APA - Austria Presse Agentur

Stadtrechnungshof: Kosten für Wiener U-Bahn-Ausbau steigen

24. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Bei der Prüfung der vierten U-Bahn-Ausbauphase des "Linienkreuzes U2/U5" durch den Wiener Stadtrechnungshof stellte sich heraus, dass die ursprünglich geplanten Gesamtkosten des Projekts von rund 950 Millionen Euro durch eine neuerliche Ausschreibung auf rund 1,7 Millionen gestiegen sind.

In der vierten Ausbauphase ist der Bau der U2 von der Station "Rathaus" bis zur Station "Matzleinsdorfer Platz" und der U5 von der Station "Rathaus" bis zum "Frankhplatz" vorgesehen. Im Mai 2015 wurde dafür laut dem Rechnungshofbericht ein Finanzierungsübereinkommen zwischen dem Bund und dem Land Wien abgeschlossen. Hier wurde ursprünglich von Gesamtkosten in der Höhe von rund 950 Millionen Euro (Preisbasis 2013) und einer Eröffnung im Jahr 2023 ausgegangen.

Bei den Ausschreibungen der wesentlichen Bauleistungen für die Stationen "Frankhplatz" und "Rathaus" fiel dem Rechnungshofbericht zufolge dann aber auf, dass die Kostenschätzungen der Wiener Linien zu niedrig angesetzt waren. "Diese Kostenschätzungen basierten nämlich auf nicht valorisierten Preisen aus dem Jahr 2011 und enthielten auch keine Zuschläge für die komplexe Leistungserbringung im innerstädtischen Bereich", heißt es in dem Bericht.

Kosten steigen auch in weiteren Phasen

Die Wiener Linien widerriefen in der Folge die Ausschreibungen wegen der Differenz zu ihren Kostenschätzungen - obwohl ein beauftragter Sachverständiger marktkonforme Preise attestiert hatte. Die neuerliche Ausschreibung für beide Stationen im Jahr 2019 ergab letztlich höhere Angebotssummen, zudem kam es zu Verzögerungen im Projektablauf. Die abgeschätzten Gesamtkosten für die vierte U-Bahn-Ausbauphase wurden entsprechend den Ergebnissen dann auf rund 1,702 Milliarden Euro (Preisbasis 2020) erhöht. Unter Berücksichtigung der Vorausvalorisierung bis zur geplanten Eröffnung der vierten U-Bahn-Ausbauphase Ende 2028 bzw. Jänner 2029 wurden geschätzte Gesamtkosten von rund 2,092 Milliarden Euro prognostiziert.

Auch bei der fünften Aufphase dürfte es dem Bericht zufolge zu höheren Kosten kommen. Eine interne Kostenabschätzung der Wiener Linien ging hier von rund 2,696 Milliarden. Euro (Preisbasis 2020) aus. Unter Berücksichtigung der geplanten Betriebsaufnahme im Jahr 2032 wurde in dem Bericht nun ein vorausvalorisierter Betrag von rund 4,357 Milliarden Euro genannt. "Für das 'Linienkreuz U2/U5' ergäben sich somit insgesamt abgeschätzte vorausvalorisierte Gesamtkosten in der Höhe von rund 6,449 Milliarden Euro", so der Stadtrechnungshof.

Wiener Linien: Planung sei schwierig

Die Wiener Linien betonten in einem Statement gegenüber der APA, dass die Ausführungen des Stadtrechnungshofes die Vorgehensweise der Wiener Linien bestätigen, "bei derartig komplexen Projekten Kostenschätzungen, die wirklich halten, erst nach erfolgter Detailplanung und den Rohbau-Ausschreibungen zu nennen" - diese Investitionskosten hätten die Wiener Linien demnach vergangenes Jahr im Dezember bekanntgegeben. "Sie betragen in Summe für die erste Baustufe U2xU5 2,1 Mrd. Euro. Die Entscheidung für Neuausschreibungen hat sich in einer Gesamtbetrachtung ausgezahlt und hat rund 200 Mio. an Ersparnis gebracht", hieß es.

Opposition übt Kritik

Kritik kam von der Opposition: "Leider sind die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich möglicher Kostenexplosionen beim U-Bahn-Ausbau vom Stadtrechnungshof nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen worden. Mit rund 6,5 Milliarden Euro werden sich die Gesamtkosten gegenüber den ursprünglichen Schätzungen verdoppeln, ein Fiasko für die Wiener Linien, aber vor allem für die Wiener Steuerzahlerinnen und Steuerzahler", so ÖVP-Finanzsprecher Manfred Juraczka.

Die Wiener FPÖ sah ebenfalls eine "massive Kostenexplosion". "Wie schon beim KH Nord wird auch beim U2/U5-Bau Geld verschleudert, als hätte man im Keller des Rathauses den Goldesel stehen. Offenbar ist man bei der Stadt Wien nicht in der Lage, nach Kostenwahrheit zu bauen, der Dilettantismus scheint Programm zu sein", so der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp in einer Aussendung.

Quelle: Agenturen / koa