser durchzuschlagen drohe. Bis zum 17. März prognostiziert das aus Forschern vom Complexity Science Hub Vienna, der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien, dem Team um Niki Poppers Firma dwh und anderen Institutionen bestehende "Covid-Prognose-Konsortium", dass sich rund 1.500 Personen mit Covid-19 in Normalpflege befinden werden. Bis Mitte des Monats seien demnach auch rund 420 Personen in Intensivbehandlung zu erwarten (derzeit knapp über 300, Anm.). Es gelte daher "möglichst rasch eine entsprechende Trendumkehr zu schaffen", betonte Ostermann.

Anschober warnt vor "Wiederholung des Herbstes"

Der Gesundheitsminister warnte angesichts dieser Zahlen vor einer "Wiederholung des Herbstes". Die heute verzeichneten 2.324 Neuinfektion seien "sehr viel" - ebenso die zuletzt fast konstanten Zuwächse um über 2.000 Infektionen täglich, so Anschober. Am 10. März würde man laut der Prognose bei 3.200 zusätzlichen Fälle pro Tag landen.

"Das Ruder zeigt leider in falsche Richtung", so der Minister. Gelinge es nicht, die Zahlen zu senken oder zumindest zu stabilisieren "droht eine dramatische Situation". Die Frage, ob man unter derartigen Umständen die am Montag in Aussicht gestellten Öffnungsschritte im Laufe des Monats tatsächlich gehen könne, ließ Anschober offen. Am 15. März werde evaluiert.

Bis dahin werde müsse man "alles daran setzen, dass sich der vergangene November nicht wiederholt". Die Voraussetzungen dafür seien nicht zuletzt durch die kommenden wärmeren Temperaturen und die Impfungen, bei denen man jetzt mehr Tempo machen könne, dieser Tage jedoch deutlich besser als noch im Herbst.

Intensivstation-Auslastung um 20 Prozent gestiegen

Anschober verkündete auch, dass die Auslastung in den Intensivstationen vergangene Woche um 20 Prozent angestiegen ist. Derzeit (Stand: 04.März 2021, 11:15 Uhr) befinden sich 1.425 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung. Davon werden 302 auf Intensivstationen betreut. Laut "Kurier" stehen noch 4.125 Betten auf Normalstation sowie 544 freie Intensivbetten zur Verfügung.

Quelle: Agenturen