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Sechswöchiges Baby starb - Mordprozess erneut vertagt

Mai 18, 2020 · Lesedauer 2 min

In der Fortsetzung des Klagenfurter Mordprozesses gegen einen 27-jährigen Kärntner, dem vorgeworfen wird, im Sommer 2018 seine sechs Wochen alte Tochter zu Tode geschüttelt zu haben, sind am Montagnachmittag Aussagen verlesen worden. Die Zeugen standen zudem für neuerliche Befragungen zur Verfügung. Die Wiederholungen waren notwendig, weil ein Geschworener erkrankt ist und ersetzt werden musste.

Verwandte, Bekannte und eine Sozialarbeiterin, von der die Familie im Rahmen der Trauerarbeit betreut worden war, waren als Zeugen geladen. Die Sozialarbeiterin bezeichnete den Betreuungsverlauf als unkompliziert, den Umgang der Familie untereinander als liebevoll. Sie hätten alle empfohlenen Therapien absolviert, keinen Termin abgesagt, auch unangekündigte Besuche seien kein Problem gewesen. Das sei ausgesprochen selten.

Bei der Zwillingsschwester des verstorbenen Säuglings sah sie immer wieder blaue Flecken, die plötzlich und aus unerklärlichen Gründen auftauchten und dann wieder verschwanden. Um das zu beobachten, habe sie das Kind selbst gewickelt und niedergelegt und nach dem Aufwachen wieder gewickelt. Vorher sei nichts zu erkennen gewesen und nach dem Mittagsschlaf seien die Hämatome plötzlich da gewesen. Durch ein Einwirken von außen habe es in dieser Zeit, in der sie dort gewesen sei, nicht passieren können. Das könne sie sich bis heute nicht erklären, sagte die Zeugin.

Über solche Phänomene berichtete auch die Mutter der Zwillinge. Nicht nur die beiden Mädchen, auch der ältere Sohn habe bis zur Vollendung seines ersten Lebensjahres ohne ersichtlichen Grund Hämatome bekommen. Daher wird vom Verteidiger des Angeklagten, der sich nach wie vor nicht schuldig bekennt, eine Gerinnungsstörung als mögliche Ursache für die Gehirnblutung ins Treffen geführt.

Am Vormittag hatten Zeugen - Ärzte und Diplomkrankenpflegerinnen - ausgesagt, bei dem Kind keinerlei Verletzungen, Hämatome oder Rötungen gesehen zu haben, als es ins Klinikum Klagenfurt eingeliefert wurde. Das Kopfschwartenhämatom und die Gehirnblutungen wurden erst bei der Obduktion gefunden. Laut Gerichtsgutachter sollen sie durch Schütteln sowie Schlagen des Kindes auf einen flachen Gegenstand entstanden sein.

Der Vorsitzende des Geschworenensenats, Richter Oliver Kriz, vertagte die Hauptverhandlung auf Dienstag. Es seien die Befragung weiterer Zeugen und des Sachverständigen und die Entscheidung der Geschworenen geplant, kündigte er an.

Quelle: Agenturen